Geschäft für Neonazi-Label in Au Nicht weiter auffällig

Die Bürger in der Marktgemeinde reagieren geschockt auf die Nachricht, dass ein Rechtsextremer in ihrer Nachbarschaft einen Laden eröffnet hat

Von Peter Becker

"Da bleibt einem der Mund offen stehen", sagt Gabriele Pfefferkorn. Die CSU-Kreisrätin reagiert mit gelindem Entsetzen auf die Nachricht, dass es in der Marktgemeinde Au ein Geschäft gibt, das spezielle Kleidung für Neonazis verkauft. Gabriele Pfefferkorn wohnt selbst in Au, mitbekommen hat sie von den rechten Umtrieben allerdings nichts - wie die meisten Bürger. "Man meint immer, vor der eigenen Haustür passiert so etwas nicht", fügt sie hinzu. Aber es sei wohl so, dass sich Mitglieder der rechten Szene bewusst solch kleine Orte wie die Marktgemeinde aussuchten, wo sie nicht weiter auffallen.

Ähnlich denkt auch Markt- und Kreisrat Hans Sailer (Freie Wähler). Er hat von seinem Sohn von der Nachricht erfahren, dass ein bekannter Neonazi in Au einen Laden mit martialischer Kleidung speziell für Rechtsextreme betreibt. Da lief bereits eine heiße Debatte auf Facebook. "Wer hört denn schon am Mittag Bayern Eins?", fragt Sailer. Der Sender hatte in seinem Magazin "Mittags in Oberbayern" über den Laden berichtet. Nun, einige Leute haben das offenbar getan, denn nach dem Bericht klingelten permanent die Telefone im Rathaus. Eine Reihe besorgter Bürger wollte wissen, was denn an der Geschichte dran sei. Sailer treibt indes die Frage um, wie denn der BR der Angelegenheit auf die Spur gekommen ist. Andererseits ist die Geschichte auf der Homepage der antifaschistischen Informations-, Dokumentations- und Archivstelle (AIDA) nachzulesen. Offenbar hatte diese Organisation den Rundfunksender darauf aufmerksam gemacht.

Sailer sagt, auch ihm sei der Laden nicht aufgefallen. In Au gebe es einige Geschäfte mit Druckerzubehör. Dies verwendeten zum Teil ähnliche Schriftzüge. "Und mit den Textilmarken können die wenigsten etwas anfangen." Dass niemand sich über die Kleidungsstücke Gedanken gemacht hat, wundert Sailer deshalb nicht weiter. Auffällige Kundschaft ließ sich offenbar nicht blicken. Laut Sailer wechselten in dem Laden an der Oberen Hauptstraße zuletzt häufig die Mieter. Deshalb hätten sich wohl auch die Bücherei-Mitarbeiter keine Gedanken darüber gemacht, wer dort ein und aus gehe. Zudem ist die örtliche Lage unübersichtlich. Die Kleidung war auch Gegenstand eines Gesprächs, das Bürgermeister Karl Ecker mit einem Vertreter der Abteilung gegen Rechts aus dem Innenministerium, einem Experten der Erdinger Kriminalpolizei sowie Christian Bidinger, dem Leiter der Moosburger Polizeiinspektion, und einem Vertreter des Gewerbeamts Freising geführt hat. Neben Thor Steinar führt der "Revolution Store" an der Oberen Hauptstraße in Au auch die Labels "Yakuza" und "Brachial". Erstere ist nach einer Bande benannt, die als japanische Mafia gilt. "Brachial" wiederum ist eine Marke, die aus dem sächsischen Zwickau stammt. Gründer soll der Neonazi Ralf Marschner sein, der bei der Gründung der Zwickauer Neonazi-Szene lange Zeit federführend war. Auch der Betreiber des Auer "Revolution Store" soll zu dieser Kontakt haben. Aus ihr rekrutierten sich die Mitglieder der Zwickauer Terrorzelle.

Laut AIDA wohnt der Betreiber des "Revolution Store" in Thalham bei Attenkirchen. In der Auer Nachbargemeinde spielte er auch im örtlichen Fußballverein. Manchem mögen da seine ungewöhnlichen Swastika-Tätowierungen aufgefallen sein. Auch in Moosinning im Landkreis Erding war der Mann laut AIDA in einem Fußballverein aktiv. Bei den "Urweissen", einer extrem rechten Hobbyfußballmannschaft, kickte der aus Sachsen stammende Mann stets im Trikot mit der Nummer 28. Diese Zahlenkombination steht für das rechtsgerichtete Blood&Honor-Netzwerk, das in Deutschland verboten ist.