Kirchbergers Woche:1300 plus

Kirchbergers Woche: Die Ausgaben für die "große Zahl" bleiben im Stadt umstritten, auch wenn die Kosten gesenkt werden konnten.

Die Ausgaben für die "große Zahl" bleiben im Stadt umstritten, auch wenn die Kosten gesenkt werden konnten.

(Foto: Marco Einfeldt)

Wie aus der umstrittenen "großen Zahl" zum Korbiniansjubiläum am Freisinger Marienplatz doch noch eine nachhaltige Investition werden könnte.

Kolumne von Johann Kirchberger

Ist jetzt auch schon wieder 1300 Jahre her, dass ein gewisser Korbinian aus Frankreich über Umwege nach Freising gekommen ist, erst Bischof wurde und dann Heiliger, weil er es auf einem Kurztrip nach Rom geschafft haben soll, einem blutrünstigen Pelztier, das später Karriere als Freisinger Bär machte, sein Gepäck aufzuladen. Außerdem soll er mit einem Stock aus Holz am Weihenstephaner Berg einen Brunnen geschlagen haben. An solche Taten erinnert man sich doch gerne und feiert dann auch ein wenig, wenn sich solche Ereignisse jähren. Nicht mit Weihenstephaner Wasser, sondern mit Weihenstephaner Jubiläumsbier.

So ein kleines Besäufnis war den Stadträten für den Anlass aber doch nicht ausreichend, sie wollten irgendetwas Besonderes inszenieren. Eine Idee dafür kam ihnen vor vier Jahren, als in der Partnergemeinde Innichen das 1250-jährige Bestehen gefeiert wurde. Die Südtiroler hatten doch glatt die überdimensionale Jubiläumszahl 1250 auf ihrem Marktplatz installiert. Das gefiel dem OB und seinen Stadträten und es entstand spontan der Wunsch, so etwas auch in Freising zu versuchen. Eine Stahlblechkonstruktion sollte es werden, jede Ziffer 5,75 Meter breit und 2,35 Meter hoch, begehbar und mit einem festen Fundament.

Aber dieses Wunderwerk, war nicht nur rot, sondern auch teuer. 45 000 Euro sollte es kosten, was nicht schlimm war, weil vor vier Jahren die Steuerquellen noch sprudelten wie einst die Stephansquelle in Weihenstephan. Aber dann kam Corona, Freisings Geldspeicher leerten sich erstaunlich schnell und nun war Sparen erste Stadtratspflicht.

Auf Umwegen schaffte es die Zahl 1300 dann aber doch noch in den Stadtrat und bekam dort eine knappe Mehrheit von 16:14 (erstaunlich bei 40 Stadträten und einem OB), weil die Stadtbaurätin Einsparungsvorschläge machte, die überzeugten. Die vier Ziffern sollen jetzt nicht mehr aus Stahlblech, sondern aus Holz gebaut werden, gespendet von Forstleuten aus Weihenstephan, weshalb die verarmte Stadt jetzt maximal 25 000 Euro für diese Touristenattraktion auftreiben muss. Abzüglich Spenden heimischer Firmen und dem Erlös aus dem späteren Verkauf an Immobilienhändler.

Noch günstiger wären Ziffern aus Pappmaché oder Eis

Billiger als Holz wäre vielleicht noch Pappmaché gewesen oder Eis, das derzeit kostengünstig überall herumliegt. Aber angesichts der fortschreitenden Klimaerwärmung war man sich wohl nicht ganz sicher, ob diese Kunstwerke den weihnachtlichen Wärmeeinbruch überstehen und bei der feierlichen Enthüllung am 16. März am Ende nur noch begehbare Wasserpfützen vorhanden sein würden.

Kritiker der "1300" - denen die vermeintliche Geldverschwendung sogar eine Demonstration wert war - hatten vor allem moniert, dass die vier Ziffern keine Investition in Freisings Zukunft seien. Schon nach einem Jahr seien sie nicht mehr aktuell und müssten deinstalliert werden. Stimmt aber nur zum Teil. Man müsste nur jedes Jahr eine Ziffer austauschen und hätte damit etwas Dauerhaftes, etwas Nachhaltiges geschaffen. Etwas, das noch lange das Treiben in Freisings Mitte behindern würde, sollte der Wochenmarkt tatsächlich einmal auf den Marienplatz zurückkehren.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Jetzt entdecken

Gutscheine: