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Freisinger Kopf:Eine Medaille, die Wehmut weckt

Leopoldine Wilhelm.

(Foto: Marco Einfeldt)

Leopoldine Wilhelm hat ihren Mann nach einem Überfall lange gepflegt

Die Verdienstmedaille der Bundesrepublik liegt glänzend in der Schatulle, Leopoldine Wilhelm betrachtet sie stolz, und doch weckt sie auch Wehmut. Verliehen bekommen hat sie die 78-jährige Dietersheimerin dafür, dass sie 18 Jahre lang ihren Mann pflegte, nachdem er 2001 bei einem Raubüberfall schwer verletzt worden war. Voriges Jahr ist er gestorben, und sein Todestag fiel fast mit der Verleihung der Verdienstmedaille zusammen. "Ich fühle mich sehr geehrt", sagt Leopoldine Wilhelm, und doch kommen gerade in diesen Tagen die schrecklichen Erinnerungen zurück.

Es war der Silvestermorgen im Jahr 2001, Josef Wilhelm wartete in seiner Autowerkstatt auf einen Kunden, der seinen Wagen abholen wollte. Da betraten drei Männer die Werkstatt, schlugen ihn nieder und der Haupttäter stach mit einem Messer auf ihn ein, verletzte ihn schwer am Kopf. Wenig später kam Leopoldine Wilhelm aus dem angrenzenden Wohnhaus, wollte ihren Mann holen. Die Täter überwältigten auch sie und zwangen sie, Geld auszuhändigen. Nachbarn halfen, alarmierten den Notarzt, der Josef Wilhelm retten konnte. Er überlebte mit schweren Einschränkungen, halbseitig gelähmt und ohne Sprache.

"Mein Leben war zertrümmert", schildert Leopoldine Wilhelm, die selbst schwer traumatisiert war, die Situation danach. Es folgten zwei Jahre der Krankenhaus- und Reha-Aufenthalte für ihren Mann, zwei Jahre, in denen Leopoldine Wilhelm ihr Haus in Dietersheim nur betrat, um Dinge zu holen. "Dann war mir klar, ich muss meinen Mann aus den Heimen holen und wieder in sein Elternhaus zurück bringen."

Danach kämpfte sich das Paar Schritt für Schritt in eine Normalität zurück. "Wir sind zu einem richtigen Team geworden", schildert Leopoldine Wilhelm die besondere Beziehung, die mit den Jahren zwischen dem Paar entstand. Geheiratet haben die beiden 1964, ein Jahr vorher hatten sie sich kennengelernt, auf der Hochzeit ihrer Schwester. "Es war Liebe auf den ersten Blick."

© SZ vom 12.04.2021 / av
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