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Gastronomie in  Freising:Ein Dauerzustand kann das nicht sein

Wer ein Restaurant betreten will, muss sich derzeit mit Namen und Adresse in eine Liste eintragen, damit mögliche Infektionsketten nachverfolgt werden können. Viele schreckt das von einem Besuch ab. Die Wirte bekommen das zu spüren

FREISING: Situation der GASTRONOMIE

Wer die Wirtschaft betritt, muss sich vorher mit Namen und Adresse in eine Liste eintragen. Das gefällt nicht jedem. Froh sind Freisings Gastronomen, dass sie die Freischankflächen nutzen dürfen.

(Foto: Johannes Simon)

"Aufgrund der aktuellen Lage sehen wir uns momentan gezwungen, den Restaurantbetrieb bis auf weiteres einzustellen", so steht es an der Eingangstür des Bistros Primo an der Oberen Hauptstraße, ähnliche Schreibe findet sich beim Streifzug durch die Freisinger Gastroszene noch an mehreren Restauranttüren. Corona ist immer noch ein Thema, das den Gastronomen schlaflose Nächte bereitet.

Vier Speisetische, weniger als die Hälfte, stehen jetzt noch im Inneren der Hansibar, nur so kann Wirt Hans Meisinger den vorgeschriebenen Mindestabstand zwischen den Tischen leisten. Die Gästen kämen wieder, sagt er, "aber wir merken schon noch, dass die Kunden verunsichert sind." Sich mit Name und Telefonnummer in Listen einzutragen, um gegebenenfalls Infektionsketten nachzuverfolgen, auch das schreckt viele ab. Von denen, die kommen, sei es aber nur ein kleiner Teil, "90 Prozent haben Verständnis", sagt Meisinger. Was nicht nur die Hansibar, sondern viele Freisinger Gastronomen erst mal rettet, sind die Freischankflächen. Und da ist nicht nur Hans Meisinger voll des Lobes für die Stadt Freising.

Schon am 15. Mai, noch vor dem Rundschreiben von Wirtschaftsminister Aiwanger, in dem er die Wiedereröffnung von Gastronomie im Außenbereich ankündigte, hat Freising reagiert und seinen Wirten großzügiges Entgegenkommen bei den Freischankflächen signalisiert. Wo immer es Rettungswege und Verkehr zulassen, dürfen Tischen und Stühle im Außenbereich aufgestellt werden. Auch die Nachbarn, freut sich Hans Meisinger, hätten sofort Wohlwollen gezeigt. Die Wirte reagierten flexibel, vergrößerten Freischankflächen, setzten auf Selbstabholer-Service und schränkten das Angebot ein.

FREISING: Situation der GASTRONOMIE

Alles auf Abstand: Weit auseinander sitzen die Gäste im "Weissbräu Huber".

(Foto: Johannes Simon)

Am Freisinger Marienplatz herrschte schon vor Corona Gastro-Wüste, nur das griechische Restaurant Irodion hält eisern die Fahne hoch. "L' Hostaria" ist immer noch geschlossen, im Laubenbräu gibt es einen neuen Pächter, voraussichtlich nächsten Monat soll "Vu Asian vision" eröffnen. Jetzt aber hängt auch hier ein "Vorübergehend geschlossen"-Schild im Eingang. Auch die Weinstube im Alten Gefängnis ist noch zu, eigentlich wollte man im Mai mit einem neuen Pächterpaar starten.

Die Wirtschaft "Weißbräu Huber" ist dagegen geöffnet, auch hier hat man die Tische im Innenraum um gut die Hälfte reduziert. Draußen aber sind Tische und Stühle weit verteilt, wenn auch an diesem wolkenverhangenen Freitagmittag nur einer besetzt ist. Mit der Pressevertreterin darüber reden, wie man sich als Gast in Corona-Zeiten so fühlt, möchte das Paar aber nicht. Wieder ein Stück weiter sitzt Robert Leutner aus Freising an einem Tisch vor einer Bäckerei und liest Zeitung. Er ist zugänglicher. Doch natürlich nervten ihn die Listen, in die man sich eintragen muss, "wie alle Kontrollmaßnahmen", betont er. Dennoch kämpfe er um jedes Stück altes Leben, zu dem auch die Selbstverständlichkeit gehört, in der Öffentlichkeit eine Tasse Kaffee zu trinken. Ihm tue die verzweifelte Situation der Gastronomen Leid, sagt er. "Schon allein deshalb muss man ausgehen, aus Solidarität. Die Hälfte von ihnen wird wieder zumachen müssen, wenn das so weiter geht."

So weit ist Hans Meisinger von der Hansibar noch nicht, "ein Dauerzustand kann das jetzt aber nicht werden", betont er. Auf die Frage, was ihm helfen könne, antwortet er: "Schnellstmögliche Normalisierung und viel schönes Wetter, weil wenn es regnet, haben wird von den Freischankflächen auch nichts."

© SZ vom 06.06.2020

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