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Freisinger Köpfe:Katholisch, Frau und revolutionär

(Foto: Marco Einfeldt)

Berta Hagn ist im Vorstand des Katholischen Frauenvereins aktiv

Berta Hagn aus dem Freisinger Ortsteil Kleinbachern war um die 50, als ihr Leben eine neue Wendung nahm. "Das war der Zeitpunkt, als ich den Kopf frei bekam", erzählt sie und meint damit, dass die drei Kinder groß wurden und ihr wieder mehr Raum blieb für sich. Und sie erinnerte sich damals an ihre eigene Mutter, die in diesem Alter Witwe und damit ein wenig einsam wurde. "Da wollte ich ein bisschen vorsorgen", so Hagn. Sie wurde also bei der Katholischen Frauenbewegung aktiv, von dort ging es weiter in den Pfarrgemeinderat von Hohenbachern, und dann auch bald in den Pfarrgemeinderat von St. Jakob im benachbarten Ortsteil Vötting. Schließlich wurde neben den Ehrenämtern auch wieder berufstätig, im Pfarramt von St. Jakob und im Pfarramt von St. Korbinian.

Die heute 63-Jährige wurde in Kleinbachern geboren, ging in Freising zur Schule, legte hier das Fachabitur ab und arbeitete vor der Familienphase an der Technischen Universität München in Weihenstephan als Büroangestellte. In der Katholischen Frauengemeinschaft kfd ist sie vor zwölf Jahren sogar in den Vorstand aufgerückt. Seither steht ein gleichberechtigtes Team an der Spitze des Ortsvereins Hohenbachern-Vötting. Bundesweit ist die kfd der größte christliche Verein für Frauen in Deutschland. Zur kfd wurden die Müttervereine 1951, nachdem sie unter dem Regime der Nationalsozialisten aufgelöst wurden. Und auch, wenn die Frauen noch immer primär karitativ tätig sind, haben sie zumindest auf Bundesebene mittlerweile durchaus revolutionäres Potenzial. Denn was sie heute fordern, ist nicht weniger, als dass sie endlich auch Priester werden dürfen. Darüberhinaus hat der Bundesverband erst kürzlich ein klares Zeichen gegen rechts gesetzt und eine gleichzeitige Mitgliedschaft in der rechten Partei AfD und der Katholischen Frauengemeinschaft ausgeschlossen. Ob all das reicht, dem Mitgliederschwund, der auch in der kfd grassiert, entgegen zu wirken, da hat nicht nur Berta Hagn so ihre Zweifel.

© SZ vom 05.10.2020 / av

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