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Großer Zusammenhalt in Eching:Geduscht wird bei den Nachbarn

Die Tennishalle in Eching ist völlig zerstört

Die Tennishalle in Eching ist durch den Brand völlig zerstört.

(Foto: Marco Einfeldt)

Nach dem Brand der Tennishalle ist die Hilfsbereitschaft bei Vereinen und Mitgliedern groß. Mit Unterstützung der Gemeinde haben die obdachlosen Mieter neue Wohnungen gefunden.

Von Klaus Bachhuber

Fünf Tage nach dem Brand der Tennishalle hat der SC Eching am Pfingstwochenende die oberbayerischen Jugendmeisterschaften auf seiner Anlage ausgerichtet. Spätestens mit dieser Improvisationsleistung ist nach dem Großbrand vor zwei Wochen nun wieder Alltag eingekehrt. Die drei obdachlos gewordenen Mietparteien in dem Wohngebäude im Hallenkomplex haben mittlerweile allesamt wieder Unterkunft gefunden. Im Rathaus werden Vorbereitungen für eine provisorische Lösung für den Winter und den mittelfristigen Wiederaufbau getroffen.

Neue Bleibe für obdachlose Nachbarn

Speziell aufgrund des großen Einsatzes von Miriam Gastl, der Sekretärin von Bürgermeister Sebastian Thaler, haben die vierköpfige Familie und die drei Frauen aus den beim Brand zerstörten Mietwohnungen nun in neue Wohnungen ziehen können. "Die betroffenen Mieter waren sehr kooperativ und freundlich", bilanzierte Klaus Weweck, der Tennis-Abteilungsleiter des SCE, "und die Gemeinde hat uns unbürokratisch unterstützt, Bürgermeister Thaler und die Herren der Bauabteilung sind mit vollem Elan unterwegs."

Erschütternd sei hingegen "die scheinbar grenzenlose Sensationsgeilheit der Menschen", berichtete Weweck nach mehreren Stunden Aufsicht an der Brandruine, "selbst von sehr deutlichen Worten lassen sie sich oftmals nicht davon abhalten, die Betroffenen beim Ausräumen ihrer zerstörten Wohnungen zu fotografieren".

Geduscht wird beim TSV

Der TSV Eching hatte unverzüglich nach der Katastrophe dem Nachbarverein seine Unterstützung angeboten, was der SCE mit der Nutzung der Duschen in der einige Hundert Meter entfernten TSV-Sportgaststätte an der Dietersheimer Straße angenommen hat. Am nächsten Wochenende stehen die bayerischen Meisterschaften der Senioren in Eching auf dem Turnierplan, da werden Duschen relevanter sein als bei den Kids.

Auch die Tennisclubs in Dietersheim und Mintraching hatten dem SCE sofort Hilfe angeboten. Durch den Ascheregen und den Flug von Brandresten waren anfangs auch sechs der 15 Freiplätze in Mitleidenschaft gezogen. "Und die Tennisschuhe von Thomas Schauer sind verbrannt", schmunzelt Weweck. Der beim SCE angesiedelte Tennislehrer habe aber trotz des Brandes den Betrieb der Tennisschule wie auch die Ausrichtung der Tennisturniere ohne Einbußen weiterführen können, so dass dessen berufliche Existenz nicht beeinträchtigt sei.

Traglufthalle als Domizil für den Winter

Im Verein seien "die Personen, die schon in der Vergangenheit immer zur Stelle waren, wenn es was zu tun gab, auch diesmal ohne Aufforderung zur Stelle gewesen", freut sich der Abteilungsleiter, "aber auch einige Leute, von denen ich es nicht erwartet habe, haben ihre Hilfe angeboten". In der Halle hat der Verein 180 Abonnenten. Ihnen in der kommenden Wintersaison keinen Platz anbieten zu können, würde den Kundenstamm wohl radikal reduzieren. Daher holt die Gemeindeverwaltung gerade Angebote für eine provisorische Traglufthalle ein. Größtes Problem für die Übergangszeit werden die Sanitäreinrichtungen sein. Hier soll entweder weiter auf die Umkleiden der TSV-Fußballer oder die Dreifachhalle an der Dietersheimer Straße zurückgegriffen werden.

Die Versicherung der Gemeinde hat der Ruine mittlerweile Totalschaden attestiert. Die zu erwartende Versicherungssumme werde "eine ähnliche bis gleiche Halle" finanzieren, erwartet Bürgermeister Thaler. Die Pläne der gut 30 Jahre alten Halle lägen im Rathaus digital vor, so dass theoretisch "eine Kopie der alten Halle mit modernen Standards" erstellt werden könnte. Wegen des Zeitwertverlustes könnte freilich auch "eine einfachere Konstruktion" angesagt sein, so der Bürgermeister. Nach den Sommerferien werde sich der Gemeinderat damit befassen müssen.

Unklar ist die Zukunft des Mietshauses

Da den Wiederaufbau die Versicherung zahlt, ist die Gemeinde nicht an die üblichen Vergaberichtlinien gebunden. Ein Statikbüro erstellt für die Versicherung derzeit ein Gutachten, ob das Mietshaus zu retten wäre. Ob im wahrscheinlicheren Fall eines Abrisses auch dieser Bauteil wieder errichtet würde, sei noch offen, sagte der Bürgermeister.

© SZ vom 24.05.2018 / SZ/av
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