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Großes Bauprojekt in Freising:Durchdacht und teuer

Das Bestandsgebäude der Vöttinger Schule wird aufgestockt. Verwaltung, Mensa und Gruppenräume sollen im sanierten Schulhaus unterkommen.

(Foto: Marco Einfeldt)

Kulturausschuss des Stadtrats stimmt Plänen für Erneuerung der Vöttinger Grundschule zu, die 38,9 Millionen Euro kosten soll

Von Peter Becker, Freising

Nach dem Bau des Schulkomplexes im Steinpark ist die Sanierung und Erweiterung der Vöttinger Grundschule das nächste Großprojekt, das die Stadt Freising auf dem Bildungssektor angeht. Der Kulturausschuss des Stadtrats hat dem Projekt, das einer detaillierten Schätzung zufolge jetzt 38,9 Millionen Euro kostet, am Dienstag seine Zustimmung erteilt. Dabei handelt es sich zunächst um eine Empfehlung. Baubeginn soll im Sommer 2022 sein. Läuft alles nach Plan, ist die Schule im September 2024 bezugsfertig.

Die aktuelle Zeitschiene hat den Charme, dass die Arbeiten an der Vöttinger Schule starten, wenn der Unterricht im Steinpark beginnt. Die Neustifter Grundschule steht dann leer, so dass die Schülerinnen und Schüler aus Vötting dort für zwei Jahre einziehen können. Monika Riesch (FSM) bezeichnete dies als "gute Alternative". Hochbauamtsleiter Robert Naujokat sagte, dass ohnehin 70 Prozent der Vöttinger Kinder Fahrschüler seien.

16 Klassenzimmer mit zugehörigen "Clusterräumen" sollen in einem "Lerngebäude" unterkommen, das viergeschossig geplant ist. Dies füge sich städteplanerisch in die Umgebung ein, versicherte Architekt Franz Balda. In Vötting und auf dem benachbarten Weihenstephaner Campus gibt es Gebäude, die eine ähnliche Höhe erreichen. Das Bestandsgebäude wird aufgestockt und beherbergt künftig die Verwaltung, Mehrzweckräume für die Ganztagsschule und eine Mensa. Dazu gesellt sich eine neue Turnhalle mit begehbarem Dach sowie eine Sportanlage mit Hartplatz, Laufbahn und Weitsprunganlage. Die Vöttinger Schule wird den benachbarten Bolzplatz mit nutzen, dieser soll aber weiterhin für die Öffentlichkeit zugänglich bleiben. Das Schulgelände wird allerdings umzäunt.

Die Nutzung der Sportanlagen gab Anlass zur Diskussion. Benno Zierer (FW), Susanne Günther (Grüne) und Hubert Hierl (CSU) plädierten dafür, neben der Turnhalle auch die übrigen Sportanlagen für die Öffentlichkeit frei zugeben. Diese habe Anspruch auf Sport, untermauerte Hierl. Zierer meinte, die Anlagen müssten ebenso am Abend zugänglich sein, weshalb man sich Gedanken über entsprechende Beleuchtung machen müsste. Günther fügte hinzu, dass die Öffnung von Schulsportanlagen eine Forderung aus dem Sportbedarfsplan sei. Freiflächen dürften nicht eingezäunt und der Allgemeinheit vorenthalten werden. "Das würde die Bevölkerung nicht verstehen", meinte Zierer.

Riesch lobte den Entwurf von Balda als "tolle, durchdachte Planung". "Die Schattenseite sind die Kosten", monierte Andreas Mehltretter (SPD). Auf Nachfrage von Samuel Fosso (FSM) antwortete Naujokat, dass ein kompletter Neubau um noch einmal fünf Millionen Euro teurer käme als die gegenwärtige Planung. Es sei schlecht, ein Gebäude abzubrechen, das sich noch in gutem Zustand befinde. Die Ganztagsbetreuung ließe sich dort gut unterbringen.

Die Kosten für die Erneuerung waren ursprünglich bei 32,5 Millionen Euro angesetzt gewesen. Mehrkosten entstanden durch den Boden, der zusätzliche Entwässerungsmaßnahmen notwendig macht. Energetisch wird das Gebäude jetzt nach den Vorgaben des im Januar beschlossenen Klimanotstands gebaut. Die Aufstockung des Altbaus schlägt ebenso zu Buche wie der Einbau von Garderoben, die bei der Auslobung noch nicht vorgesehen waren. Diese haben aber den Vorteil, dass sie bei Bedarf zu Klassenzimmern umgebaut werden können. Etwa im Fall, dass die dritte Startbahn gebaut und die Pullinger Schule abgesiedelt werden müsste. Doch an diesen Fall, versicherte Sitzungsleiterin Eva Bönig (Grüne), glaube sie mittlerweile nicht mehr.

© SZ vom 16.07.2020

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