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"Fresch"-Chef Alexander Frederking:"Wir brauchen keinen Bademeister mehr, der mit der Trillerpfeife am Rand steht"

Der Kontakt zu Menschen ist Alexander Frederking wichtig - ob beim Rundgang am Beckenrand oder in Besprechungen mit seinen Teammitarbeitern.

(Foto: Marco Einfeldt)

Alexander Frederking setzt als Chef des Erlebnisbades "Fresch" auf Freundlichkeit und Orientierung am Kunden. Er selber hat in einem kleinen See das Schwimmen gelernt.

Alexander Frederkings Berufswunsch war es schon immer, mit Menschen zu tun zu haben. Dieser Wunsch hat sich für ihn nun als Chef des Freisinger Erlebnisschwimmbads "Fresch" erfüllt, denn sowohl bei seinen täglichen Rundgängen entlang der Becken als auch während der vielen Teambesprechungen setzt er sich mit Gästen und Mitarbeitern auseinander und will sich für jeden Zeit nehmen. Das Wichtigste ist ihm dabei, dass sich alle Gäste, Große und Kleine, Ruhebedürftige und Abenteuerlustige, wohlfühlen.

SZ: Wann und wo haben Sie selbst schwimmen gelernt?

Frederking: Ich kann mich nur erinnern, dass ich noch nicht in der Schule war, also vier oder fünf Jahre alt. Meine Großeltern hatten ein kleines Wochenendhaus am See, da habe ich es gelernt. Zur Einschulung konnte ich dann schwimmen.

Warum haben Sie sich für die Ausbildung zum "Referenten für Gesundheitstourismus" entschieden?

Weil diese Ausbildung sehr breit gefächert ist, man kann hinterher zum Beispiel als Reiseleiter oder Gästeführer arbeiten, macht während der Ausbildung Trainerscheine für verschiedene Sportarten und lernt auch Buchführung. In großen Hotelanlagen habe ich dann die Fitness-, Tennis- und Squashabteilungen, die Saunawelten und Massageabteilungen kennengelernt.

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Alexander Frederking ist Leiter des Freisinger Erlebnisbads "Fresch".

Sie waren, bevor Sie die Stelle im öffentlichen Dienst bei der Stadt Freising annahmen, ausschließlich in der Privatwirtschaft tätig. Was ist jetzt anders?

Die Denke der Mitarbeiter im öffentlichen Dienst ist anders als in der Privatwirtschaft, da musste ich mich umstellen. Das alte Freisinger Hallenbad sowie das Freibad dienten rein der Daseinsvorsorge, die Schulen und Vereine nutzten es und die Besucher kamen zum Schwimmen. Das Fresch hat weitaus mehr Aufgaben und ein anderes Selbstverständnis.

Was unterscheidet das Fresch vom früheren Bad?

Wir brauchen keinen Bademeister mehr, der mit der Trillerpfeife am Rand steht und die Gäste maßregelt. Wir sind ein Erlebnisbad, die Mitarbeiter sollen immer freundlich und kundenorientiert sein. Dafür sind noch weitere Schulungen geplant, denn wir wollen uns für Zertifizierungen im Service- und Qualitätsbereich für Bäder und Saunaanlagen bewerben. Ich sage meinen Mitarbeitern immer, die Gäste merken, ob ihr euren Job gern macht. Man muss die Regeln verständnisvoll erklären, und eine gute Stimmung ist wichtig. Außerdem sehe ich uns als Team und meine Bürotür ist immer für die Mitarbeiter offen.

Wie setzen Sie diese Kundenorientierung konkret um?

Alle Mitarbeiter haben immer einen Schreibblock und einen Stift in der Tasche, um die Anregungen der Gäste sofort zu notieren und wenn es geht, zu verwirklichen. Dazu gehört zum Beispiel, dass wir jetzt mehr Liegen im Freibad aufstellen und unter dem Sprungturm werden noch Kabinen und Duschen gebaut.

War es schwierig, zusätzliche Mitarbeiter zu finden?

Nein, wir hatten genug Bewerbungen. Besonders gefreut hat mich, dass sich Fachleute aus der Privatwirtschaft aus der Region beworben haben, die wir an verantwortlicher Stellen einsetzen konnten und die sogar Gehaltseinbußen in Kauf nehmen, um im Fresch zu arbeiten. Sie wollten dabei sein, etwas Neues aufzubauen, der Gestaltungsspielraum hat sie gereizt.

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Was gefällt Ihnen am Fresch besonders?

Dass die Besucher die Vielzahl der Becken nutzen und auch im Sommer den Innenbereich. Am Herzen liegt mir der Saunabereich, der begeistert mich. Ich wollte keine Sauna von der Stange und ich denke, wir haben im Fresch etwas besonders Schönes geschaffen. Ich wünsche mir, dass der Saunabereich zum Winter die Aufmerksamkeit bekommt, die er verdient.

Was planen Sie dafür?

Es gibt ja zwei grundverschiedene Saunagäste: die einen wollen ihre Ruhe, die anderen wollen etwas erleben und unterhalten werden. Diesen gegensätzlichen Interessen wollen wir Rechnung tragen. Es wird zum Beispiel im Außenbereich der Sauna an bestimmten Tagen klassische Musik aus der Konserve geben. Geplant ist auch eine Mitternachtssauna mit Live-Musik, da wird es dann etwas lauter. Es soll sich einspielen, dass jeder Gast weiß, an welchen Tagen seine Bedürfnisse befriedigt werden.

Wie sieht es mit Schwimmkursen aus, da ja immer mehr Kinder nicht schwimmen können?

Die Nachfrage steigt, und erstaunlicherweise reichen die von uns geplanten Kurse bei weitem nicht aus. Wir werden mehr Schwimmkurse anbieten und vor allem auch nahtlos vom Säuglingsschwimmen über Bambinikurse bis zu den richtigen Schwimmkursen für die Vorschul- und Schulkinder, so dass es für jedes Alter ein Angebot gibt.

Wie vereinbaren Sie das Fresch mit Ihrer Familie, die in Augsburg lebt?

Die ersten zwei Wochen nach der Eröffnung war ich gefühlt immer hier, jetzt nehme ich mir einen Tag am Wochenende frei. Die etwa einstündige Fahrt nutze ich morgens für Organisationstelefonate, auf dem Heimweg ist das eine gute Zeit, um abzuschalten. Morgens bringe ich unsere achtjährige Tochter zu Schule, da ich im Fresch nicht so früh da sein muss. Meine Frau hört dann dafür nachmittags früh mit der Arbeit auf und ist zu Hause. Das funktioniert gut.

Als Abschlussfrage - welchen Stellenwert hat der Sport in Ihrem Leben?

Er gehört zu meinem Leben dazu, ich habe immer sehr viel Sport getrieben. Als Jugendlicher vor allem Geräteturnen mit wöchentlich vier mal Training. Heute fahre ich mit meiner Tochter Inliner, gehe in das Fitnessstudio und betreibe Crossfit. Zum Schwimmen im Fresch bin ich bisher noch nicht gekommen, ich möchte auch nicht, wenn mein Team arbeitet, daneben gemütlich meine Runden drehen, das passt für mich nicht.

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