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Warten auf Nachschub:"Der Grippeimpfstoff ist knapp"

Grippeschutzimpfung

Die Hauptimpfsaison geht bis etwa Mitte Dezember. Mit der Jahreswende beginnt laut Robert-Koch-Institut meist die Influenzawelle.

(Foto: Julian Stratenschulte/dpa)

Mit Beginn der Saison steigt im Landkreis Freising die Nachfrage nach Impfungen noch stärker als sonst. Derweil gehen den Arztpraxen schon die Vorräte aus und in Apotheken gibt es Wartelisten für über 70-Jährige.

Von Thilo Schröder, Freising

Vor wenigen Tagen hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) mit Nachdruck appelliert, sich gegen das Grippevirus impfen zu lassen. Angesichts der Corona-Pandemie könne das Gesundheitssystem gleichzeitig eine größere Grippewelle nur schwer verkraften. Insbesondere Risikogruppen empfiehlt das Robert-Koch-Institut heuer die Grippeschutzimpfung. In den Arztpraxen im Landkreis Freising wird zwar fleißig geimpft, mehr als im Vorjahr, vielerorts gehen aber die Vorräte an Impfstoff zur Neige. Manche Praxis wartet seit Wochen auf Nachschub.

"Bei uns ist er ausgegangen", sagt eine Sprechstundenhilfe der Hausarztpraxis in der Ziegelgasse in Freising über den Grippeimpfstoffvorrat. Seit zwei Wochen seien die zirka 200 Dosen aufgebraucht. "Wir kriegen eventuell noch was geliefert", sagt sie. Aber die Apotheken könnten dahingehend selbst keine gesicherte Auskunft geben. Man führe eine Warteliste für die über 70-Jährigen, die als Risikogruppe bevorzugt geimpft werden sollen - wenn denn dann der Nachschub kommt.

Hauptimpfsaison ist bis Mitte Dezember, die Influenzawelle kommt meist zur Jahreswende

Die Hauptimpfsaison geht bis etwa Mitte Dezember. Mit der Jahreswende beginnt laut Robert-Koch-Institut in Deutschland meist die Influenzawelle. Der Grippeimpfstoff wird jährlich neu zusammengestellt und ist somit im Frühjahr schon nutzlos. Wer also zu viel bestellt, bleibt womöglich auf dem Vorrat sitzen.

Die Apotheken vor Ort hätten zuletzt keinen Grippeimpfstoff mehr liefern können, sagt Jutta Passern, Ärztin in der Internistischen Hausarztpraxis in der Massenhausener Straße in Neufahrn. Glücklicherweise könne sie aus einer anderen Quelle schöpfen: "Wir haben noch ein bisserl, aber nicht über unsere Herkunftsapotheke, sondern über eine andere, die Arbeitsmediziner beliefert", sagt Passern. Dennoch: "Der Impfstoff ist knapp."

In der Hausarztpraxis Dr. Christa und Elisabeth Rapf in der Unteren Hauptstraße in Eching ist vergangene Woche immerhin eine Lieferung mit Nachschub gekommen: 20 Impfstoffdosen, sagt eine Angestellte. "Die sind aber schon wieder verimpft. Und eigentlich haben wir auf 200 Stück gewartet." Es stehe ja noch ein Großteil der Impfungen aus, insgesamt habe man bislang 120 Dosen verbraucht. "Der Bedarf ist da", sagt die Mitarbeiterin. Eine höhere Nachfrage als im vergangenen Jahr sei "auf jeden Fall" zu beobachten. Es sei schwierig, das den Patienten zu erklären, wenn man Anfragen nun ablehnen müsse.

"Es ist ungefähr so, wie es in den Nachrichten dargestellt wird, aber nicht so, wie es der Herr Spahn sagt"

In der Allgemeinmedizinischen Praxis (AMP) in der Maximilianstraße in Hallbergmoos geht der Vorrat an Grippeimpfungen ebenfalls zur Neige. Alle Dosen seien vergeben an Termine, sagt eine Mitarbeiterin. Ähnlich die Situation in der Moosburger Praxis von Georg Wagner in der Dr.-Schels-Straße. "Bei uns gibt's auch schon Engpässe", sagt eine Angestellte. Man habe Nachschub bestellt, wann geliefert werde, sei aber ungewiss. Details zur Situation möchte der Praxisinhaber nicht nennen, nur so viel: "Es ist ungefähr so, wie es in den Nachrichten dargestellt wird, aber nicht so, wie es der Herr Spahn sagt."

Der Minister hatte zuletzt betont: "Wir haben keine Versorgungsengpässe." Es stünden so viele Impfdosen "wie noch nie zuvor in Deutschland" zur Verfügung. Laut dem Paul-Ehrlich-Institut wurden Stand 16. Oktober bundesweit bislang rund 20,4 Millionen Dosen in der aktuellen Grippesaison freigegeben - mehr als zu diesem Jahreszeitpunkt in den vergangenen drei Jahren.

Offenbar aber nicht genug. "Ich bin guter Hoffnung, dass da noch was kommt", sagt die Regionalsprecherin des Apothekerverbandes Ingrid Kaiser. Sie bittet um etwas Geduld. Die Apotheken müssten die Impfdosen jeweils genau nach vorliegenden Anfragen von Praxen und Privatkunden beim Großhändler bestellen, zum Teil schon im Frühjahr. Nachbestellungen seien heuer "schwierig", es käme zu "Lieferverzögerungen". Sie habe aber Verständnis, wenn sich angesichts der Pandemie besonders viele Menschen impfen lassen wollen. Zugleich beruhigt die Inhaberin der Freisinger Engel-Apotheke: Auch wer sich erst Ende Oktober oder im November impfen lasse, sei ausreichend geschützt; ein Optimalschutz liege in etwa nach vier Wochen vor. Und: "Masken zu tragen ist auch schon ein gewisser Schutz."

© SZ vom 21.10.2020/ilos
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