Fürholzen feiert Geburtstag:Wenig Einwohner aber viel Geschichte

Lesezeit: 2 min

Fürholzen feiert Geburtstag: Das neue Gemeinschaftshaus in Fürholzen drückt den Zusammenhalt im Ort aus. Lange haben sich die Bewohner des Dorfes für dessen Bau stark gemacht.

Das neue Gemeinschaftshaus in Fürholzen drückt den Zusammenhalt im Ort aus. Lange haben sich die Bewohner des Dorfes für dessen Bau stark gemacht.

(Foto: Marco Einfeldt)

Zwischen den Namen Furiholci und Fürholzen liegen 1250 Jahre in einer kleinen Ortschaft. Zum Jubiläum haben die Vereine ein Festwochenende organisiert und blicken in einer Ausstellung gemeinsam auf die Historie ihres Dorfes zurück.

Von Charline Schreiber, Neufahrn

Fürholzen wird 1250 Jahre alt. Die barocke Pfarrkirche, das Feuerwehrhaus, nur wenige Meter dahinter der Dorfteich und auch das renovierte Schulhaus machen das 440 Einwohner zählende Dorf für den Hauptort Neufahrn zu einem idyllischen Schatz. Zum Jubiläum blicken die Fürholzener auf ihre Historie zurück und feiern ihre Gemeinschaft.

Der kleine Ort im Nordwesten Neufahrns fand seine erste urkundliche Erwähnung als Furiholci - übersetzt: "vor dem Holze, vor dem Wald" - im Jahr 772. Ein Adeliger, der Sohn Rihpert der edlen Matrone Adalwinds, übergab darin Güter zu Fürholzen dem Freisinger Dom. Mit weiteren Spendern wie Alpheri, Pollo und Oato und dem ersten Priester Lipolf konnten die erste Kirche und eine Pfarrei gegründet und erbaut werden. Die Kirche St. Stephanus stand etwas außerhalb von Fürholzen auf einer Anhöhe, auf der sich heute die um 1830 erbaute Kapelle befindet. Einer Sage nach befand sich unter dem alten Kirchberg ein unterirdischer Gang, der sich von Schloss Ottenburg bis zum Schloss Massenhausen hingezogen haben soll.

Zwischen 1618 und 1945 holte Fürholzen mehrmals der Krieg ein

Im Dreißigjährigen Krieg wurde Fürholzen dreimal von den Schweden und Franzosen angegriffen. Nur sechs der 14 Anwesen hielten den Gefechten stand, von den 100 Dorfbewohnern verlor fast die Hälfte das Leben oder floh. Auch 100 Jahre danach, von 1741 bis 1745, während des Österreich-Bayerischen Erbfolgekrieges, blieb Fürholzen nicht verschont. Der Pfarrer Pämer berichtete in seinem Kriegstagebuch von Gewalt und Elend, die das Dorf einnahmen. Im 20. Jahrhundert folgte der Verlust einer Vielzahl von Männern im ersten und zweiten Weltkrieg.

Fürholzen gehörte bis 1803 zur Hofmark und 15 Jahre später zur damals neuen Gemeinde Massenhausen. Im Zuge der Gebietsreform 1978 gliederte sich die Altgemeinde Massenhausen mit Fürholzen schließlich in der Gemeinde Neufahrn ein. Hausnummern fanden sich an den Gebäuden erst ab 1752, Neubauten bekamen bis 1969 Bruchzahlen. Danach wurden Straßennamen und Hausnummern eingeführt. Vor dem zweiten Weltkrieg zählte das Dorf 35 kleine und große Anwesen, bei gut 190 Einwohnern. Seither sind 250 Einwohner dazu gekommen, zwei von ihnen sind als Vollerwerbslandwirte tätig.

Fürholzen ist in einem Dorferneuerungsprogramm, in dem auch das neue Gemeindehaus entstanden ist

"Kein Wunder, dass die Fürholzener stolz sind auf ihr Dorf. Diese Heimatverbundenheit haben die Bürgerinnen und Bürger gerade in jüngster Zeit wiederholt bewiesen, nicht zuletzt mit der Gründung eines Bürgerforums", so die Gemeinde Neufahrn über Fürholzen. Die Mitglieder der ansässigen Vereine treten aktiv für eine Ortverschönerung ein, dazu gehört auch das Dorferneuerungsprogramm, in dem das neue Gemeindehaus entstanden ist.

Um das Jubiläum zu feiern, haben sich die Fürholzener Vereine zusammengetan und ein Festprogramm am und im neuen Gemeinschaftshaus organisiert. Am kommenden Wochenende können Besucher dort bei Speisen und Getränken eine historische Ausstellung mit Archivmaterial, Bildern und originalgetreuen Nachbauten des alten Fürholzener Ortskerns bewundern. Eröffnet wird sie mit dem Dorffest am Freitag, 12. August, um 18 Uhr. Am Samstag findet nach dem Kinderprogramm mit Hüpfburg und Kinderschminken eine Filmvorführung "Als der Luftkrieg in unsere Heimat kam" statt. Ein Festgottesdienst leitet dann den letzten Tag des Festwochenendes ein. Der Bayerische "Hoagascht" von und mit Schorsch Rupp und seinen Musikanten schließt die 1250-Jahrfeier ab. Einlass am Sonntag ist ab 18 Uhr, Eintrittskarten können für 12 Euro beim Fürholzener Dämmerschoppen oder bei Ortssprecher Rainer Bachmeier erworben werden.

Aus: Broschüre - Historischer Streifzug zum 1250-jährigen Ortsjubiläum, 2022

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB