Ein Gespräch mit Heiko Briesen ist ausgesprochen kurzweilig. Er erzählt lebendig und anschaulich, bringt sein Gegenüber immer wieder zum Lachen, selbst wenn man, wie in diesen Zeiten üblich, nur per Bildschirm miteinander kommunizieren kann. Dass Studierende seine Vorlesungen schätzen, verwundert nicht. Der Professor aus Weihenstephan ist einer von 15 Hochschullehrern, die Bayerns Wissenschaftsminister vor kurzem mit dem "Preis für gute Lehre" ausgezeichnet hat. "Von Studierenden wird besonders sein motivierender Vortragsstil verbunden mit dem Einsatz unkonventioneller Elemente hervorgehoben", heißt es in der offiziellen Würdigung.
Briesen ist 2008 einem Ruf an die TU München gefolgt, er leitet dort den Lehrstuhl für Systemverfahrenstechnik und unterrichtet die ingenieurwissenschaftliche Basis in der Brau- und Lebensmitteltechnologie sowie der Bioprozesstechnik. Studiert hatte der gebürtige Heidelberger Chemieingenieurwesen in Karlsruhe. Chemie, Physik und Mathematik hätten ihn nach dem Abitur gleichermaßen interessiert, erzählt der 49-Jährige. Ein Berufsinformationsheft, das er in die Hände bekam, beschrieb den Studiengang als eine Mischung dieser drei Fächer. Deshalb entschied sich Briesen dafür.
Der mathematische Gehalt kam ihm dann aber doch etwas zu kurz, für seine Promotion wechselte er an den Lehrstuhl für Prozesstechnik an der RWTH Aachen. Seitdem arbeitet er intensiv mit mathematischen Modellen. Anschließend habilitierte er sich und leitete ein Jahr lang die Nachwuchsgruppe Populationsdynamik am Max-Planck-Institut für Dynamik komplexer technischer Systeme in Magdeburg, bevor er an die TU München kam.
2011 erhielt Briesen den Wissenschaftspreis der Stadt Freising für seine Arbeit zur Computersimulation kolloidaler Teilchen. Gemeinsam mit einem Kollegen aus Aachen hatte er sogenannte kolloidale Lösungen untersucht, also Flüssigkeiten, in denen winzige Partikel schwimmen. Wichtig sind die Erkenntnisse beispielsweise für die Arzneimittelherstellung. Wissenschaft verständlich erklärt hat Briesen offenbar schon immer gern, 2015 nahm er in München an einem Science Slam teil.
Briesen lebt mit seiner Familie in Freising. Derzeit nehmen Lehre und Forschung viel Raum ein, wie er erzählt. Vor zweieinhalb Jahren hat er aber auch den Laufsport für sich entdeckt - und sich schnell hohe Ziele gesteckt. Vor etwa einem Jahr absolvierte er seinen ersten Marathon in Berlin. "Ich bin ein bisschen stolz, dass ich das hingekriegt habe", sagt er. Die Vorbereitung habe viel Zeit in Anspruch genommen. Außerdem macht er gern, aber "leider viel zu selten" Musik und spielt mehrere Instrumente - "alle gleich schlecht", wie er anmerkt, am liebsten ist ihm die Gitarre.
