Freisinger GeschichteWertvolle Textilien

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Kunsthistorikerin Tanja Kohwagner-Nikolai berichtet in einem Vortrag über die Fragmente der Mitra, der Stola und des Ornats von Bischof Konrad III., die 1974 geborgen worden sind. Derzeit lagern sie im Depot des Diözesanmuseums

Von Johann Kirchberger, Freising

Konrad III. der Sendlinger war von 1314 bis 1322 Bischof von Freising. Er ließ die Kirche St. Johannes auf dem Domberg bauen, die nie barockisiert wurde und in ihrer gotischen Form erhalten geblieben ist. Ein Jahr nach der Fertigstellung starb Konrad und wurde in seiner Kirche beerdigt. Bei einer Graböffnung 1974 wurden wertvolle Textilien entdeckt. Fragmente der Mitra, der Stola und des Ornats, die geborgen wurden, werden nun im Depot des Diözesanmuseums aufbewahrt.

Die Kunsthistorikerin Tanja Kohwagner-Nikolai hat die Textilien im Rahmen eines Projekts der Bayerischen Akademie der Wissenschaften untersucht und die Ergebnisse nun bei einem Vortrag des Historischen Vereins vorgestellt. Vorsitzender Günther Lehrmann bezeichnete die Funde bei der Begrüßung der Wissenschaftlerin als "eine außergewöhnliche Rarität".

Konrad III. stammte aus einer wohlhabenden Münchner Patrizierfamilie, war zunächst Kaplan und Sekretär des Freisinger Bischofs Emicho Wildgraf von Wittelsbach (1283 bis 1311) und wurde unter seinem Vorgänger Gottfried von Hexenagger schließlich Freisinger Domherr. 1314 wurde Konrad zum Bischof von Freising gewählt und war der erste Freisinger Bischof, der an einer Universität einen Doktortitel erworben hat.

Konrad III. ließ einst die gotische Kirche St. Johannes auf dem Freisinger Domberg bauen, in der er nach seinem Tod bestattet wurde. Bei einer Graböffnung im Jahr 1974 wurden Fragmente der Mitra, der Stola und des Ornats geborgen, die nun im Depot des Diözesanmuseums aufbewahrt werden.
Konrad III. ließ einst die gotische Kirche St. Johannes auf dem Freisinger Domberg bauen, in der er nach seinem Tod bestattet wurde. Bei einer Graböffnung im Jahr 1974 wurden Fragmente der Mitra, der Stola und des Ornats geborgen, die nun im Depot des Diözesanmuseums aufbewahrt werden. (Foto: Marco Einfeldt)

Aus den Kriegsscharmützeln seiner Zeitgenossen Ludwig dem Bayern und Herzog Friedrich dem Schönen, die sich in Gammelsdorf die legendäre letzte Ritterschlacht lieferten, hielt sich Konrad heraus. Er schuf dafür eine moderne Verwaltung und ein geordnetes Archivwesen, die Konradischen Matrikel. Darin befindet sich auch die erste farbige Abbildung des Freisinger Mohrs, der seit Bischof Emicho als Hochstiftswappen verwendet wurde.

1319 kaufte Konrad von Ludwig dem Bayern die Grafschaft Ismaning, wodurch er für das Hochstift eine geschlossene Verbindung von Freising bis vor die Tore Münchens schuf.

Von 1319 bis 1321 ließ er die Johanneskirche im klassischen frühgotischen Stil erbauen und stiftete ein Kollegiatsstift. An Ostern 1322 starb Konrad III., angeblich soll er von einem Diener vergiftet worden sein. Dafür aber gibt es nach Aussage von Kohwagner-Nikolai keinerlei Beweise.

Sein Grab in der Johanneskirche sei mit einer Grabplatte versehen worden, die bis heute in Teilen erhalten geblieben ist. Bei Bauarbeiten im Jahre 1714, als der Boden tiefer gelegt worden sei, habe man dann das Grab geöffnet. Der Bischofsring fehlte, gefunden wurden jedoch ein silberner Kelch, Fragmente der Mitra mit goldbestickten Tieren auf den Borten sowie weiteren Goldstickereien.

Dieser Ausschnitt aus dem großen Hochstiftskalender von 1723 zeigt Bischof Konrad III., von Kanonikern umgeben, in Pontifikalkleidung mit der Gründungsurkunde der Johanneskirche. Im Hintergrund die Johanneskirche, links die Westfassade des Doms, rechts Teile des Fürstengangs.  Quelle: Staatsbibliothek
Dieser Ausschnitt aus dem großen Hochstiftskalender von 1723 zeigt Bischof Konrad III., von Kanonikern umgeben, in Pontifikalkleidung mit der Gründungsurkunde der Johanneskirche. Im Hintergrund die Johanneskirche, links die Westfassade des Doms, rechts Teile des Fürstengangs. Quelle: Staatsbibliothek (Foto: N/A)

Bei der Graböffnung 1974 sei dann zweifellos festgestellt worden, so Kohwagner-Nikolai, dass seinerzeit die Mitra mit anderen Grabfunden neu "montiert" worden sei. Der bedeutendste Fund seien jedoch die fünf Fragmente einer Stola gewesen, die vermutlich 80 Jahre nach dem Tod Konrads in das Grab gelegt wurde. Ein Seidengewebe in das hauchdünne Darmhäutchen und goldenen Fäden eingearbeitet wurden. 5,5 Zentimeter breit und 130 Zentimeter lang, sei die Stola heute, so Kowagner-Nikolai, ein Meter sei wohl verloren gegangen. Noch gut zu erkennen seien auf der Stola acht Szenen aus dem Leben Jesu. Auch Reste des Ornats und der darunter getragenen Dalmatik seien noch erhalten geblieben. Interessant, so die Wissenschaftlerin: Alles, was aus Seide gewebt wurde, habe zumindest als Fragment überlebt. Alle anderen Stoffe seien in den vergangenen 700 Jahren zerfallen. Auch der vermutlich aus Holz gefertigt Bischofsstab.

© SZ vom 02.02.2022 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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