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Genossenschaftsbau:Gemeinschaft gibt Sicherheit

Die Preise für Mieten und Wohneigentum steigen stetig. Ein Weg aus dem Dilemma könnte genossenschaftliches Bauen sein

Mieten und Wohneigentum sind fast unerschwinglich geworden in der Boomregion München. Das gilt auch für den Landkreis Freising. Obwohl vielerorts gebaut wird, ist keine Besserung in Sicht, weil immer mehr Menschen zuziehen. Gleichzeitig verändern sich die Familienstrukturen, und es sind zunehmend Wohnformen gefragt, in denen jeder für sich sein kann und doch in einer Gemeinschaft eingebunden ist. Auch in der Gemeinde Eching trifft sich seit dem vergangenen Jahr ein Kreis Interessierter, die sich ein gemeinsam gebautes, am liebsten generationenübergreifendes Wohnen vorstellen können. Noch steht nicht fest, wie die Organisation aussehen soll. Eine Form, die sowohl günstige Mieten, als auch Gemeinschaft ermöglicht, stellte die örtliche SPD bei einer Podiumsdiskussion vor - genossenschaftliches Bauen.

Eingeladen waren Vertreter der Münchner Wohnungsbaugenossenschaft "Wagnis", die im Jahr 2000 gegründet wurde und inzwischen mehrere Projekte in der Landeshauptstadt realisiert hat. Im Kern, erklärte Gerhard Schönleber vom Wagnis-Vorstand, gehe es dabei immer um Gemeinschaftsprojekte. Generell, betonte er, "ist die Genossenschaft die sicherste Gesellschaftsform für Gemeinschaftseigentum, weil jeder nur eine Stimme hat." Die Wagnis-Wohnprojekte, die auch Menschen mit niedrigen Einkommen oder Hartz-IV-Empfängern offen stehen, macht freilich erst die großzügige Förderung durch die Landeshauptstadt möglich. München kommt den Genossenschaften nicht nur mit günstigen Preisen beim Grundverkauf entgegen, sondern gewährt auch zinsgünstige Darlehen.

Das Finanzierungsmodell von Wagnis sieht in der Regel 30 Prozent Eigenkapital, 30 Prozent Anteilseinlagen und 40 Prozent Kredite vor. Der finanzielle Beitrag der Genossenschaftsmitglieder ist, abgesehen von der Einlage, eine Monatsmiete, die sich aus den tatsächlich auflaufenden Kosten im Wohnprojekt plus einer Instandhaltungsrücklage zusammen setzt. Als großen Vorteil nannte Gerhard Schönleber: "Sie haben eine auf Dauer günstige Miete, weil niemand da ist, der den Gewinn abschöpft."

SPD-Vorstandsmitglied Thomas Müller-Saulewicz hob den politischen Willen in München hervor. Die Landeshauptstadt habe bei der finanziellen Förderung zwar natürlich andere Möglichkeiten als die Gemeinde Eching, doch auch hier im Ort sei einiges machbar: "In den Bebauungsplänen sollten schon entsprechend konzipierte Grundstücke vorgesehen sein", betonte er. Was die Finanzen anbelangte, so hatte Siglinde Lebich eine gute Nachricht, die Geschäftsführerin des Vereins "Älter werden in Eching". Sie ist ebenfalls im Wohnprojekt-Kreis aktiv und hat auf Nachfrage von der Regierung von Oberbayern erfahren, dass man dort sehr aufgeschlossen für eine finanzielle Förderung genossenschaftlichen Bauens ist.

Allerdings unter einer Bedingung, sagte Siglinde Lebich, die auch für die Grünen im Echinger Gemeinderat sitzt: "Vorausgesetzt, die Gemeinde würde beim Grundstückspreis unter dem marktüblichen Preis liegen!"

Dass die rund 30 Anwesenden durchaus tiefer gehendes Interesse am Thema hatten, zeigten die Fragen: So wollte ein Mann wissen, was mit den Genossenschaftsanteilen passiere, wenn der Besitzer sterbe. Die Antwort von Günter Hörlein vom Nachbarschaftsverein Ackermannbogen, einem Ableger von Wagnis, lautete, Anteile könnten vererbt werden, ebenso wie das Wohnrecht. "Es sind Eigentumsrechte, aber nicht im herkömmlichen Sinne, also zum Beispiel gelten sie nicht als Grundschuldeinträge für Sicherheiten", erklärte er. Auch die Frage nach einer Dividende stellte sich, hier erklärte Gerhard Schönleber, dass Wagnis bislang nicht ausschütte, sondern Gewinne in neue Projekte stecke.

Die nicht gewinnorientierte Wirtschaftsweise der Genossenschaft habe durchaus einen sehr positiven Effekt, führte er aus: "Die im Nachbarhaus zahlen inzwischen 30 Prozent mehr Miete."

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