Der Wasserzweckverband Baumgartner Gruppe rüstet sich für die Zukunft und macht seine Strukturen effizienter: Vom 1. Januar 2019 an wird auch das Leitungsnetz des Marktes Nandlstadt, das bisher eigenständig betrieben wurde, zu dem Wasserversorger gehören. Aber die Entscheidungen im gewachsenen Verband werden in Zukunft von einer verkleinerten Verbandsversammlung getroffen, ihre Mitgliederzahl aus den Gemeinden Attenkirchen, Au, Haag, Mauern, Moosburg, Nandlstadt, Wang, Wolfersdorf und Zolling wird von 44 auf 26 verringert. Die Fusion sei eine gute Sache und die Verschlankung der Verbandsversammlung zeitgemäß, waren sich der Vorsitzende und Haager Bürgermeister Anton Geier sowie Nandlstadts Bürgermeister Jakob Hartl einig.
Für 800 Nandlstädter Haushalte bedeutet die Fusion aber auch eine Angleichung des Wasserpreises, sie bezahlen vom 1. Januar 2019 an wie alle anderen der rund 3000 Kunden der Baumgartner Gruppe im nördlichen Landkreis statt bisher 1,19 pro Kubikmeter 1,49 Euro. Statt einer jährlichen Grundgebühr von zwölf Euro sind dann 89 Euro fällig. Dies bedeutet, dass sich für eine vierköpfige Familie mit einem Durchschnittsverbrauch die Ausgaben für das Wasser von 165 Euro auf 262 pro Jahr erhöhen werden. Die Steigerung sei gerecht, denn bisher gab es in Nandlstadt Straßen, in denen die eine Seite den Baumgartner Preis und die andere Straßenseite den günstigeren Nandlstädter Preis bezahlen musste, schilderte Hartl Auch er ist von der Erhöhung betroffen. Auch ohne Fusion hätten die Nandlstädter ihren Wasserpreis deutlich erhöhen müssen. Man habe seit Jahren auf eine Globalberechnung, mit der die tatsächlichen Kosten des Wasser ermittelt werden, verzichtet, da die Fusion abzusehen war, berichtete der Bürgermeister. Für die Übernahme des Leitungsnetzes sind keine Veränderungen notwendig, denn die Nandlstädter beziehen bereits durch Übergangsschächte ihr Wasser von der Baumgartner Gruppe, und auch der Notdienst läuft seit sechs Jahren über den größeren Verband.
Der Nandlstädter Wasserwart ist außerdem schon im Ruhestand, so dass die Leitungen bereits jetzt von den Mitarbeitern der Baumgartner Gruppe betreut werden. Diese Fusion sei die einzig sinnvolle Perspektive für das Nandlstädter Wassernetz, das wie eine Insel im Versorgungsgebiet des großen Nachbarn liege, beschrieb Hartl. Für die Baumgartner Gruppe bedeutet die Übernahme größere Effizienz, denn jetzt kommen auf kurzen Leitungsstrecken verhältnismäßig viele Kunden dazu, so dass statt bisher 63 Meter pro Kunde jetzt nur noch 52 Meter unterhalten werden müssen. Ein großes wirtschaftliches Handicap des ländlichen Wasserversorgers ist nämlich, dass oft lange Leitungsstrecken zu einsam gelegenen Gehöften mit wenigen Kunden und durch hügeliges Gelände unterhalten werden müssen.
Der vergrößerte Verband wird nun einen zusätzlichen Wasserwart oder Wassermeister einstellen und auch das kaufmännische Personal etwas aufstocken, informierte Geier. Die Verbandsversammlung wird ab nächstem Jahr zunächst um sechs weitere Nandlstädter Räte erweitert, da sich die Anzahl nach den Kunden pro Gemeinde richtet. Aber nach einer Satzungsänderung wird das Gremium auf 26 Verbandsräte proportional der Wasserkunden in den Mitgliedsgemeinden reduziert werden.
Die Finanzen des Wasserversorgers können sich sehen lassen, der Jahresabschluss 2017 weist ein Plus von 1,8 Millionen Euro aus. Im nächsten Jahr werden rund 835 000 Euro in den Erhalt des Leitungsnetzes investiert. Das Netz ist bereits 40 Jahre alt und muss an vielen Stellen erneuert werden muss. Die Höhe der Rücklagen höre sich zwar gut an, aber um ein 190 Kilometer langes Leitungsnetz in Stand zu halten sei es nicht viel, gab der Vorsitzende zu bedenken.