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Freisinger Stadträte legen Veto ein:Zweifel am "Turbokreisel"

Während Verkehrsgutachter die Schlüterbrücke für ausreichend dimensioniert halten, haben die Freisinger Stadträte Zweifel an ihrer Zukunftstauglichkeit.

(Foto: FRS)

Im Planungsausschuss stößt der Neubau des Verkehrsknotens zwischen Westtangente, Clemensängern und Flughafen überraschend auf Widerstand. Die Entscheidung wird vertagt, die Verkehrsgutachter sollen sich erklären.

Von Kerstin Vogel, Freising

Zu viel Flächenverbrauch, zu teuer und nicht plausibel: Überraschend hat sich der Planungsausschuss des Stadtrats am Mittwoch ziemlich eindeutig gegen den gemeinsam mit dem Landkreis geplanten "Turbokreisel" für den Neubau des Knotenpunktes FS 44/FS 45 gewendet.

Nachdem Robert Männling vom Planungsbüro SRP Schneider & Partner die Stadträte auf den aktuellen Stand der Planung gebracht und dabei auch eine Kostensteigerung von 6,8 auf mittlerweile fast 14 Millionen Euro angeführt hatte, entspann sich eine Debatte, bei der sich schnell abzeichnete, dass eine große Mehrheit im Ausschuss das Projekt wohl ablehnen würde. Zwar verständigte man sich am Ende auf eine Vertagung, um sich die zu der Planung angefertigten Gutachten noch einmal erläutern zu lassen, die Zweifel an dem Vorhaben aber gehen tief.

Der "Turbokreisel" genannte zweispurige Kreisverkehr soll dort, wo die Kreisstraßen FS 44 und FS 45 zwischen der künftigen Einmündung der Westtangente und dem Gewerbegebiet Clemensänger weiter in Richtung Flughafen führen, in ein paar Jahren den Verkehr am Fließen halten. Weil Isar- und Pförreraubrücke im FFH-Gebiet liegen und dort keinerlei Eingriffe in die Natur erlaubt sind, kann der neue Knoten nicht auf der bestehenden Kreuzung entstehen, sondern muss als Kreisverkehr ein Stück weiter im Osten neu gebaut werden. Genau dieser Planung hatten die Stadträte auch schon einmal zugestimmt - immerhin soll die Stadt das Projekt zu einem Drittel bezahlen und ihre Einwilligung ist unabdingbar. Was sich aber inzwischen bei der Weiterentwicklung ergeben hat, mochte einer Mehrheit quer durch die Fraktionen nicht gefallen.

Dabei hatte sich Planer Männling von der Regierung von Oberbayern als Genehmigungsbehörde bestätigen lassen, dass es eigentlich keine Alternative gibt. Keine der anderen untersuchten Varianten wäre demnach genehmigungsfähig. Nur der "Turbokreisel" könne gebaut werden, während der Verkehr weiterlaufe, zählte der Planer auf. Nur diese Variante greife weder in den Hochwasserabfluss der Isar noch in das FFH-Gebiet ein. Allerdings habe sich ergeben, dass der Spörrerhof nahe der Auffahrt auf die A 92 über ein nicht ganz billiges Rampenbauwerk angebunden werden müsse und auch das Anwesen mit der Hausnummer 85 auf der anderen Seite der Kreisstraße müsse relativ komplex erschlossen werden. Von dem von der Stadt gewünschten vierspurigen Ausbau des Teilstücks zwischen Autobahn und Kreisel solle dagegen abgesehen werden, sagte Männling. Die beiden Brücken über die Isar und den Pförreraugraben seien ausreichend dimensioniert und nicht sanierungsbedürftig. Etwa an der Stelle des jetzigen Knotens könnte eine Unterführung für Fußgänger und Radfahrer zum Pförrerauweg hin gebaut werden, so Männling - Charlotte Reitsam (Grüne) nannte das wenig später "den einzig positiven Aspekt an der ganzen Planung".

Ansonsten aber ließen die Stadträte kein gutes Haar an dem "Turbokreisel". Unisono kritisierten sie den enormen Flächenverbrauch durch dieses Projekt, der nur zustande komme, weil man auf der anderen Seite ein paar tausend Quadratmeter FFH-Gebiet schützen müsse. Anton Frankl (FSM) nannte das Projekt deshalb "Wahnsinn". Er frage sich, ob die Natur rund um den Schwimmbadgraben denn nichts wert sei. "Leute, das ist unsere Heimat." Ebenso einhellig formulierten die Stadträte Zweifel daran, dass "der Trichter" - also die beiden Brücken - auch in ein paar Jahren noch die Verkehrsströme von der Westtangente, aus den Clemensängern sowie von und zum Flughafen aufnehmen kann.

Sie halte das Projekt fast für "Schwarzbuch-tauglich", sagte Katrin Stockheim (FSM). Planungsreferent Franz Bernack (FSM) sprach von einem "Schildbürgerstreich", Ulrich Vogl (ÖDP) von "Irrsinn". Der Finanzreferent kritisierte auch, dass man bei den Kosten "schon wieder in einem Bereich ist, wo andere Gemeinden eine kleine Umgehungsstraße bauen". Rudi Schwaiger (CSU) erklärte, er sei wegen der rechtlichen Situation "hin- und hergerissen". In zehn Jahren aber wäre die Entscheidung für den Turbokreisel mit Sicherheit anders als heute "nicht mehr zumutbar". Der Fall müsse noch einmal aufgerollt werden, wünschte sich schließlich Karl-Heinz Freitag (Freie Wähler) und forderte ein "Gegengutachten".

Das wird es zwar so schnell nicht geben, zumindest über die vorliegenden Gutachten zu Verkehr und FFH-Gebiet aber sollen die Stadträte noch einmal informiert werden. Gegen den Vertagungsantrag stimmten nur ein sichtlich genervter Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher und Robert Weller (FW).

© SZ vom 01.06.2018

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