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Heilpraktikerin für Psychotherapie:"Es fühlt sich wie eine Berufung an"

Nergiz Eschenbacher liebt das Bayerisch-Bodenständige. Seit dem Jahr 2014 hat sie eine eigene Praxis als Heilpraktikerin für Psychotherapie und sucht derzeit neue Räume.

(Foto: Marco Einfeldt)

Ihr Amt als Integrationsbeauftragte der Stadt Freising hat Nergiz Eschenbacher aufgegeben, als ihr Mann Oberbürgermeister wurde. Nun arbeitet sie seit vier Jahren als Heilpraktikerin.

Nergiz Eschenbacher (42) hat türkisch-griechische Wurzeln, liebt aber Trachten und das Bayerisch-Bodenständige. Die Sozialpädagogin war Freisings Integrationsbeauftragte - bis ihr Mann Tobias Oberbürgermeister wurde. Sie wagte den Neuanfang und es wurde eine Leidenschaft daraus.

SZ: Wie wirkt es sich auf das eigene Leben aus, Frau des Freisinger Oberbürgermeisters zu sein?

Eschenbacher: Die größte Auswirkung, die das Privatleben betrifft, ist sicher die zeitliche. Es gibt bei uns im Kalender Termine, die stehen schon ein halbes oder ein Jahr vorher fest. Früher war ich gerne eine kurzfristige Planerin, jetzt bin ich eine geübte langfristige Planerin. Für die Familie ist es oft schwer zu verstehen, dass zwei Wochen Vorlauf bei uns zu knapp sind.

Wie war es für Sie, Ihr Amt als Integrationsbeauftragte niederlegen zu müssen, als Ihr Mann 2012 die Wahl gewonnen hatte?

Oh, das musste ich nicht. Es war eine gemeinsame Entscheidung von meinem Mann und mir, da das Amt auch halbpolitisch ist. Wir wollten das klar trennen.

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Tat es trotzdem weh, es aufzugeben?

Ja, allerdings halb und halb. Ich hatte in den Jahren so viele Netzwerke aufgebaut, war in verschiedenen Gremien und hatte Kollegen lieb gewonnen. Damals hing ich ein bisschen in der Luft und brauchte eine Entscheidung: Was sollte ich als nächstes machen? Ich hatte noch meine Ausbildung zur Heilpraktikerin für Psychotherapie in der Schublade und schon früher immer wieder überlegt, mich selbständig zu machen. Ich habe mich dann coachen lassen. Jetzt habe ich seit 2014 meine eigene Praxis und es fühlt sich wie eine Berufung an. Deswegen "halb und halb". Es bewahrheitet sich, dass immer alles seinen Grund hat.

Können Sie sich vorstellen, selbst einmal für das Amt der Oberbürgermeisterin zu kandidieren?

Nein. Wenn ich mich da mit meinem Mann vergleiche: Mein Mann hat so eine integrative und diplomatische Art. Er ist ein Naturtalent. Ich wäre wohl für so ein Amt viel zu direkt mit meinen Aussagen.

Wie sehr sind Sie selbst politisch aktiv? Sie waren schließlich Stellvertretende Vorsitzende der Freisinger Mitte.

Bei den letzten Vorstandswahlen bin ich nicht mehr angetreten - aus beruflichen Gründen, da mich meine Praxis sehr in Anspruch nimmt. Und die Vorstandsarbeit ist doch ein gewisser Aufwand.

Wo stehen Sie jetzt?

Ich habe mir eine Praxis aufgebaut und parallel vier weitere Ausbildungen zu meiner klassischen Arbeit als Psychotherapeutin gemacht, eine im Bereich Traumatherapie und drei in der prä- und perinatalen Psychotherapie, in der es unter anderem um die Mutter-Kind-Bindung, auch schon vor der Geburt, geht. Die Geburt ist letztlich Teamwork von Mutter und Baby. Es kommen Frauen zu mir, die bereits eine schwere Geburt oder eine postnatale Depression erlebt haben, aber auch solche, die eine Fehlgeburt hatten. Kinderwunsch ist ein Thema. Die Arbeit ist meine Leidenschaft, sonst hätte ich die Ausbildungen nicht parallel zum Alltag geschafft. Es ist eine schöne Arbeit, die Menschen, die zu mir kommen, zu begleiten. Vorletztes Jahr war ich aber ganz froh, dass ich alle Ausbildungen abschließen konnte. Ich war dafür oft an den Wochenenden in ganz Deutschland unterwegs.

Bei so viel Arbeit und Weiterbildung - sehen Sie und Ihr Mann sich da überhaupt?

Im Alltag muss ich es schon oft so organisieren, dass ich lange wach bleibe, um ihn zu sehen. Aber ich begleite ihn ja auch zu Veranstaltungen und unter der Woche arbeiten wir ja sowieso beide.

Was wollen Sie noch erreichen?

Aktuell suche ich andere Praxisräume. Bisher ist meine Praxis bei uns daheim eingerichtet. Da gibt es noch die eine oder andere Ausbildung, die mich reizt. Aber ich muss mich erst mal bremsen - auch wenn es etwas sehr Lebendiges ist zu lernen: Man geht mit der Zeit, man macht Entwicklungen mit.

Berufliches und Privates so dicht zusammen - geht das gut?

Ich kann das innerlich gut für mich trennen. Wenn aber ein Fall, eine Geschichte einen sehr berührt, und das kommt vor, dann nützt es auch nichts, sich räumlich zu trennen. Dann nehme ich es doch mit nach Hause. In dem Fall nehme ich Supervisionen in Anspruch, um wieder innere Klarheit herzustellen.

Ihr Wunsch für Freising?

Dass die Dinge, die jetzt auf den Weg gebracht wurden und gerade gebaut werden, zum Beispiel die Innenstadtkonzeption, auch umgesetzt werden. Sie bereichern Freising, selbst wenn es mit den Baustellen für alle erst einmal Einschränkungen gibt.

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