Süddeutsche Zeitung

Gemeinde Wang:"Das ist meine Welt"

Markus Stöber fühlt sich in seinem Amt als ehrenamtlicher Bürgermeister ausgesprochen wohl

Von Petra Schnirch, Wang

Seit vier Monaten ist Markus Stöber im Amt. Fragt man ihn nach einer ersten Bilanz nach gut 100 Tagen als Bürgermeister in Wang, muss er keine Sekunde überlegen. "Das ist meine Welt", sagt der 54-Jährige. Am Jackett trägt er eine kleine Nadel mit dem Wappen der Gemeinde. Wie umfangreich das Tagesgeschäft ist, hat aber auch ihn überrascht, obwohl er seit 24 Jahren dem Gemeinderat angehört und zwölf Jahre lang Stellvertreter seines Vorgängers Hans Eichinger war. Seine erste Amtshandlung war die Wiedereröffnung des Wertstoffhofs Anfang Mai.

Es gefalle ihm, mit den Leuten ins Gespräch zu kommen, viele Kleinigkeiten habe man schnell erledigen können. "Das fühlt sich gut an", sagt Stöber. Trotz Corona hätten schon viele Bürger den Kontakt zu ihm gesucht. Vielleicht liegt das auch daran, dass Stöber mit seinem Büro aus dem Rathaus der Verwaltungsgemeinschaft in Mauern ganz in die Gemeindekanzlei in Volkmannsdorf umgezogen ist. Der Sitzungssaal vor dem Arbeitszimmer, das sich Stöber mit der Kanzleimitarbeiterin teilt, ist für Gespräche in Zeiten von Corona gut geeignet. Er bedauert aber, dass der Zugang nicht barrierefrei ist.

Andere Dinge können selbst nach Jahren noch nicht abgehakt werden und beschäftigen auch den neuen Gemeinderat samt Bürgermeister. Eines dieser Themen, das Stöber zu Ende bringen möchte, ist der Radweg von Moosburg nach Mauern. Auf Wanger Flur kommt das Projekt nicht so recht voran, obwohl es, was die Grundstücke angeht, inzwischen gut aussieht, wie Stöber sagt. Noch immer aber sei unklar, ob an der Abzweigung der Staatsstraße nach Wang und Schweinersdorf ein Kreisverkehr oder eine Ampel kommen soll - davon hängt der Verlauf des Radwegs ab. Das sei Sache des Staatlichen Bauamts, so Stöber. Die Position der Gemeinde ist klar: Sie wünscht sich einen Kreisverkehr an dieser Stelle. Für eine weitere Baustelle ist zumindest ein Provisorium gefunden worden, mit dem die Wanger gut leben können: Mit der Ampellösung am Ligeder Berg sei er sehr zufrieden, bilanziert Stöber, "dort steht man nicht lange". Auch die Ideen, die das Staatliche Bauamt vor kurzem vorgestellt hat, sind im Sinne der Gemeinde: Der Gehweg entlang des Hangs könnte auf die Nordseite verlegt werden. Wang müsste sich dann nicht an den Kosten der Hangsicherung beteiligen, wie Stöber schildert. Den Bürgern einer Gemeinde mit 2500 Einwohnern wäre es auch nicht zu vermitteln, dass sie für 250 Meter Gehweg eine Million Euro ausgeben müsste. Dass nach Abschluss der Umbauarbeiten 40-Tonner auf der kurvigen Straße von Wang über Volkmannsdorf Richtung Bruckberg fahren sollen, wie vom Staatlichen Bauamt beabsichtigt, kann sich Stöber nicht vorstellen. Es gebe gleich mehrere Stellen, die für Sattelzüge nicht geeignet seien. Schneller verwirklichen lassen dürfte sich ein weiteres Projekt, das neue Baugebiet in Sixthaselbach, möglicherweise kann dort schon im kommenden Jahr gebaut werden.

Der Wanger Bürgermeister gehört zu den wenigen im Landkreis, die diese Aufgabe auf dem Papier ehrenamtlich erledigen, gegen eine Aufwandsentschädigung. In der Praxis sei er jedoch ganztägig beschäftigt, sagt Stöber, es bleibe keine Zeit, daneben ernsthaft etwas anderes zu machen. Das habe er aber vorher gewusst. Seine beiden Lebensmittelgeschäfte führten derzeit in erster Linie die Mitarbeiter.

Zu seinen schönsten Erfahrungen bisher zählt Stöber eine Trauung, die er vornehmen durfte. Wegen Corona stünden lediglich zwei bis drei weitere in diesem Jahr an. Als weniger angenehm empfindet er Nachbarschaftsstreitigkeiten, in denen er versuche zu vermitteln. Das aber "ist manchmal schwierig". Was Markus Stöber derzeit fehlt, ist der Kontakt zu den Vereinen, weil wegen Corona Versammlungen und Feste abgesagt wurden - und Vereine gibt es in dem lang gezogenen Gemeindegebiet mit zahlreichen Ortsteilen viele. Auch Bürgerinformationen seien nicht möglich, bedauert der Bürgermeister, so hätte er gern direkt über den strittigen Mobilfunkmast bei Sixthaselbach diskutiert. So muss er sich auf schriftliche Informationen und die Gemeinderundschreiben beschränken, die Stöber schon seit zwölf Jahren betreut.

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SZ vom 03.09.2020
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