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Freisinger Köpfe:Glückliche Gastronomen

Steffen Irion, 43, und Can Tuna, 51.

(Foto: Marco Einfeldt)

Steffen Irion und Can Tuna betreiben das Parkcafé.

Steffen Irion, 43, und Can Tuna, 51, erklären sich relativ spontan dazu bereit, ein längeres Interview zu geben. Es ist Lockdown, das Parkcafé ist leergefegt, als sie in den lichtdurchfluteten, ungewohnt stillen Gastraum bitten, mit Blick auf die Terrasse. Der einzige Dauergast dieser Tage, beziehungsweise Wegbegleiter seit elfeinhalb Jahren, ist Herr Schulz, ihr Hund. Demnächst wird er zwölf Jahre alt.

Irion ist im Schwarzwald aufgewachsen, hat dort Hotelfachmann gelernt, zunächst auf einem Schiff gearbeitet. Inzwischen ist er im Hafen zu Freising angekommen, so wirkt es. Tuna kommt aus Düsseldorf, für seinen früheren Job bei einer Fluggesellschaft hatte es ihn nach München verschlagen. Gelernt hat er Reiseverkehrskaufmann. Fast 25 Jahre lang war er beim fliegenden Personal, bis vor fünf Jahren. So gesehen scheint es fast logisch, dass die beiden Männer irgendwann eine gemeinsame (Lebens-)Reise antreten würden. Am 1. Juni sind es zehn Jahre, dass sie das Parkcafé übernommen haben. Dafür sind sie von München nach Freising gezogen.

Kennengelernt haben sie sich aber "klassisch im Internet", wie Irion sagt. Beide lachen. 2009 war das. Damals war das Internet für manche noch Neuland. Heute, sagen sie, gebe es ja viel mehr Plattformen, um sich kennenzulernen. "Freunde erzählen einem davon, man selbst schaut da ja nicht mehr", sagt Irion. "Man sieht das auch an den Ausgehmöglichkeiten für Schwule, da ist die Zahl in München zurückgegangen. Läden, die es lange gab, gibt's nicht mehr."

In Freising ist das Paar glücklich, allein der Lockdown bereitet den Gastronomen langsam Sorgen, sie hoffen auf eine Öffnung. "Ich sag, es wird der 1. April sein, vor Ostern, hoffe ich. Wenn es der 15. März ist ...", sagt Can Tuna, "...freuen wir uns", beendet Steffen Irion den Satz.

© SZ vom 22.02.2021 / ilos
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