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Technikbegeisterte treffen sich:Freisinger Hackathon: Lösungen finden

Bernardo und Timon (rechts) fachsimpeln beim Hackathon im "Fab-Lab", um Freising ein bisschen smarter zu machen.

(Foto: Marco Einfeldt)

Rund 30 Bastler tüfteln beim Hackathon 26 Stunden lang im "Fab-Lab" an der Umsetzung ihrer Ideen, mit denen sie die Stadt im Bereich der Mobilität zu einer "Smart City" machen wollen.

Mobile Feinstaubmessgeräte, die, an Bussen fixiert, bei jedem Halt eine Messung durchführen und das Ergebnis allen Interessierten online zur Verfügung stellen. Ein kleines Böxchen, das, einmal am Duschkopf montiert, den Wasserverbrauch pro Duschgang jeder im Haushalt lebenden Person misst und so das Wassersparen vereinfacht. Oder Mülltonnen, die per Sensor eigenständig ihren Füllstand erkennen können - das alles sind keinesfalls Ideen aus Science-Fiction-Romanen, sondern allesamt Ergebnisse des Freisinger Hackathons im Vorjahr. Ausgedacht und teilweise sogar fertig gebaut und programmiert haben sie freiwillige Bastler aus mehreren Ländern, die unter anderem auf Einladung des in Freising niedergelassenen Technik-Unternehmens Texas Instruments (TI) ins "Fab-Lab" am Clemensängerring gekommen waren.

Am Freitag öffnete dieses in den Räumen der Firma Petafuel gelegene Ausprobier-Areal für Technik-Tüftler erneut seine Tore für rund 30 Bastler, die sich für die diesjährige Ausgabe des Hackathons angemeldet hatten. Unter dem Motto "Smart City Freising" wurde in acht Kleingruppen von Freitagnachmittag bis in die frühen Abendstunden des Samstags nachgedacht, gecodet, gebastelt und getestet, was das Zeug hielt.

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Ganz im kreativen Werkeln vertieft, wurde Schlaf für alle Teilnehmer zur Nebensache: "Wir haben um zwei Uhr morgens aufgehört", erzählt Mario Mlynek von Texas Instruments, der für die Organisation des Events zuständig ist. Am nächsten Morgen sei es dann bereits um 8.30 Uhr mit dem Frühstück weitergegangen. "Letztes Jahr habe ich hier sogar erst um halb fünf morgens zugesperrt", bemerkt Mlynek lachend. Doch einmal im Jahr könne man sich das schon leisten, denn es sei wichtig, "dass die Leute hier und überhaupt wir alle uns nicht unserer Hilflosigkeit ergeben, sondern über unseren Alltag nachdenken und Lösungen finden."

Der Oberbürgermeister wünscht den Anwesenden "genug Kaffee"

Insbesondere ging es den Veranstaltern bei dieser Lösungssuche um das Thema "Smart Mobility", also intelligente Formen der Mobilität, gerne auch abseits des Autos. Denn, so Freisings Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher: "Die Mobilitätswende ist ein großer Baustein im Kampf gegen den Klimawandel." Den Teilnehmenden wünschte Eschenbacher für die insgesamt 26 Stunden, die ihnen zwischen dem ersten Brainstorming und der finalen Abschlusspräsentation blieben, "viel Inspiration", "gute Ideen, Freising" und nicht zuletzt "genug Kaffee".

Davon gab es im "Fab-Lab" in der Tat mehr als genug. Für den Austragungsort gab es ausschließlich Lob. Die allen Mitgliedern jeden Mittwochabend offenstehende "Spielwiese für Technikfreaks und Bastler", wie es auf der Homepage heißt, ist laut Andreas Schwaiger. Geschäftsführer von TI Deutschland, etwas, das Freising schon länger gebraucht hätte. Auch Oberbürgermeister Eschenbacher stellte die "tolle Atmosphäre" heraus und lobte außerdem Peter Schönweitz, den Geschäftsführer der Firma Petafuel: "Er hat einfach den Bedarf gesehen und dann etwas getan, anstatt sich nur zu beschweren."

Um Konkurrenz geht es nicht

Und tatsächlich ist das "Fab-Lab" mit seinen frei benutzbaren 3D-Druckern, Lasercuttern und vielen weiteren technischen Spielereien der ideale Austragungsort für ein Event wie den Hackathon. Doch nicht nur die Location half den Teilnehmenden bei der Entwicklung und Umsetzung ihrer Ideen weiter, auch der gute Umgang untereinander war ein wichtiger Faktor. "Es gibt hier keine Konkurrenz, man hilft einfach zusammen", erklären Florian Berenbrinker und Max Gröning vom Team "Lightpfosten". Auch Schwaiger stellt fest: "Hackathon is a spirit."

Bei den Abschlusspräsentationen der Kleingruppen vor der fünfköpfigen Jury, bestehend aus OB Eschenbacher, Petafuel-Geschäftsführer Schönweitz, Start-up-Coach Christine Purnell und je einem Vertreter von TI sowie Preis-Sponsor und Online-Versandhandel Mouser, wurde dieser "Spirit" deutlich: Man applaudierte für die Vorstellungen der Mitstreiter und lobte einander für die guten Ideen, die wirklich zahlreich aufkamen und kreativ umgesetzt wurden. Den dritten Platz konnte sich die Gruppe "Bus-Plus" sichern, die sich ein digitales Belohnungssystem für häufige MVV-Gäste ausgedacht hatte. Zweiter wurde das Team "Lightpfosten" mit dem Konzept, Fahrbahn-Leitpfosten serienmäßig mit Infrarot-Sensoren zur Erkennung von Wildwechsel und LEDs zur Frühwarnung der Fahrer mittels Farbsignal auszustatten. Auch andere Leuchtmuster für Unfälle oder nahende Polizei- oder Rettungswagen hatte sich das Team ausgedacht. Den Sieg holte sich allerdings die Gruppe "AR-Schild". Die will mithilfe von Augmented Reality, also der digitalen Erweiterung etwa von Bildern einer Smartphone-Kamera, Schilder genauer erklären und dem Nutzer so seinen individuellen Weg zum Ziel intuitiv darstellen, ähnlich wie bei einem Navigationsgerät. Aber, so betonte Jury-Mitglied Lukas Badura, alle Gruppen hätten "Top-Ergebnisse" geliefert.