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Für die SZ-Talentiade nominiert:Mit Eleganz und Sprungkraft

Zwei Schwestern aus Freising feiern Erfolge im Rhönradturnen: Die 17-Jährige Karina Peisker stand bei einer WM schon zweimal auf dem Treppchen und will nun ganz nach oben, Stefanie Peisker gehört zur deutschen Spitze

Von Simon Bauer, Freising

Die Geschwister Karina und Stefanie Peisker kommen aus Freising und sind in einer Sportart erfolgreich, der man nicht allzu oft begegnen dürfte: dem Rhönradturnen. Die Sportlerinnen starten für den TSV 1847 Weilheim. Die 17-Jährige Karina Peisker holte bei der Deutschen Meisterschaft im vergangenen Jahr dreimal Gold und einmal Silber, sicherte sich damit den Meistertitel und qualifizierte sich für die darauffolgende Weltmeisterschaft im amerikanischen Cincinnati. Bei der WM gewann sie schließlich eine Silber- und eine Bronzemedaille und erreichte damit den bisherigen Höhepunkt ihrer Sportlerlaufbahn. Für ihre Leistungen sind sie für die SZ-Talentiade nominiert.

Stefanie Peisker konnte mit ihren 15 Jahren ebenfalls schon einige Titel einfahren, sie war Siegerin des Deutschlandcups im Jahr 2015 und Zweite der Bayerischen Meisterschaft 2016. Die Schwestern unterstützen sich nicht nur gegenseitig, Stefanie wird sogar von ihrer Schwester trainiert. "Wir haben schon ein sehr gutes Verhältnis", sagt die 15-Jährige. Deshalb sei Karina auch ihr Vorbild. "Bei den berühmten Sportlern bekommt man nur die Erfolge mit, doch bei Karina konnte ich hautnah mitverfolgen, wie sie sich nach oben gekämpft hat. Das ist viel schöner!"

Karina Peisker war bis zu ihrem zehnten Lebensjahr begeisterte Leistungsturnerin, bevor sie aufgrund von Rückenproblemen dazu gezwungen war, ihre Karriere vorzeitig zu beenden. Kurz darauf entdeckte die junge Sportlerin das Rhönrad für sich, mittlerweile übt sie die Sportart seit sieben Jahren aus. Damit habe sich zusätzlich die Möglichkeit geboten, auch ihre turnerischen Fertigkeiten miteinbringen zu können. "Das ist das Schöne am Rhönrad", sagt die 17-Jährige. "Es ist eine sehr vielfältige Sportart, in der man viel Eleganz zeigen und sich immer weiter verbessern kann. Außerdem ist es einfach etwas anderes, das macht nicht jeder." Auch Stefanie Peisker startete ihren sportlichen Werdegang als Leistungsturnerin und stieg kurz nach dem Wechsel ihrer Schwester mit acht Jahren ebenfalls auf das Rhönrad um.

Beim Rhönradturnen gibt es drei Disziplinen. Die erste ist die Spirale, bei der das Rad wie eine Münze tellert und in dieser Bewegung durch Gewichtsverlagerung und Zug möglichst gleichmäßig gehalten werden muss, während darauf Figuren und Kunststücke gezeigt werden. "Die Spirale ist die schwierigste Disziplin, für die viel Übungszeit nötig ist, um die Balance halten zu können", schildert Karina Peisker. Trotzdem sei es ihre Lieblingsdisziplin, immerhin gewann sie darin auch die Silbermedaille bei der WM. Bei der Geraden dreht sich das Rhönrad auf zwei Rädern in beide Richtungen, während darauf die Übungen geturnt werden. In der dritten Disziplin, dem Sprung, kommt das turnerische Element am stärksten zum Ausdruck. Dabei wird das Rhönrad angeschoben, die Sportler müssen auf das rollende Rad auf- und mit Salti und Schrauben wieder herunterspringen. "Wie gut man ist, hängt von der Qualität der Sprünge und Salti ab", erklärt die 17-Jährige. "Dabei kommt mir meine Turnervergangenheit zu Gute." Karina Peisker wird von ihrer Trainerin Sandra Ryschka oft wegen ihrer Nervenstärke gelobt. Was das Geheimnis dahinter ist, darin sind sich Karina und Stefanie einig: "Man geht kurz vor dem Wettkampf noch einmal in sich und stellt sich vor, wie die Übung aussehen soll. Und dann nimmt man sich vor, es genau so zu machen."

Ohne die Unterstützung ihrer Eltern wären die Erfolge nicht möglich, betont Stefanie Peisker. Die beiden Schwestern trainieren fünfmal die Woche, jeweils zwei bis vier Stunden am Tag. Dazu kommt die eineinhalbstündige Fahrt zum Training. "Unsere Eltern opfern dafür ihren Nachmittag und Abend, das war noch nie ein Thema. Sie haben immer gesagt, dass sie uns alle unsere Träume ermöglichen wollen." Auch die Kombination mit der Schule habe sie gelernt, so Stefanie. "Da ich weniger Zeit habe, arbeite ich schneller und konzentrierter", betont sie. "Und wir bekommen eigentlich immer unsere Freistellungen für große Wettkämpfe."

Als Nächstes steht für Karina und Stefanie Peisker die deutsche Meisterschaft in Berlin an. Für Karina ist der Wettkampf gleichzeitig die Qualifikation für die WM 2018 in der Schweiz. Für die Zukunft hat sie große Pläne: "Mein Ziel ist, bei der Weltmeisterschaft 2018 Gold zu holen."

© SZ vom 16.05.2017
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