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Freisinger Köpfe:Dorfmensch und Reformer

24 Jahre lang hat er die TUM geleitet, vier Mal ist er wiedergewählt worden und hat vor allem in Weihenstephan einen umfassenden Reformprozess in Gang gesetzt.

(Foto: Marco Einfeldt)

Wolfgang Herrmann hat an der TU München viel in Gang gesetzt

Im Wohnzimmer läuft klassische Musik, auf dem runden Tisch im Nebenzimmer liegen noch Unterlagen des Exzellenzwettbewerbs, bei dem die Technische Universität München erneut hervorragend abgeschnitten hat. Der tägliche Druck ist weg, seit Wolfgang Herrmann Ende September das Präsidentenamt abgegeben hat. Der TU München aber bleibt der 71-Jährige in mehreren Funktionen eng verbunden - auch ein eigenes TUM-Orchester möchte der Musikbegeisterte gerne noch aufbauen. Dass einer wie er gar nichts mehr tut, das kann man sich nur schwer vorstellen. Herrmann wirkt gelöst und voller Tatendrang.

24 Jahre lang hat er die TUM geleitet, vier Mal ist er wiedergewählt worden und hat vor allem in Weihenstephan einen umfassenden Reformprozess in Gang gesetzt. 1985 war der Chemiker einem Ruf an die TU München gefolgt, zuvor lehrte und forschte er an den Universitäten Regensburg und Frankfurt. 1995 wurde er erstmals zum Präsidenten gewählt. Was ihm danach am meisten gefehlt habe, sei der Kontakt zu den jungen Leuten gewesen, sagt er.

1990 zog Familie Herrmann nach Freising

Die ersten Jahre lebte die Familie in Giggenhausen. Dort wollte Herrmann eigentlich nicht weg, wie er erzählt. Er war Organist, mehrere Jahre lang leitete er zudem den Männergesangsverein Einigkeit. Die Mitglieder hatten bei ihm angefragt, weil sie dachten, er sei Musikprofessor. Seine Frau setzte sich 1990 aber durch. Sie wollte wegen der fünf Kinder nach Freising ziehen, um nicht immer hin- und herzufahren. Noch immer aber hat Herrmann gute Bekannte in Giggenhausen.

Aufgewachsen ist Wolfgang Herrmann in Ihrlerstein im Landkreis Kelheim, sein Vater war dort Dorflehrer und Mann für alles. Auch er spielte Orgel, leitete den Schulchor, füllte für die Dorfbewohner Anträge aus und "war nie abgehoben", erinnert sich Herrmann. Geprägt hat dieses Umfeld auch den Sohn. "Du musst deine Heimat kennen und mit den Leuten reden, damit du was bewegst", sagt er. Sein persönlicher Ruhepunkt ist seit fast 30 Jahren ein ehemaliger Pfarrhof in Garching an der Alz. Dort trifft sich die ganze Familie an hohen Feiertagen und in den Sommerferien. Als TU-Präsident konnte er dort an den Wochenenden in Ruhe arbeiten, wie zuletzt an der Exzellenzinitiative, packt aber auch gerne im großen Garten mit an.

Obstbäume und Nussbäume habe er gepflanzt, erzählt Wolfgang Herrmann, auch einen Korbiniansapfel und Kiwi aus Freising. "Ich bin halt immer ein Dorfmensch gewesen, das dringt immer wieder mal durch."