Günther Lehrmann zum Innenstadtumbau Anwalt der Altstadt

Günther Lehrmann und der Historische Verein fungieren als Lobby für das Freisinger Stadtbild und seine historische Bausubstanz - mal mit größerem, mal mit weniger großem Erfolg.

(Foto: Marco Einfeldt)

Günther Lehrmann ist nicht nur Kirchenmusiker, sondern auch Vorsitzender des Historischen Vereins Freising. Er macht sich für eine sensible Sanierung der Innenstadt stark. Das, sagt er, sei schließlich auch ein Wirtschaftsfaktor.

Interview von Johann Kirchberger, Freising

Seit seiner Gründung 1890 engagiert sich der Historische Verein als Lobby für das Freisinger Stadtbild und seine historische Bausubstanz, mal mit größerem, mal mit weniger großem Erfolg, wie Vorsitzender Günther Lehrmann sagt. So sei man vor einigen Jahren erfolgreich für den Erhalt des "Marcus-Hauses" am Marienplatz eingetreten, das durch einen "Neubau in gemäßigter Moderne" ersetzt werden sollte. Seine Vorstellungen für die städtebauliche Denkmalpflege bringt der Verein auch in den von der Stadt initiierten Lenkungskreisen ein, welche die Verabschiedung einer verbindlichen Gestaltungssatzung zum Ziel haben. Die Freisinger SZ hat Günther Lehrmann gefragt, wie er zu den derzeitigen Veränderungen in der Stadt und auf dem Domberg steht.

Zu den Zielen des Historischen Vereins gehört die Erhaltung des Stadtbilds. Das verändert sich gerade ein wenig. Wie gefallen Ihnen die Umbaumaßnahmen in der Innenstadt?

Auch wenn der neue Plattenbelag aus Granit in seiner großen Fläche doch etwas eintönig wirkt, so ist der niveaugleiche Ausbau der Hauptstraße zu begrüßen. Mehr Vorsicht sollte man allerdings mit der manchmal recht willkürlichen "Möblierung" der Straßenfläche walten lassen.

Die Öffnung der Moosach wird die Obere Hauptstraße stark verändern. Sind Sie mit den Plänen zufrieden?

Die Öffnung der Moosach sehe ich positiv. Sie wird durch das lebendig fließende Wasser mit den Brückenquerungen das Stadtbild bereichern, eine Attraktion werden und für eine wirkliche und nachhaltige Belebung dieses Innenstadtbereichs sorgen.

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Im Zuge der Sanierung des Asamgebäudes bekommt der Historische Verein ja auch ein neues, vergrößertes Museum. Freuen Sie sich schon darauf?

Die Vorfreude ist natürlich groß. Dafür ist der Stadt zu danken. Die erweiterten Schauräume bieten neue Möglichkeiten, die Stadtgeschichte interessant zu präsentieren und für die große und qualitätvolle Sammlung des Historischen Vereins neue, vielfältige Ausstellungsmöglichkeiten.

Auch einige Gebäude an der Hauptstraße werden renoviert und umgebaut. Etwa der Bereich vom Praetnerhaus bis zum Furtner oder der Daurerbräu. Entsprechen die Pläne Ihren Vorstellungen?

Die Obere Hauptstraße zeigt in den genannten Abschnitten eine schöne Abfolge unterschiedlicher Hausfassaden aus dem 18. Jahrhundert über den Historismus bis zur Moderne. Dazu kommt noch ein lebendiger "Branchenmix". Die vorhandene und die geplante Gastronomie werden für eine Belebung dieses Straßenabschnitts sorgen.

Prägend für das Stadtbild ist seit jeher der Domberg. Gerade da waren und sind große Veränderungen geplant. Momentan liegen die Pläne auf Eis. Sind Sie froh darüber oder eher enttäuscht, dass nichts vorwärts geht?

Im Vordergrund der gestoppten Planungen steht natürlich das in den Jahren nach 1960 gebaute Priesterseminar, heute Kardinal-Döpfner-Haus, im Anschluss an die Residenz. Der gewaltige Block ohne jede Gliederung ist die schwerste Belastung des Dombergs. Der Nord- und vor allem der Westflügel sollten abgebrochen oder zumindest reduziert und durch kleinere, feiner gegliederte Flügel ersetzt werden. Auch könnte dann eine Aula im Erdgeschoss mit einem Eingang von Norden situiert werden und so ein wichtiger Veranstaltungsort für den Domberg und die Stadt entstehen. Bedauerlich ist, dass das 1991 bezogene Gebäude der "neuen" Dombibliothek am Domhof weitgehend umgewidmet wird und der ehrwürdige "mons doctus" wahrscheinlich keine repräsentative, öffentlich zugängliche Bibliothek mehr erhalten wird. Auch der berühmte Barocksaal über dem Kreuzgang ist seit dem Jahr 2009 geschlossen, obwohl mittlerweile die historischen Buchbestände durch die Erzdiözese mit großem finanziellen Aufwand restauriert worden sind. Es müsste unbedingt die Restaurierung des Gebäudes in die Wege geleitet werden. Eine große Bereicherung für den Domhof wäre die Umsetzung des Brunnenbeckens um das Otto-Denkmal, für den Domhof eigentlich ein "Muss".

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Große Veränderungen sind auch am Domberg-Südhang geplant. Das historische Erscheinungsbild aus dem 18. Jahrhundert soll wieder hergestellt werden. Gefällt Ihnen diese Idee?

Die Wiederherstellung des alten Erscheinungsbildes, gerade in seinem Westteil, ist nur zu begrüßen, und ich denke, dass dieses Projekt eine große Attraktion für Freising bedeuten wird. Bereits am Ende des 18. Jahrhunderts existierte hier ja ein englischer Garten, dokumentiert durch eine zeitgenössische Druckgrafik, die als Vorlage für die Erneuerung dient. Mit großem Einfühlungsvermögen muss man dann auch an die Einrichtung eines Personenaufzugs von der Brunnhausgasse zum Diözesanmuseum herangehen.

Worauf müssen die Stadträte in den nächsten Jahren achten, damit Freising eine liebens- und sehenswerte Kleinstadt bleibt?

Der Begriff "Kleinstadt" wirkt vielleicht etwas betulich, immerhin ist Freising die viertgrößte Stadt in Oberbayern. Eine intakte Altstadt - die nicht nur aus dem Ensemble Domberg und dem Bereich der Hauptstraße besteht, sondern auch aus den zur Hauptstraße hinführenden Gassen - stellt ja auch einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor dar. Als Anwälte dafür, dass in Zeiten rascher Veränderung die Identität unserer Stadt bewahrt wird, stehen die Freisinger Stadträte und die Baubehörde in der Verantwortung.

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