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Grund- und Mittelschulen im Kreis Freising:Lehrer verzweifelt gesucht

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Landrat Josef Hauner und Irmintraud Wienerl, die Leiterin des Freisinger Schulamtes.

(Foto: Privat)

Die Grundversorgung ist noch gesichert, für zusätzliche Angebote aber fehlt das Personal. Die Kreisvorsitzende des Lehrerverbands, Kerstin Rehm, befürchtet einen "gesellschaftlichen Notstand".

Von Gudrun Regelein, Freising

Gewerkschaften und Lehrerverbände schlagen Alarm. An Bayerns Grund- und Mittelschulen fehlen viele Lehrer. Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) geht davon aus, dass im kommenden Schuljahr etwa 500 Stellen unbesetzt bleiben werden. "Die Hütte brennt", sagte BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann kurz vor Beginn der Sommerferien. Die Kreisvorsitzende Kerstin Rehm wählt noch deutlichere Worte: "Die Hütte brennt nicht nur, sie fackelt ab." Falls es nicht bald eine ausreichende Zahl von Pädagogen gebe, befürchtet Rehm gar einen "gesellschaftlichen Notstand". "Wir stehen mit dem Rücken zur Wand, so geht das nicht weiter."

Die Situation sei alles andere als einfach, sagt Irmintraud Wienerl, Leiterin des Freisinger Schulamtes. Im Landkreis sei die Lage an den insgesamt 41 Grund- und Mittelschulen aber nicht dramatisch. Immerhin sei es gelungen, im kommenden Schuljahr alle Klassenleitungen zu besetzen. "Allerdings war das in diesem Jahr besonders schwierig."

Vor allem Fachlehrer fehlen

Gerade im Fachlehrerbereich aber fehle es an Personal. Ein Grund dafür könne das Einstiegsgehalt sein, denn dieses liege unter dem des Grundschullehrers, meint Wienerl. Zudem müssten Fachlehrer an verschiedenen Dienstorten und in verschiedenen Klassen unterrichten, auch das sei nicht unbedingt attraktiv. Das Kultusministerium habe mittlerweile reagiert, vom neuen Schuljahr an gebe es die sogenannten Ein-Fach-Lehrer: Dolmetscher oder auch Künstler sollen Englisch oder Kunst an Volksschulen unterrichten. Ob diese neue Maßnahme wirklich eine Entlastung bringt, kann auch Wienerl derzeit nicht sagen. "Das müssen wir noch abwarten."

Die BLLV-Kreisvorsitzende zumindest hält nichts von diesen Plänen. "Gärtner sind keine Biologen und Fassadenmaler keine Kunsterzieher, ihnen fehlt die pädagogische und fachliche Ausbildung", sagt Rehm. Aber auch der andere Vorstoß des Kultusministeriums, durch eine ein- bis zweijährige Umschulung für Gymnasial- und Realschullehrer mehr Pädagogen für die Grund- und Mittelschulen zu gewinnen, sei nicht wirklich erfolgreich. Zumindest nehmen in diesem Jahr im Landkreis nur zwei Gymnasiallehrer daran teil. Die Gründe dafür sind für Rehm offensichtlich: "An den Volksschulen haben sie mehr Stunden, weniger Gehalt, anspruchsvollere Schülerinnen und Schüler."

Alles ist auf Kante genäht

Der Beruf des Grund- und Mittelschullehrers müsse dringend attraktiver gemacht werden, fordert sie. Schon jetzt, warnt Rehm, sei alles auf Kante genäht. Arbeitsgemeinschaften und Differenzierungsgruppen beispielsweise könnten nicht mehr stattfinden. Immer häufiger müssten wegen Lehrermangels aus drei geplanten kleineren Klassen zwei große gebildet werden. "Und das ist bei einer immer größeren Zahl von Kindern, die eigentlich eine intensive Betreuung bräuchten, absolut kontraproduktiv". Auch die derzeit so nachgefragte gebundene Ganztagsklasse sieht Rehm in Gefahr, da fehle es schon heute an der notwendigen Zahl an Lehrern, die Mobilen Reserven seien ebenso ausgereizt.

Die Grundversorgung sei zwar in der Regel gesichert und die Pflichtstunden könnten unterrichtet werden, sagt Thomas Dittmeyer, Leiter der Grund- und Mittelschule Zolling und Schulleitersprecher des BLLV-Kreisverbandes Freising. "Aber immer häufiger müssen zusätzliche Angebote, die das Schulleben für die Kinder ereignisreich und motivierend gestalten und vorhandene Talente entdecken und fördern sollen - wie Theater, Kunst- oder Sportangebote - gestrichen werden", berichtet er.

Ausbaden müssen es die Kinder

Das Schlimmste an der Sache sei, sagt Kerstin Rehm, dass die Kinder das alles ausbaden müssten. "Das Kultusministerium hat auf der ganzen Linie versagt." Ein so reiches Land wie Bayern sei nicht in der Lage, den Schülerinnen und Schülern eine angemessene Unterrichtsversorgung zukommen zu lassen.

© SZ vom 31.08.2019/av

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