Freisinger Köpfe:Nicht einfach wegreißen

Freisinger Köpfe: Ingrid Hartert-Müller.

Ingrid Hartert-Müller.

(Foto: Marco Einfeldt)

Architektin Ingrid Hartert-Müller mag alte Gebäude

Wichtig sei in der Architektur vor allem eines, sagt Ingrid Hartert-Müller : "Dass man genau hinschaut und für die jeweilige Aufgabe eine individuelle Lösung findet". Hartert-Müller ist seit 2015 Erste Vorsitzende des Freisinger Vereins "Architektur Aktuell" und arbeitet als selbständige Architektin. Ihre persönliche Nische seien alte Gebäude, erzählt sie im Gespräch: Die solle man, wenn es irgendwie gehe, nicht einfach wegreißen und durch einen Neubau ersetzen. Denn: "Im Grunde genommen geht es um den Respekt davor, was frühere Generationen an der Stelle gelebt haben und welchen Beitrag sie gebracht haben", sagt die Architektin.

Die Einstellung hat sie auch umgesetzt, als es um ihr jetziges Wohnhaus ging. Ingrid Hartert-Müller und ihre Familie haben das Haus in der Sackgasse in Freising gekauft, nach jahrzehntelangem Leerstand war das in jämmerlichem Zustand, wurde teilweise sogar als Bruchbude bezeichnet, wie sie erzählt. "Wir haben es behutsam saniert", jahrelang habe das gedauert. Andere Interessenten hätten davon gesprochen, das Haus abreißen zu wollen. Aber das Haus stamme wohl aus dem Mittelalter, bei genauerem Hinschauen habe man Gemälde entdeckt: "So was reißt man nicht einfach weg." Die Sanierung wurde schließlich mit zwei Preisen von der Stadtheimatpflege Freising und dem Landratsamt ausgezeichnet.

Hartert-Müller kommt aus Karlsruhe, dort hat sie Architektur studiert. 2003 ist sie dann mit ihrer Familie in den Landkreis Freising gezogen, auch die sei von Freising begeistert gewesen. Welche Gebäude in Freising ihr besonders gefallen oder auch nicht, will Hartert-Müller so konkret nicht sagen. Aber: "Die Historie der Stadt macht mich neugierig, zeitgemäße Lösungen für den Umgang mit der Geschichte zu finden." An Altbauten schätzt sie besonders, dass man viele Bauteile handwerklich reparieren kann - etwa die Holzfenster. Da eine Reparatur bei vielen Neubauteilen nicht möglich sei, müssten diese im Schadensfall komplett ausgetauscht werden. Das widerspreche der gesamten aktuellen Entwicklung: "Wir müssen aufpassen, welche Ressourcen wir verbrauchen, wie deren Recycling oder spätere Entsorgung erfolgen kann", findet sie.

© SZ vom 23.09.2019 / nta
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