bedeckt München 23°

Metzgerwirt in Giggenhausen:Rettung naht

sophie

Rund eine Million Euro muss der Genossenschaft insgesamt als Eigenkapital zugesichert werden, um den "Metzgerwirt" in Giggenhausen erwerben zu können. Der Kaufpreis liegt bei 2,5 Millionen Euro.

(Foto: Sophie Linckersdorff)

Die Interessengemeinschaft für den Erhalt des "Metzgerwirt" hat bereits Zusagen über 750 000 Euro für die Gründung einer Genossenschaft. Über diese will man die Wirtschaft kaufen und verpachten. Die Frist wurde verlängert.

Von Birgit Grundner, Neufahrn

Die Giggenhausener haben beste Chancen auf eine Rettung ihrer Dorfwirtschaft: Mehr als 750 000 Euro haben sie selbst und auswärtige Unterstützer inzwischen für die Gründung einer Genossenschaft zugesagt, die den "Metzgerwirt" kaufen und damit vor dem Aus bewahren soll. Die entsprechenden schriftlichen Absichtserklärungen wurden vergangene Woche abgegeben.

Jetzt geht die Aktion noch einmal in die Verlängerung: Zwei Wochen lang werden weitere Erklärungen entgegengenommen. Zahlreiche Anfragen hätten gezeigt, dass die Abgabefrist für viele zu kurz gewesen sei, berichtet die Interessengemeinschaft um Christopher Aichinger und Josef Geil. Auch sei manchen wohl erst jetzt klar geworden, "dass die Sache ernst gemeint und der Kauf der Dorfwirtschaft realistisch geworden ist".

Rund eine Million Euro wird als Eigenkapital benötigt

Im Vorfeld der Aktion hatten die Initiatoren erklärt, dass in der Summe "annähernd eine Million Euro" als Eigenkapital für die Genossenschaft zugesichert werden müsse, damit das Vorhaben fortgesetzt werden könne. Nun sind sie "zuversichtlich, dass das gelingen wird". Bereits das Zwischenresultat wird als "großes Ergebnis" gewertet. "Der Zuspruch zieht sich durch alle Generationen hindurch, vor allem junge Familien scheinen sehr interessiert", erzählt Christopher Aichinger.

Genau 225 Absichtserklärungen für eine Beteiligung an einer Genossenschaft wurden in die Urnen geworfen. 211 ausgefüllte Formulare kamen von Privatpersonen, die übrigen von Vereinen und Firmen. Die Angebote reichten dabei von 30 bis 25 000 Euro. Am häufigsten - 51 Mal - wurde die Summe 1000 Euro eingetragen. Der größte Teil der Zusagen kam direkt aus Giggenhausen. Aber es gibt auch Unterstützer in 20 weiteren Orten.

Die Pächtersuche verlief bisher vielversprechend

Nach der Auswertung durch Pfarrer Artur Winter, der dafür als Vertrauensperson eingesetzt war, standen unter dem Strich exakt 751 030 Euro. In einer Postwurfsendung der Interessengemeinschaft an die Dorfbewohner ist von einer "unglaublichen Summe" und einer deutlichen Rückenstärkung die Rede: "Wir sind absolut überwältigt von Eurem Vertrauen und fühlen uns verpflichtet weiter zu machen."

Dem ersten Schritt der Fristverlängerung soll der nächste gleich folgen. Die Interessengemeinschaft wird den Kontakt zum Genossenschaftsverband Bayern intensivieren. "Die Pächtersuche war bislang ebenfalls sehr vielversprechend", berichtet das "Team Dorfwirtschaft" weiter. Allerdings habe man coronabedingt und "wegen fehlender Rechtsform unserer Arbeitsgruppe" noch keinen Vertrag abschließen können. Doch das könne man nun auch "konkreter weiter verfolgen".

Der "Metzgerwirt" hat eine gut 150-jährige Geschichte

Der "Metzgerwirt" hat eine gut 150-jährige Geschichte und gilt als Schmuckstück in dem 650-Einwohner-Dorf. Er ist Treffpunkt aller Vereine. Familienfeiern, Theateraufführungen und Bürgerversammlungen finden dort statt. Die derzeitige Wirtin und Eigentümerin Elisabeth Kratzer will aus gesundheitlichen Gründen aufhören und verkaufen. Es gab auch durchaus Interessenten. Allerdings waren es eher Immobilieninvestoren als Gastronomen, und das wäre wohl das Ende der Wirtschaft.

Sowohl die Wirtin selbst als auch die Dorfgemeinschaft wollen das verhindern. Der Kaufpreis beträgt insgesamt 2,5 Millionen Euro. Etwa 500 000 Euro sind für Nebenkosten, Umbauten und Renovierungen einkalkuliert. Wie es um das Eigenkapital letztlich steht, wird man am Monatsende wissen: Die Abgabefrist für weitere Absichtserklärungen endet am Sonntag, 27. Juni, um 18 Uhr. Die Urnen stehen wieder beim Metzgerwirt im Eingangsbereich (täglich von 16 bis 20 Uhr) und hinter dem Kirchenportal (täglich von neun bis 19 Uhr) bereit. Die Formulare können auch online auf der Homepage www.giggenhausen.de ausgefüllt werden.

© SZ vom 12.06.2021/axka
Zur SZ-Startseite
sophie

Ungewöhnliche Aktion
:Ein Dorf will sein Gasthaus retten

Für den Metzgerwirt hat sich bisher kein Käufer gefunden, der das Wirtshaus weiterführt. Deshalb wollen die Giggenhausener das Gebäude nun selbst erwerben - dafür brauchen sie aber eine Million Euro.

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB