Süddeutsche Zeitung

Guttenberg-Besuch:Grotesker Nachtarock

Der Auftritt des ehemaligen Bundesministers bei der Herbstschau hat Unfrieden in die Stadt getragen

Kommentar von Alexander Kappen

Sicher, die Stadt hat jetzt einen prominenten Namen mehr in ihrem Goldenen Buch stehen. Moosburg findet Erwähnung in den überregionalen Medien, die ihre Berichte "von dieser schönen Veranstaltung aus der Dreirosenstadt hinaus tragen", wie es der CSU-Kreisvorsitzende Florian Herrmann formulierte. Und Festwirt samt Stadt, die am Bierverkauf partizipiert, können sich darüber freuen, dass das Herbstschauzelt so voll war wie selten zuvor an einem Montag. Dennoch muss die Frage erlaubt sein, ob es das alles wert war, angesichts des großen Unfriedens, den die CSU-Wahlkampfveranstaltung mit dem Auftritt des früheren Bundesministers Karl-Theodor zu Guttenberg während der laufenden Herbstschau in die Stadt getragen hat.

Hätte sich der offenbar viel beschäftigte Bundesminister a. D. nach dem Terminkalender der Stadt gerichtet und nicht umgekehrt, wäre die Sache vermutlich relativ unspektakulär über die Bühne gegangen: Die CSU mietet an einem gewöhnlichen Tag vor oder nach der Herbstschau das Festzelt, Guttenberg macht die Hütte voll, rockt den Laden, seine Partei freut sich - und aus die Maus. So aber hat sich die Rathausspitze um CSU-Bürgermeisterin Anita Meinelt den Unmut ihrer Stadtratskollegen aus anderen Parteien zugezogen, weil Wahlveranstaltungen - zumal dann, wenn sie einseitig sind - ihrer Meinung nach auf dem von der Stadt organisierten Volksfest nichts zu suchen haben. Und jetzt köchelt die Sache auch im Nachgang weiter vor sich hin.

So fordert nicht nur die ÖDP mit einem offenen Brief Aufklärung zu vertraglichen, rechtlichen und finanziellen Aspekten des Guttenberg-Besuchs, sondern auch aus Reihen der CSU-Stadtratsfraktion holt man mit öffentlichen Anfragen zum Gegenschlag aus. Wenn darin mit Kreide auf die Straße gemalte Sprüche wie "Unser Volksfest ist keine Wahlarena" als "Boden-Wahlkampfplakate" bezeichnet werden und in diesem Zusammenhang - wenn auch als Frage formuliert - von "Sachbeschädigung" die Rede ist, dann nimmt die Sache langsam groteske Züge an. Den ganzen Terz hätte es nicht gebraucht.

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Quelle:
SZ vom 13.09.2017
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