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Mit Halogenlicht auf der Pirsch:Hasen zählen in der Nacht

27,1 Hasen leben im Landkreis Freising auf hundert Hektar Fläche. Das ist ein bisschen weniger als im Vorjahr.

(Foto: Marco Einfeldt)

Jäger Walter Bott zieht mit seiner Frau vier Mal im Jahr nachts durchs Revier, um Hasen zu zählen. Dieses "Wildtiermonitoring" gibt Aufschluss über die Population: Im Landkreis Freising liegen die Zahlen über dem Durchschnitt.

Im Jeep herrscht Stille, nur das Schaben der Gräser am Wagenboden und das Brummen des Allradantriebs sind zu hören, während gleißendes Scheinwerferlicht die Felder und Wiesen absucht. "Links zwei Hasen, dort hinten rechts drei Rehe", unterbricht die Stimme von Walter Bott die Stille.

Es ist 22.30 Uhr, Samstagabend, noch knapp drei Stunden wird der Jäger unterwegs sein, ohne Gewehr, nur mit einem Halogenstrahler und einem Block bewaffnet. Und mit seiner Frau. Johanna Bott fungiert in dieser Nacht als Chauffeurin, sie kennt die Route durch das 940 Hektar große Revier von Sünzhausen. Sonst hat sie mit der Jagd ihres Mannes nicht viel am Hut, aber beim Hasenzählen ist sie regelmäßig dabei, seit 15 Jahren.

Sie fährt und merkt sich die Zahl der Rehe, er ist für das Licht und die Hasen zuständig

Viermal im Jahr, zweimal im Frühling und zweimal im Herbst, ist das Ehepaar Bott in Sachen Wildtiermonitoring zu nachtschlafender Zeit auf den Rumpelwegen durch Wald, Wiesen und Flur unterwegs. Dann zählen sie Feldhasen und Rehe, sichtbar gemacht vom hellen Halogenstrahler. Sie sitzt am Steuer und merkt sich die Zahl der Rehe, er, auf dem Beifahrersitz, mit dem Strahler in der Hand, die Hasen. So geht Arbeitsteilung im Hause Bott. 150 Meter weit leuchtet Walter Bott in die Nacht hinein, um Einblick zu erhalten. Weißliche Augen blitzen auf, sie gehören zu Rehen, die Augen der Hasen schimmern leicht rötlich. Auch Füchse, Marder, Eulen, Katzen und Vögel werden aufgeschreckt, alles im Dienst der Wissenschaft. Denn Botts Zählung gehört, ebenso wie die eines Jägerkollegen in einem Revier bei Neufahrn, zum jährlichen Wildtiermonitoring des Bayerischen Jagdverbands. Walter Bott selbst ist Vorsitzender des Jagdschutz- und Jägervereins Freising.

Am Ende der dreistündigen Zählung wird Bott 24,1 Hasen pro 100 Hektar auf seiner Liste haben. Wie es scheint, ist die Population wieder kleiner geworden, vergangenes Jahr lag er bei der Frühjahrszählung bei 27,5 Hasen. Vorschnelle Schlüsse aber lässt Bott nicht zu : "So eine Zählung ist nur eine Momentaufnahme, deshalb brauche ich unbedingt eine zweite, bevor ich etwas kommentiere." Drei Tage später kommt er auf 27,1 Hasen, das entspricht knapp dem Wert des Vorjahres.

Viermal im Jahr zählt Walter Bott zusammen mit seiner Frau Hasen im Landkreis Freising.

(Foto: Marco Einfeldt)

"Wir liegen hier weit über dem Landesdurchschnitt", betont Bott - der betrug im vorigen Frühjahr 19,1 Hasen pro 100 Hektar. Insgesamt aber, das sagt auch der erfahrene Jäger aus Sünzhausen, hat die Zahl der Feldhasen abgenommen, wenn er auch nicht von einem drohenden Aussterben reden mag. Klar, seit der Flurbereinigung sei die Landschaft immer aufgeräumter geworden, die Felder größer, die Feldraine, Hecken und vor allem die extensiven Wiesen mit ihrer Kräutervielfalt immer weniger, das mache dem Hasen zu schaffen.

Deshalb hat der Jagdpächter Josef Krimmer mit Hilfe seiner Jäger, zu denen auch Walter Bott gehört, im Sünzhausener Revier auch schon vor 40 Jahren angefangen, für die Landwirtschaft unrentable Flächen mit Gebüsch und Bäumen zu bepflanzen. Die Bauern hätten mitgemacht, weil sie keinen Schaden hatten, weil man sich kennt und sie teils selbst Jäger sind, sagt Bott. Jetzt können die ersten von ihnen schon Holz aus den Pflanzungen schlagen. Alleine im Revier Sünzhausen sind 15 Hektar mit knapp 32 000 Bäumen und Sträuchern bepflanzt worden, darunter Schlehen, Weißdorn und Holunder, Birken, Fichten, Obstbäume.

"Jäger sind Naturschützer", betont Bott

"Daran sieht man, Jäger sind Naturschützer, was dem Wild zugute kommt, nutzt auch anderen Arten", betont Bott. Die Hecken böten auch Lebensraum für Insekten, Schmetterlinge und Vögel. Die nächtliche Zählung freilich zeigt es überdeutlich: Auf den Äckern, wo auch jetzt noch die kahle Erde liegt, ist kein Tier zu finden, in den bewachsenen Versuchsfeldern der Technischen Universität dagegen hoppelt es nur so. "Der Hase mag es kleinräumig", weiß Bott. Auch die Felder, auf denen frisch geodelt oder Pestizide ausgebracht worden sind, werden von Wildtieren gemieden.

Viele Jäger beobachten seit Jahren, dass im Frühjahr und Sommer noch eine ansehnliche Hasendichte herrscht, sich die Zahl aber bis zum Winter dann verringert, weil nicht genug Junge überleben. Über die Ursachen rätselt man. Einen Grund vermutet Bott in den Wildschweinen, deren Zahl in den vergangenen Jahren zugenommen hat und auf deren Speiseplan auch Junghasen stehen. Schwarzwild ist ihm aber bei der Frühjahrszählung auch heuer nicht begegnet, das war in den vergangenen 15 Jahren nur zweimal der Fall.

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