Freisinger Fabriken:Brennöfen in der Stadt

Freisinger Fabriken: Der Wasserturm ist aus Ziegeln gebaut, die in der Stadt Freising selbst gebrannt wurden.

Der Wasserturm ist aus Ziegeln gebaut, die in der Stadt Freising selbst gebrannt wurden.

(Foto: Johannes Simon)

Mehrere Ziegeleien produzieren das Baumaterial, aus dem Stadtbild prägende Gebäude in Freising entstanden sind.

Von Peter Becker, Freising

"Freisinger Fabriken" heißt ein Buch, das der Freisinger Hans Lorenzer 2022 veröffentlicht hat. Das Nachschlagewerk, wie er es nennt, beschäftigt sich mit Fabriken und Werken innerhalb des Stadtgebiets. Manche gibt es heute noch, viele sind verschwunden. Die Freisinger SZ stellt in einem Streifzug durch die Industrialisierung bestehende und aufgegebene Unternehmen vor. Heute: die Ziegeleien Ludwig Biber/Alois Steinecker (1865 bis 1950) und Lang/Borst (1873 bis 1955).

In Freising gab es bis in die Nachkriegszeit hinein einige Ziegeleien. Ludwig Biber baute seinen Betrieb 1865 nahe der Mainburger Straße mit drei Brennöfen auf. Nach ihm ist heute die Biberstraße benannt. 1874 brannte die Ziegelei ab. Biber musste von vorn anfangen, fügte seinem neuen Unternehmen gleich eine Trottoir- und Pflasterfabrik hinzu. Vier Jahre später, schreibt Lorenzer, wurde die Ziegelei von Alois Steinecker ersteigert.

Steinecker führte das Baugeschäft seines Vaters Leonhard fort. Seine Bauten prägen bis heute das Freisinger Stadtbild mit. Unter der Regie von Steinecker entstanden die Vimykaserne, das Finanzamt, einige Schulen und zahlreiche Villen an Prinz-Ludwig-, Hayd- und Heckenstaller-Straße.

Eine weitere Ziegelei stand bis 1955 dort, wo sich heute die Deula-Schule befindet. Der gebürtige Freisinger Heinrich Lang hatte 1873 den Antrag gestellt, an der Wippenhauser Straße seinen Betrieb errichten zu dürfen. 1902 erbte sein Sohn Ludwig die Ziegelei. Dieser war ebenso wie Steinecker gleichzeitig Baumeister. 1904/05 baute er unter anderem das neue Freisinger Rathaus, später das Gut Hirschau und den Freisinger Wasserturm.

1915 kaufte die Firma Borst die Ziegelei und erneuerte große Teile des Unternehmens. Spektakulär war im Jahr 1938 die Sprengung eines 35 Meter hohen Schornsteins auf dem Gelände. Das Freisinger Tagblatt schreibt dazu am 24. Mai 1938, dass eigens zwölf Männer des Pionierregiments als Sprengkommando aus München anrückten. Der erste Versuch klappte nicht, die Mittelladung versagte. Nach dem zweiten Anlauf fiel der Schornstein unter dem Beifall der Schaulustigen in sich zusammen. Die Ziegelei schloss 1955.

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