Glücklliche SPD im Landkreis Freising:Endlich mal wieder richtig feiern

Die SPD legt überall im Landkreis zu. Die besten Ergebnisse fährt sie mit 18,5 Prozent in Moosburg und 18,3 Prozent in Eching ein

Von Petra Schnirch, Freising

"Es war schön, mal wieder richtig feiern zu können", sagt der stellvertretende SPD-Kreisvorsitzende Herbert Bengler am Tag nach der Wahl. Zuletzt sei das Anfang des neuen Jahrhunderts der Fall gewesen, fügt er hinzu. Gerade im Landkreis mussten die Sozialdemokraten in den vergangenen Jahren viele Rückschläge hinnehmen - egal wie intensiv sie sich in den jeweiligen Wahlkampf stürzten. Diesmal landeten sie im Landkreis mit 15,4 Prozent knapp hinter den Grünen auf Platz drei, im gesamten Wahlkreis sogar auf Rang zwei - und ihr Kreisvorsitzender Andreas Mehltretter zieht über die Landesliste in den Bundestag ein.

Sie habe sich richtig gefreut, sagt die stellvertretende Kreisvorsitzende Alina Graf. Wie Bengler feierte sie das Ergebnis am Sonntag bei der SPD-Wahlparty in Pulling. Eigentlich habe sie bisher nur schwierige Zeiten erlebt, schildert sie. Es sei schön, wenn man im Wahlkampf spürt, "es hat sich gelohnt, die Zeit zu investieren".

Das war nicht immer so. In den vergangenen Jahren ging es oft bergab. Bei der Bundestagswahl 2017 erhielt die SPD 12,27 Prozent, wirklich desaströs fielen dann die Ergebnisse der Landtagswahl 2018 aus. In fast allen Gemeinden im Landkreis - außer in Eching - waren sie einstellig. Ganz anders die Situation 2021: In allen 24 Gemeinden konnten die Sozialdemokraten zulegen, am besten schnitten sie mit 18,5 Prozent in Moosburg (2017:15,01) und in Eching mit 18,3 Prozent (2017:14,31) ab. Auch in Freising machten sie mit einem Ergebnis von 16,8 Prozent Boden gut.

Herbert Bengler führt dies auf drei Punkte zurück: auf die Kontinuität im Wahlkreis mit der neuerlichen Kandidatur von Andreas Mehltretter, der sich sehr engagiere, auf einen "sehr, sehr guten Kanzlerkandidaten" und ein gutes Programm. Ähnlich sieht dies Alina Graf. Eine Umfrage am Wahltag habe gezeigt, dass die Wählerinnen und Wähler für ihre Entscheidung zu gleichen Teil den Kandidaten Olaf Scholz als auch das Programm nannten. Sie glaubt, dass der "extrem schwache Kandidat" der Union viele dazu veranlasst habe, sich die Ziele der SPD genauer anzuschauen.

Die Koalitionsverhandlungen würden eine "Riesenherausforderung", sagt Alina Graf. Sie glaubt aber, dass es mit der FDP möglich sein werde, eine liberal-progressive Regierung zu formen. Schwierig könnten die Gespräche allerdings im Bereich Steuern werden.

In vielen Gemeinden im Landkreis sei die SPD wieder an die zweite Stelle gerückt, analysiert Bengler. Er erwartet sich dadurch einen Schub für die Arbeit der bisweilen arg gebeutelten Sozialdemokraten. Allerdings sei ihm das Wahlverhalten einiger Leute "ein Rätsel", sagt er, etwa wenn man sich die AfD anschaue, die prozentual "immer noch gut dabei ist". Er hofft, dass die Politik der Sozialdemokraten im Landkreis wieder stärker wahrgenommen und beachtet werde. Davon erhofft er sich neuen Schwung. Zuletzt seien bereits einige neue Mitglieder aufgenommen worden. "Ich hoffe, dass das alles Früchte trägt und sich in den Wahlergebnissen niederschlägt."

Ziel in Koalitionsgesprächen müsse es sein, viele der SPD-Ziele, vor allem in der Sozialpolitik, durchzusetzen. Es dürfe beispielsweise nicht sein, dass Klein- und Normalverdiener die Kosten der Corona-Krise tragen müssten. Es sei wichtig, eine sozial-ökologische Transformation zu schaffen. Die werde auch positive Folgen für die Ökonomie haben, glaubt Bengler. Das Potenzial in Deutschland sei enorm. Man müsse daran arbeiten, dass Demokratie und Sozialstaat Bestand haben.

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