Ehrenamtliche Helfer:Echtes Miteinander in der "Familie THW"

Ehrenamtliche Helfer: Michael Wüst (rechts) ist zusammen mit seinem Stellvertreter Manfred Kürzinger gerade dabei, die neue THW-Unterkunft an der Rudolf-Diesel-Straße einzurichten.

Michael Wüst (rechts) ist zusammen mit seinem Stellvertreter Manfred Kürzinger gerade dabei, die neue THW-Unterkunft an der Rudolf-Diesel-Straße einzurichten.

(Foto: Marco Einfeldt)

Lohn bekommen sie keinen, aber gutes Essen: 42 500 Einsatzstunden haben die ehrenamtlichen Helfer des THW im vergangenen Jahr geleistet. Das geht laut Michael Wüst nur, weil alle an einem Strang ziehen.

Interview von Peter Buchholtz, Freising

Seit weit über 30 Jahren ist Michael Wüst im Einsatz für das Freisinger THW. In dieser Zeit hat der 45-Jährige fünf Jahrhundert-, zwei Jahrtausendhochwasser sowie Hunderte Unfälle, Stürme und andere Katastrophen miterlebt. Seit 2001 leitet er den Freisinger Ortsverband, der für die Stadt und den Landkreis Freising sowie den Flughafen München zuständig ist; allein im Jahr 2016 leisteten die ehrenamtlichen Helfer 42 500 ehrenamtliche Dienst- und Einsatzstunden. Demnächst kann das Technische Hilfswerk in Freising vom Sondermüllerweg in die neue Unterkunft an der Rudolf-Diesel-Straße ziehen und hat dann endlich eine adäquate Unterkunft.

SZ: Herr Wüst, wie viele ehrenamtliche Helfer und Junghelfer sind derzeit für den THW-Ortsverband Freising im Einsatz?

Michael Wüst: Im Moment sind es 80 aktive Helferinnen und Helfer sowie 25 Jugendliche. Alle arbeiten ehrenamtlich in ihrer Freizeit, hauptamtliche Mitarbeiter gibt es bei uns nicht.

Welche waren Ihre letzten großen Einsätze in Freising?

Wenn wir die Stadt Freising und auch den Landkreis Freising nehmen, waren es ganz sicher die Einsätze im Rahmen der Flüchtlingshilfe 2015/2016. Da haben wir zusammen mit dem Landratsamt und unseren ehrenamtlichen Einsatzkräften nicht nur Turnhallen in Hauruck-Aktionen zu Unterkünften für Flüchtlinge umgebaut, sondern auch den ehemaligen Praktiker in Attaching unter massivem Zeitdruck komplett mit 86 extra konstruierten Wohnkabinen ausgestattet. Platz war damals vorgesehen für 600 Menschen.

Was war die Idee der Wohnkabinen?

Unsere Intension war es, aus der Erfahrung aus anderen Bundesländern heraus, wo man Feldbetten hingestellt hat, dass das zu massiven Problemen führt. Wir wollten den Menschen ein Mindestmaß an Rückzugsmöglichkeit bieten und deswegen haben wir vorgefertigte Elemente zusammengefügt und in diesem Gebäude fünf mal fünf Meter große Wohnkabinen gebaut. Insgesamt sind dafür etwa 8500 Einsatzstunden abgeleistet worden.

Das THW wird auch immer wieder überörtlich eingesetzt, auf nationaler und auch auf internationaler Ebene. Wo haben Sie da mitgewirkt?

Für einen Oberbayern haben wir im Vorjahr ganz klassisch Auslandseinsätze in Niederbayern gefahren (lacht laut). Nach dem Starkregenereignis im Landkreis Rottal-Inn. Nach zwei Tagen war dort auf Anforderung schon die erste Bergungsgruppe für Abstütz-Arbeiten in Simbach und Umgebung im Einsatz. Gleichzeitig hat unser Zugführer zusammen mit einem Fachberater die Straßen erkundet, von denen weit über 30 nicht passierbar waren.

Mit welchem Ergebnis?

Wir haben dann zusammen mit dem Landratsamt und der Führungsgruppe Katastrophenschutz vier Straßenverbindungen identifiziert, wo es extrem dringend war, eine Brücke zu bauen, und haben dann bereits vier Tage nach der Erkundung mit den Baumaßnahmen der ersten Behelfsbrücke begonnen. Davon haben wir in unterschiedlichen Größen vier Stück errichtet, die mit Ausnahme von einer heute noch stehen.

Wie wirkt sich solch ein Einsatz auf die ehrenamtlichen Helfer aus?

Das war eine hochanstrengende Zeit. Wir waren hier fast vier Wochen permanent im Einsatz. Das stellt natürlich schon die Arbeitgeber, aber auch die Familien auf eine harte Probe. Wir waren skeptisch, ob es uns gelingt, nach den Einsätzen zur Flüchtlingskrise wieder genug ehrenamtliche Kräfte zu aktivieren. Aber die Helfer haben alle mitgezogen. Das ist auch bundesweit wahrgenommen und anerkannt worden.

Wie wichtig ist es bei solch einem Einsatz, eine zeitgemäße Unterkunft zu haben?

Extrem wichtig. Einmal kann man hier in dieser neuen Unterkunft die Abläufe einsatztaktisch abstimmen. In der alten Unterkunft mussten wir unsere Ausstattung überall zusammenklauben, weil wir nicht den Platz hatten. Hier können wir einsatztaktisch verladen, das geht sehr viel schneller. Wir haben jetzt die Infrastruktur, um solche Einsätze über mehrere Tage hinweg zu führen, sei es der Platz für Stabsarbeit und Planung, sei es, dass wir einen Ruheraum habe, sei es, dass wir eine Küche haben, die die Helfer ausreichend verpflegen kann.

Was hält den THW-Ortsverband aus Ihrer Sicht zusammen?

Das ist der unbedingte Wille, ein Einsatzziel zu erreichen. Es ist immer wieder erstaunlich, mit welcher Kreativität, mit welcher Fachkompetenz unsere Helferinnen und Helfer die Einsatzaufgaben lösen. Das ist völlig egal, ob es darum geht, ein Gebäude abzustützen, eine Brücke zu bauen oder einen Lastwagen zu bergen. Es ist immer ein Miteinander, es ziehen alle am selben Strang, das ist ganz wichtig. Nur deswegen ist es uns möglich, über vier Wochen jedes Wochenende eine Brücke zu bauen. Es ist die Familie THW, die man hier ganz massiv lebt. Und es ist der Förderverein, der uns die Mittel an die Hand gibt, das alles zu tun.

Wie motivieren Sie Ihre Helfer?

Wir können ihnen nichts bezahlen. Die einzige Währung, die wir haben, ist gutes Essen. Darauf legen wir Wert und dazu haben wir jetzt auch die Möglichkeit.

© SZ vom 17.07.2017/zim
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