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Freisinger im Fahrradklima-Test:Leider nur eine Vier

Beim Fahrradklima-Test des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs ist Freising mit Note 4,1 landkreisweit das Schlusslicht

Von Kerstin Vogel, Freising

Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) hat den Freisinger Stadtrat aufgefordert, "mutige und sichtbare Entscheidungen zur baldigen Verbesserung der Situation der Radler und Radlerinnen zu treffen". Dabei stützt sich der Verband auf die unlängst publizierten Ergebnisse des ADFC-Fahrradklima-Tests, der laut eigenen Angaben "größten Befragung zur Zufriedenheit der Radfahrenden weltweit".

Die Freisinger hatten der Fahrradfreundlichkeit ihrer Stadt dabei im Durchschnitt eine Gesamtnote von 4,1 gegeben, diese also nur als "ausreichend" bewertet. Freising liegt damit laut ADFC innerhalb seiner Ortsgrößenklasse (20 000 bis 50 000 Einwohner) bayernweit auf Platz 38 von 49, also nur im letzten Drittel. Verglichen mit dem letzten Test von 2018 hat sich die Gesamtbeurteilung nicht verändert. Generell gab es für die teilnehmenden Kommunen des Landkreises Freising keine besonders guten Noten, sie wurden allesamt lediglich mit einem "ausreichend" beurteilt. Spitzenreiter war mit einer 3,7 die Gemeinde Eching. Danach folgten Hallbergmoos mit einer 3,8, Neufahrn mit 3,9 und Moosburg mit einer 4,0. Die Stadt Freising bildet im Landkreisvergleich also das Schlusslicht.

Dabei hat der Stadtrat zuletzt durchaus einiges auf den Weg gebracht, was die Situation der Radfahrenden langfristig verbessern soll. Nicht zuletzt sieht das Mobilitätskonzept, das man sich selber gegeben hat, die Entwicklung zur Fahrradstadt vor - und erst kürzlich war die Domstadt auch von der "Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen in Bayern" (AGFK) als fahrradfreundliche Stadt zertifiziert worden.

Konkret umgesetzt wurde inzwischen beispielsweise eine neue Fahrradabstellanlage am Bahnhof mit über 850 Stellplätzen. Es gibt ein Förderprogramm für Lastenräder, eine Fahrradzone "Zur Schwabenau", die Fahrradstraße "Alte Poststraße" und die höchst umstrittene Radfahrspur entlang der Kammergasse. Weitere Maßnahmen sind bereits beschlossen oder geplant, etwa das Lastenrad-Mietsystem, das im Sommer kommen soll, oder auch der Bau eines Radwegs entlang der noch zu verbreiternden Isar-Hochtrasse.

Die Alte Poststraße ist bereits zur Fahrradstraße umgewidmet worden, doch die Radfahrenden in der Stadt fordern mehr derartige Maßnahmen.

(Foto: Marco Einfeldt)

Doch zur Zufriedenheit der Radlerinnen und Radler in Freising hat all das offenbar noch nicht großartig beigetragen. Unzufrieden sind die Teilnehmer der Umfrage vor allem bei den Themen Fahren auf Radwegen und Radfahrerstreifen, Ampelschaltungen für Radfahrer, Fahrradmitnahme im öffentlichen Verkehrsnetz, Führung an Baustellen, Falschparkerkontrollen auf Radwegen, Breite der Radwege und beim Angebot von öffentlichen Leihfahrrädern, wie der ADFC in seiner Auswertung des Klimatests schreibt. Alle Fragen zu diesen Punkten seien lediglich mit "mangelhaft", also Noten zwischen 4,7 und 5,1 bewertet worden.

Positiver gesehen wurde dagegen, dass Radfahren in Freising durchaus Generationen-übergreifend der Fortbewegung dient, außerdem die Erreichbarkeit des Stadtzentrums, die generell zügige und direkte Erreichbarkeit von Zielen und die Werbung für das Fahrradfahren. Für diese Punkte gab es immerhin Noten zwischen 2,4 und 3,4.

Bei der Beantwortung der "offen" gestellten Fragen in dem Klimatest habe es lediglich verhaltenes Lob gegeben, meldet der ADFC weiter. So sei die Stadt beispielsweise als "in der Einstellung sehr fahrradfreundlich, in der Umsetzung allerdings bisher schwach", bezeichnet worden. Generell überwiege jedoch die Kritik an schlechten beziehungsweise fehlenden Radwegen. "Ich weiß nicht, wie meine Kinder jemals im Stadtverkehr radeln sollen, ohne dass ich Angst um ihr Leben haben muss", wird eine Teilnehmerin der Studie zitiert. Ein weiteres Zitat hat den Schwerpunkt "Gestaltung der Altstadt" zum Gegenstand: "Die Innenstadt von Freising muss autofrei werden", so die Forderung.

Der Test

Der Fahrradklima-Test wird vom Fahrradclub ADFC alle zwei Jahre mit Unterstützung des Bundesverkehrsministeriums durchgeführt. Er fand 2020 bereits zum neunten Mal statt. Etwa 230 000 Radfahrerinnen und Radfahrer haben mit abgestimmt, davon nach Angaben des Verbandes 15 Prozent ADFC-Mitglieder. Bundesweit kamen 1024 Städte und Gemeinden in die Wertung, mehr als jemals zuvor. Bei den insgesamt 27 zu beantwortenden Fragen ging es darum, ob man sich auf dem Rad sicher fühlt, wie gut die Radwege sind und ob die jeweilige Stadt oder Gemeinde in Zeiten von Corona das Fahrradfahren besonders fördert.

Damit fundierte Ergebnisse erzielt würden, müssten bei Städten in der Größenordnung von Freising mindestens 50 Abstimmungsergebnisse vorliegen, so der ADFC. Diese Hürde sei mit 226 Umfrageteilnehmern problemlos übertroffen worden. Die Ergebnisse des Tests hätten daher "eine hohe Aussagekraft und können der Kommune helfen, das Angebot für Radfahrende gezielt zu verbessern". vo

Hans Pemp und Carl-Heinz Feller, Vorstandsmitglieder des ADFC Kreisverbandes Freising, kommentieren das Ergebnis und nehmen dabei auch auf die vor Kurzem erfolgte Zertifizierung der Stadt als fahrradfreundliche Kommune Bezug. "Dabei spielt auch der nachvollziehbare politische Wille zur Umgestaltung der Stadt eine große Rolle. Dieser ist zweifelsfrei vorhanden. Aktuell ist die Situation auf den Straßen doch noch sehr verbesserungswürdig." Immerhin würden sich gemäß der Umfrage 72 Prozent der Teilnehmer als Radfahrer nicht sicher fühlen.

Vor diesem Hintergrund sei auch das vom ADFC unterstützte Bürgerbegehren "Radentscheid Freising" verständlich und notwendig, für das nach Angaben der Initiatoren bereits um die 2600 Unterschriften gesammelt wurden. Der Bund stelle zudem mit dem Sonderprogramm "Stadt und Land" gut 660 Millionen Euro zur Verfügung. Es fehle also nicht an den finanziellen Mitteln, um die Fahrrad-Infrastruktur zu verbessern "und somit unsere Städte und Gemeinden lebens- und liebenswerter zu machen".

Einblicke in das Freisinger Mobilitätskonzept finden sich auf der Website der Stadt: www.freising.de/leben-wohnen/mobilitaet-verkehrswende/mobilitaetskonzept. Informationen zu den Zielen des Radentscheids stehen hier: www.radentscheid-freising.de. Um auch während des Corona-Lockdowns Unterschriften sammeln zu können, nutzt der Radentscheid Freising die Plattform innn.it der Petitionen-Website Change.org. Hier können kommunalwahlberechtigte Bürgerinnen und Bürger rechtsgültig noch bis Ende April für das Bürgerbegehren unterschreiben: https://innn.it/initiatives/RadentscheidFreising.

© SZ vom 13.04.2021
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