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Großes Medienaufgebot in Neufahrn:Plötzlich berühmt

Der 37-jährige Unternehmensberater Ozan Iyibas ist am Freitag einstimmig zum CSU-Bürgermeisterkandidaten gewählt worden.

(Foto: Marco Einfeldt)

Neufahrner CSU nominiert türkischstämmigen Muslim Ozan Iyibas zum Bürgermeisterkandidaten, sogar TV-Teams kommen

Als das Ergebnis verkündet ist, wird der gerade noch so eloquente Ozan Iyibas fast wortkarg. "Manchmal fehlen einem die Worte", sagt er, aber er sei überwältigt und freue sich "unbandig". Mit allen 32 Stimmen wurde er soeben als CSU-Bürgermeisterkandidat nominiert. Zu den ersten Gratulanten gehört der Kreisvorsitzende und Staatskanzleichef Florian Hermann.

Fernsehteams haben das Nebenzimmer im Gasthaus Maisberger mit ihren Scheinwerfern ausgeleuchtet. Wie viele Interviews Ozan Iyibas in den Tagen davor schon gegeben hat, kann er gar nicht mehr sagen. Der 37-jährige Unternehmensberater hat türkische Wurzeln und ist Alevit. Schon seine mögliche und noch gar nicht bestätigte Bewerbung als CSU-Bürgermeisterkandidat hatte weit über den Landkreis hinaus für Aufsehen gesorgt - nach der Aufregung im schwäbischen Wallerstein. Dort hatte ein Muslim seine Bewerbung wegen der Widerstände in der Partei wieder zurückgezogen.

Auch Ozan Iyibas hatte in der Vergangenheit auf Kreisebene schon Gegenwind, wie er kürzlich erzählte. Im Neufahrner Ortsverband dagegen seien seine Herkunft und sein Glaube vor der Nominierung kein Thema gewesen, wird am Freitagabend allgemein versichert. CSU-Generalsekretär Markus Blume sagt nach der einstimmigen Nominierung zufrieden in die Reporter-Mikrofone: "Es zeigt halt doch, dass in Bayern heute alles möglich ist." Bei früheren Besuchen in der Türkei, sei er "der Deutschländer" und in Deutschland "der Ausländer" gewesen, erinnert sich Ozan Iyibas. Jetzt will er "Heimatländler" werden. Und Heimat sei für ihn Bayern und Neufahrn - und die CSU. "Ab sofort" möchte er nun die Inhalte in den Vordergrund stellen. "Gutes erhalten - Neues entwickeln - Heimat bewahren" lautet die Überschrift über sein Wahlprogramm.

Um die Wirtschaft voranzubringen, brauche man einen eigenen Wirtschafts- und Digitalreferenten im Gemeinderat, einen Wirtschafts- und Zukunftskongress zur "Pflege der bestehenden Betriebe" sowie mehr Imagepflege. "So schnell wie möglich" müssten Flächen vor allem für kleinere Betriebe ausgewiesen werden. Iyibas möchte auch einen "kostenfreien Handwerkerparkausweis" einführen. Mit dem Flughafen schwebt ihn eine gute Zusammenarbeit vor. Aber: "Die dritte Startbahn muss beerdigt werden." Eine "Bürger-App" soll der Startschuss für ein digitales Rathaus werden. Im Bereich Senioren und Soziales möchte er neben altersgerechten Wohnungen auch ein Mehrgenerationenhaus und ein Generationencafé. Bei der Kinderbetreuung stellt Iyibas die vor Jahren erfolgte Übergabe an andere Träger in Frage. Weitere Zielen sind beispielsweise ein "Neufahrner Familien-Modell analog dem Einheimischen-Modell" gerade auch für die Dörfer, und ein gestalterisches Konzept über den Ortskern hinaus.

Mit Ozan Iyibas gibt es jetzt sechs Bürgermeister-Kandidaten in Neufahrn. Sich da durchzusetzen sei "nicht einfach, aber nicht unmöglich", glaubt er. Für sich werben will er auch mit Videos, gedreht am Mühlsee, auf dem Marktplatz und in einer fiktiven Gaststätte. Dort spielt Iyibas sich selbst und einen Gast, der gegenüber dem "bayerischsprechenden Türken" anfangs skeptisch ist - und ihn am Ende "für einen Pfundskerl" hält.

© SZ vom 20.01.2020
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