Gemeinde fühlt sich benachteiligt Neufahrn kritisiert MVV-Reform weiter

Verkehrsreferent Florian Pflügler beklagt Ungleichbehandlung von Eching und Neufahrn im gemeinsamen Gewerbegebiet

Von Birgit Grundner, Neufahrn

Die Hoffnungen auf einen Bahnanschluss für das Gewerbegebiet am Römerweg bekommen neue Nahrung: Laut Deutscher Bahn wird der Erdinger Ringschluss 2026 fertig, eine Haltestelle im Norden Mintrachings könnte dann realistisch werden. Das sagte Bauamtsleiter Michael Schöfer in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Derzeit ist das Gewerbegebiet ausschließlich über Busse an den Öffentlichen Personennahverkehr angeschlossen.

Dass sich das in absehbarer Zeit ändern könnte, spricht sich herum: Schon jetzt steigen im Rathaus die Nachfragen für "gewerbliche Grundstücke mit dieser hohen Erschließungsqualität". Städtebauliches Ziel ist es nun "zum künftigen S-Bahn-Halt hin höherwertiges, arbeitsplatzintensives Gewerbe anzusiedeln, welches das Erschließungsangebot der künftigen S-Bahn-Anbindung optimal ausnutzen kann", so die Sitzungsunterlage. Umgeplant werden soll deshalb auf dem freien Grundstück an der alten B 11 zwischen Flystation und Autobahnanschluss. Frühere Überlegungen der Eigentümer, dort ein Hotel zu errichten, haben sich zerschlagen. Mit den Plänen für ein Parkhaus mochte sich der Gemeinderat nicht anfreunden. Mittlerweile werden Gespräche über eine "Überplanung" geführt.

Minuspunkte hat der MVV dagegen in einer anderen Angelegenheit gesammelt: Die gerade beschlossene Tarifreform kommt in Neufahrn nicht so gut an wie in vielen anderen Landkreis-Gemeinden. Zwar wird das S-Bahn-Fahren auch hier für viele etwas billiger, trotzdem fühlt sich Neufahrn benachteiligt: Es gebe "neun Haltestellen, die um bis zu 33 Prozent weiter vom Münchner Zentrum entfernt sind als Neufahrn und gleichzeitig für die längere Entfernung um gut 20 Prozent weniger zahlen", ärgerte sich Verkehrsreferent Florian Pflügler (ÖDP), der sich deshalb auch an den MVV wandte: Man könne "in keiner Weise nachvollziehen, dass S-Bahn-Haltestellen mit Entfernungen von bis 28,5 Kilometer zum Münchner Zentrum in die Zone 2 aufgenommen wurden und Neufahrn mit gerade mal 21 Kilometern Entfernung in der Zone 3 platziert wird".

Als die Tarifreform schon fast geplatzt schien und an Nachbesserungen gearbeitet wurde, hatte Neufahrn darauf gedrängt, in den Übergang zwischen 2. und 3. Ring zu kommen. Pflügler hatte darauf hingewiesen, dass Neufahrn und Eching (Ring 2/3) unterschiedlich behandelt würden, obwohl sie ein gemeinsames Gewerbegebiet hätten und mit den je anschließenden Wohngebieten "eine geschlossene Siedlungsstruktur" darstellten. Deutlich werde die Ungleichbehandlung, wenn jemand aus dem gemeinsamen Gewerbegebiet in Richtung München fahre: Zwischen zwei nahe beieinander liegenden Bushaltestellen kommt es zum "Tarifsprung".

Das alles sei "nicht nachvollziehbar" und "wahnsinnig ungerecht", stellte Pflügler jetzt erneut fest. Gegenüber dem früheren Entwurf habe sich mit der beschlossenen Reform "nichts verbessert", bedauerte auch Bürgermeister Heilmeier (Grüne). . Man werde zwar jetzt "politisch wohl keinen Fuß mehr reinbringen", aber Heilmeier will die Kritik trotzdem "beim Landrat nochmal deutlich machen". Verkehrsreferent Pflügler dachte unterdessen laut über drastischere Schritte nach: Womöglich sollte die Gemeinde "mit unseren eigenen Buslinien aus dem MVV rausgehen", überlegte, "so können wir eigentlich nicht weitermachen."