Gewalttat in Kranzberg"Alles hängt in der Luft"

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Der Prozess am Landshuter Landgericht um einen versuchten Mord an einem Reitstallbesitzer entwickelt sich zur Geduldsprobe

Von Alexander Kappen, Landshut/Kranzberg

Der Prozess am Landshuter Landgericht wegen des versuchten Mordes an einem Kranzberger Reitstallbesitzer entwickelt sich zur Geduldsprobe für alle Beteiligten. Die Hauptverhandlung, die im März begonnen hat und ursprünglich mal bis Ende April terminiert war, wird nun voraussichtlich bis 24. September dauern. Am Dienstag legte die Jugendkammer unter Vorsitz von Richter Andreas Wiedemann in Absprache mit allen Verfahrensbeteiligten fünf weitere Verhandlungstage fest. Nötig ist das, weil es in dem Verfahren immer neue Verzögerungen gibt. So tauchten am Dienstag zwei geladene Zeugen nicht auf. Zudem platzte die Videovernehmung eines Mannes, der sich derzeit in Rumänien aufhält und nach Aussage der beiden angeklagten Brüder an der Tat beteiligt gewesen sein soll.

Der Besitzer des Reiterhofs war im Februar 2020 in seiner Wohnung von Einbrechern mit einem heftigen Schlag auf den Kopf lebensgefährlich verletzt worden. Während das Opfer, 51, behauptet, die beiden Angeklagten, 18 und 23 Jahre alt, in der Tatnacht erkannt zu haben, behauptet der jüngere Bruder, er habe den Einbruch mit einem Kumpel verübt, der den Schlag auf den Kopf ausgeführt haben soll. Demnach säße der 23-jährige Bruder unschuldig auf der Anklagebank und in Untersuchungshaft.

Der Kumpel, der mit beiden Angeklagten nach der Tat in deren rumänische Heimat gefahren ist, hat sich offenbar zu einer Vernehmung bereit erklärt. Eine entsprechende Europäische Ermittlungsanordnung sei daraufhin am 8. Juni nach Rumänien geschickt worden, "aber wir haben bis heute noch überhaupt keine Antwort erhalten", berichtete der Vorsitzende Richter am Dienstag. Das Schreiben sei bereits mit einer beiliegenden Übersetzung an das zuständige rumänische Gericht versendet worden, so dass es daran nicht liegen könne, sagte der Richter. Dennoch habe man noch keine Reaktion erhalten. "Wegen dem hängt jetzt alles in der Luft, ich muss in Rumänien noch mal nachfragen."

Am Dienstag wurden derweil zwei weitere Zeugen aus dem Landkreis Freising vernommen, die mit dem Tatopfer den Abend vor dem Einbruch verbracht haben. Die beiden hatten mit dem Reitstallbesitzer und weiteren Gästen im Reiterstüberl des Hofes ein Fußballspiel geschaut. Anschließend saßen die zwei Zeugen mit dem Opfer noch beisammen. Gegen 22 Uhr, so ihre Schilderung, ging der Reitstallbesitzer ins Bett. Die Gäste verließen später zu unterschiedlichen Zeiten das Haus. Das sei so üblich gewesen, erzählte der eine Zeuge, im Erdgeschoss, wo ständig Mitarbeiter des Hofes ein und aus gingen, sei nie abgesperrt gewesen. Keiner der beiden Zeugen, berichtete davon, etwas Auffälliges oder Verdächtiges an dem Abend gesehen zu haben. Das Auto des Opfers, das sagten die beiden übereinstimmend aus, sei an dem Parkplatz an der Stirnseite des Hauses gestanden, wo es immer stehe.

Das widerspricht der Aussage des jüngeren Angeklagten, der seine Tatbeteiligung gestanden hat. Er hatte in der Verhandlung behauptet, das Auto des Reitstallbesitzers sei nicht dort gewesen, wo er es sonst immer parke. Deshalb sei er davon ausgegangen, dass niemand in der Wohnung war und sei deshalb mit seinem Kumpel eingebrochen. Die Verhandlung wird Mitte Juli fortgesetzt.

© SZ vom 30.06.2021 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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