"Fridays for Future" im Landkreis Klimaschutz statt Schule

Auch in Freising machen sich die Direktoren darüber Gedanken, wie sie damit umgehen wollen, wenn ihre Schüler streiken.

(Foto: Sebastian Gollnow/dpa)

Noch nehmen Freisinger Schüler nicht zur Schulzeit an den Demonstrationen für Klimaschutz teil, wie sie freitags auch in München stattfinden. Das könnte sich bald ändern - und manche Schulen würden das mit Verweisen ahnden.

Laura Dahmer, Freising

Der Freitag ist für die Zukunft. Das ist die Idee hinter "Fridays for Future", einer Bewegung von Schülern und Studenten, die derzeit freitags auf die Straße gehen. Für die Zukunft, das heißt für den Klimaschutz. In München haben sich dafür vergangene Woche laut Polizei etwa 750 junge Menschen zusammengefunden - während der Schulzeit. Viele Schulen sehen das kritisch. Zwar hat, nach Kenntnis der Freisinger Gymnasien, noch keiner ihrer Schülerinnen und Schüler an den Demonstrationen teilgenommen. Trotzdem haben sich die Rektoren schon Gedanken gemacht, wie sie damit umgehen wollen.

"Ich finde das Projekt prinzipiell begrüßenswert, und auch, wenn sich unsere Schüler dafür engagieren", sagt Manfred Röder, Schulleiter des Dom-Gymnasiums Freising. "Aber natürlich gibt es hier eine Kollision, wenn sie das während der Schulzeit machen." Für ihn ist aber auch klar, dass es keine pauschale Ahndung geben sollte, wenn Schüler zu "Fridays for Future" gehen. Röder wolle sich dann den Einzelfall anschauen, könne sich vom Verweis bis zur Nacharbeit alles vorstellen. "Wenn es zum Beispiel ein älterer Schüler ist, könnte er die Problematik in einer der unteren Klassen vorstellen", ist sich der Schulleiter sicher. Er halte es für sinnvoll, dass sich Schulen nicht in einer Blase bewegen, sondern auch über Aktuelles sprechen.

Kommentar

Aktionen statt Verweise

Schülerdemos sind gut, aber doch bitte nicht während der Schulzeit. Statt es also wirklich zu begrüßen, wenn sich ihre Schüler für den Klimawandel einsetzen und sich politisch engagieren, wollen die Freisinger Schulen das zum Teil sogar bestrafen. Besser wäre, wenn sich die Schulen selbst einbringen würden   von Laura Dahmer

"Unsere Schüler nicht daran hindern, politisch sinnvolle Dinge zu vertreten"

Andrea Bliese, Schulleiterin des Camerloher Gymnasiums, verfasst während des Gesprächs gerade einen Elternbrief. Denn langsam mehren sich die Anzeichen, dass diese Woche Schüler der oberen Mittelstufe zur Demonstration in München gehen möchten. Auch sie sieht sich in der Bredouille: "Ich kann und will unsere Schüler nicht daran hindern, politische sinnvolle Dinge zu vertreten. Mich stört nur die Zeit". Um 14 Uhr würde sie sich wahrscheinlich sogar mit Kollegen dazustellen. So wird es bei ihr aber vermutlich Verweise geben. Höher greifen wolle sie im Schulstrafenregister nicht.

Wie genau die Schulen mit dem Fehlen der jungen "Fridays for Future"-Demonstranten umgehen wollen, hat das Kultusministerium den Schulleitungen überlassen, erinnert aber an die Unzulässigkeit des Schulstreiks. Für Nicole Storz, Schulleiterin des Josef-Hofmiller-Gymnasiums, ist klar: "Das ist unentschuldigtes Fehlen und führt zu einem Verweis." Die Schüler dürften immer demonstrieren, sie fände das super - nur nicht während der Schule.

Ganz anders sieht das Franz Vogl vom Oskar-Maria-Graf-Gymnasium. Verweise für das Verpassen von Unterricht schließt er aus. "Das kommt vielleicht daher, dass ich von Haus aus Sozialkundelehrer bin." Der Schulleiter könnte sich gut vorstellen, das anderweitig zu kompensieren, zum Beispiel mit Diskussionsrunden über klimaschädliches Verhalten. "Dafür würde ich mir auch nachmittags die Zeit nehmen. Und wenn ein Schüler da wirklich um der Sache willen mitmacht, würde er das auch." Vogl aber befürchtet, dass das längst nicht für alle der Demonstranten gilt, und manche das schulfrei lockt. "Selbst wenn das täuscht, wird hier das falsche Pferd gesattelt. Dann dreht sich die Diskussion schnell nicht um Klimaschutz, sondern um schulfrei." Würden samstags Tausende von Schülern auf die Straße gehen, fände er das deutlich glaubwürdiger.

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Ist Bildungsverweigerung das richtige Mittel?

Auch in Moosburg will man keine Pauschalurteile fällen, sollte es dazu kommen. Aber Claudia Theumer, stellvertretende Schulleiterin des Karl-Ritter-von-Frisch-Gymnasiums, sieht "Fridays for Future" kritisch. Es sei wichtig, dass sich junge Menschen für Klima einsetzen. "Aber: Was ist das Mittel? Ich bin nicht sicher, ob der Kontext der Bildungsverweigerung für den Klimaschutz der geeignete ist." Den Begriff Streik fände sie daher schwierig. An ihrem Gymnasium geht man das Thema anders an: Jede Klasse hat zwei Klimabotschafter, die sich zusammensetzen und konkrete Projekte ausarbeiten.

Der Klimawandel, wird auch an den anderen Schulen behandelt. Am Dom-Gymnasium arbeitet man im Fach Geografie gerade klassenübergreifend an einem neuen Müllkonzept für die Schule, das Camerloher und das Josef-Hofmiller-Gymnasium sind bereits Fair-Trade-Schulen. Am Oskar-Maria-Graf-Gymnasium wird das Thema, wie in den anderen Schulen, immer wieder in unterschiedlichen Schulfächern aufgegriffen. Sie ermutigen auch, Plastikmüll zu reduzieren.

Was sagt "Fridays for Future" selbst zu der Uhrzeit der Demonstration? "Wir machen den Streik während der Schulzeit, weil es so viel mehr Aufmerksamkeit erregt", erklärt Antonia Messerschnitt von der Münchner Gruppe. Erst, wenn die Schüler deshalb dem Unterricht fernbleiben, werde es ein Störfaktor. "Wir wollen damit den Finger in die Wunde legen: Warum sollen wir jetzt lernen, wenn es die Zukunft, die in der Schule gelehrt wird, nicht gibt?" In den einzelnen Ortsgruppen werden die Demonstrationen organisiert. In Freising gibt es bisher noch keine. Das könnte sich aber ändern: Einige Freisinger Studenten haben Kontakt zu der Ortsgruppe München gesucht.