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Natürliche Landwirtschaft:Unkraut kann man ausrupfen

Edmund Reischl lenkt den Spezialtraktor über das Feld von Georg Sedlmaier, um dort das Unkraut zu entfernen.

(Foto: Aurich/Privat)

Ökolandwirt Georg Sedlmaier verzichtet auf Pestizide und bekämpft das Unkraut allein auf mechanische Weise.

Wie in Zeitlupe fährt der alte Eicher-Schlepper mit schmalen Reifen und drei Meter breitem Vorbau über den acht Hektar großen Acker, auf dem sich satt-grüne junge Haferhalme im Wind wiegen. Zielsicher durchpflügen elf kleine Zinken die Reihen zwischen den Halmen, reißen Unkräuter aus dem Boden, sodass sie liegen bleiben und vertrocknen. Denn auf diesem Feld werden Beikräuter, wie Unkraut bei Ökolandwirten heißt, nicht kaputt gespritzt, sondern mechanisch entfernt.

Acht Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche im Landkreis Freising werden ökologisch bewirtschaftet, meldet das Amt für Landwirtschaft. Das sei viel zu wenig, ärgert sich der 67-jährige Landwirt Georg Sedlmaier aus dem Weiler Sollern bei Haag, der seine 50 Hektar seit Jahren nach den Richtlinien des Naturland-Verbandes bewirtschaftet und seltene Kulturen wie Purpurweizen, Glatthafer, Braunhirse sowie Buchweizen und Kleegras in einer siebengliedrigen Fruchtfolge anbaut.

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Weder Unkrautvernichtungsmittel noch chemische Dünger kämen bei ihm auf die Felder. Gift spritzen könne jeder, dazu gehöre nicht viel, aber das Unkraut mechanisch beseitigen - dafür benötige man Erfahrung, Fingerspitzengefühl, die passenden Geräte und Zeit, schildert Sedlmaier. Der Lohn seien neben dem Verkaufserlös seiner Erzeugnisse, die über den Biohandel und einen Hofladen vertrieben werden, ein gesunder Boden und gesunde Pflanzen, betont der Bauer. Er bewirtschaftet seine Flächen in Kooperation mit der Landwirtsfamilie Lex aus Bockhorn (Landkreis Erding), die vor 37 Jahren zu den Pionieren des Ökoanbaus und Gründern des Naturlandverbands gehörten. Der alte Eicher-Schlepper samt Vorbau, den Lex selbst konstruiert hat, kommt auf einem Tieflader nach Haag. Ein erfahrener Mitarbeiter, Edmund Reischl, ist gleich mit dabei, er kann die Technik optimal bedienen.

Beim Striegeln befindet sich das Gerät vorne am Schlepper, sodass der Fahrer jede Bewegung der Zinken im Blick hat - damit sie nicht die Haferhalme, sondern nur die Unkräuter erwischen. Zweimal wird das Feld im Laufe der Wachstumsperiode von Unkraut befreit, etwa sieben Stunden benötigt Reischl dafür. Immer wieder hält er an, wenn sich Unkräuter um die Zinken geschlungen haben und entfernt sie, damit die Metallspitzen wieder ungehindert ihre Reihen durch den krümeligen Boden ziehen können. In das Haferfeld wurde ein wenig Leindotter mit eingesät, denn diese Mischung steigert den Gesamtertrag und liefert wertvolles Öl aus den Samen. Auf dem Nachbarfeld wächst Dinkel, außerdem gibt es heuer Ackerbohnen, in einem Feld wurde ein Lein-Hirse-Wicken-Gemisch gesät. Auf einem abschüssigen Grund wächst Kleegras, das zur Saatgutvermehrung gedroschen werde, schildert Sedlmaier.

Mancher Spaziergänger wundert sich über die Pflanzen, die auf seinen Feldern wachsen

Getreide und Ackerbohnen werden als Lebensmittel vermarktet. Mancher Spaziergänger wird sich über die Pflanzen wundern, die auf dem Landschaftsrücken bei Haag wachsen, denn dort gedeihen auch Braunhirse, Soja, Sommerwicke, Alexandrinerklee und Ölrettich. Diese Fruchtfolge, bei der auf einem Acker mindestens sechs Jahre lang nicht dieselbe Frucht angebaut wird, sorge dafür, dass Schädlinge wie Wurzelnematoden (kleine Würmer), die nur bestimmte Pflanzenarten schädigen, keine Chance hätten. Denn sie könnten nicht jahrelang im Boden auf den neuerlichen Anbau ihrer Wirtspflanze warten, erläutert der Landwirt.

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Auch fleißige Regenwürmer und eine schonende Bodenbearbeitung sorgen für lebendige Böden, die selbst bei Starkregen das Wasser schwammartig aufsaugten und gut halten könnten, erklärt er weiter. Nach der Ernte der Hauptfrucht werde sofort eine Zwischenfruchtmischung eingesät, die im Frühjahr in den Boden eingearbeitet werde. Die Pflanzen bedeckten im Herbst rasch wieder die Oberfläche, verhinderten Erosion, lieferten Nahrung für Regenwürmer. Die Leguminosen wandelten mit den Knöllchenbakterien an ihren Wurzeln den Luftstickstoff in Pflanzen verfügbaren Stickstoff um, beschreibt Sedlmaier. Einen Nitratüberschuss, der das Grundwasser belaste, gebe es auf seinen Äckern nicht.