Großteil der Pendler nutzt das AutoQuantensprung gefordert

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Solarfreunde kritisieren in einer Veranstaltung, dass beim ÖPNV immer noch zu sehr "klein-klein" gedacht wird. Aus Moosburger Sicht muss das Angebot deutlich ausgebaut werden - und: "Alle Züge müssen hier halten."

Von Karlheinz Jessensky, Moosburg

Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) - wird er den Anforderungen der Zukunft gerecht? Kaum wohl jemand, der nicht auch mit Bus und Bahn unterwegs wäre, ein Thema also, das eigentlich so gut wie alle interessieren sollte. Ganze drei Zuhörer hatten sich zu der Solarfreunde-Veranstaltung dazu allerdings nur in der Kegelhalle eingefunden. Kommunikationsfehler oder Desinteresse? Wie dem auch sei: Wer die zweistündige Veranstaltung schwänzte, hat einen hoch interessanten Abend mit Lars Tauber und Michael Stanglmaier versäumt.

Tauber ist der neue Sachgebietsleiter Verkehr im Freisinger Landratsamt, Stanglmaier Grünen-Stadtrat und dritter Bürgermeister von Moosburg. Die Moderation hatte Raimund Becher von den Solarfreunden. Diese seien seit 22 Jahren im Einsatz als "Solar-Energiewender", sagte Becher. Die unrühmlichste Rolle dabei spiele der Verkehr. Sechs Hauptthemen nahm sich Michael Stanglmaier vor: Zum Bereich Verkehr, Luft und Klima stellte er fest, dass die CO2-Emissionen steil nach oben gingen, zu rund 30 Prozent verursacht durch den Verkehr. Lars Tauber sah den Regionalbusverkehr weiter auf der Erfolgsspur. Der Nahverkehrsplan werde bis Mai 2019 fortgeschrieben sein und die MVV-Tarifreform bis Dezember in Kraft treten. Stanglmaier stellte als Ziele für den Bereich Moosburg unter anderem eine deutlich bessere Anbindung der Strecke nach Hörgertshausen, einen Ausbau der Wochenendverbindungen und die Anbindung der Ortsteile Pfrombach/Aich heraus.

Die Hauptforderung der Solarinitiativen ist, den ÖPNV als "Quantensprung" und nicht "klein-klein" zu denken. Das erfordere, das Volumen stark auszubauen und Fahrzeuge ohne Öl und Gas zu betreiben. Und vor allem: "Viel mehr Kundenorientierung." Dazu ein einfaches Tarifangebot mit einer Flatrate, Express- und Flexibusse in der Fläche. "Da ist der MVV noch weit zurück", kritisierte Stanglmaier.

Lars Tauber stellte mit Genugtuung fest, dass im Landratsamt eine zusätzliche Stelle im Verkehrswesen neu geschaffen werden solle. Die Tarifreform stehe auf drei Säulen: Öfter "öffentlich fahren" solle sich lohnen, die neu gestalteten Tarifzonen würden für mehr Bewegungsspielraum sorgen und es sei "so einfach wie nie".

Statt Ringen, Zonen und Räumen wird es künftig sieben Tarifzonen geben, mit größeren Überlappungsbereichen. Keine Regeländerungen sind bei Kindertarif, Fahrrad-Tageskarte, Semesterticket und Kurzstreckenregelung vorgesehen. Es wird aber ein Sozialticket geben und ein Kinder-, Jugend- und Schülerticket vom Schuljahr 2021 an. Die neue Überarbeitung der MVV-Tarifreform nannte Michael Stanglmaier "deutlich, deutlich besser", aber auch das Angebot müsse massiv ausgebaut werden. Das bedeute für Moosburg: "Alle Züge müssen hier halten." Moosburg habe täglich 5000 Auspendler, und der Großteil davon benutze immer noch das Auto.

Die Frage eines "Gratis-ÖPNV" wäre für Tauber ein "reines Politikum", und für Michael Stanglmaier ist der Angebotsausbau jetzt deutlich wichtiger als die Preisgestaltung. Den Vorschlag von Raimund Becher, auch auf der alten B 11 von Landshut nach Freising eine Expressbuslinie einzurichten, sieht Tauber skeptisch: "Eine Konkurrenzlinie zur Bahn kann nicht zielführend sein." Becher dagegen: "Die Züge sind voll und trotzdem fahren 10 000 Autos auf der B 11."

© SZ vom 14.12.2018 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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