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Freisinger Band-Geschichten: Tutti Bandi:Eine irre Zeit

Roman Seehon zu Zeiten von "Tutti Bandi".

(Foto: Privat)

Die Neue Deutsche Welle war das Genre von Tutti Bandi. Die Band um Schlagzeuger Roman Seehon und die finnische Leadsängerin Leena Varpio war in Freising eine feste Größe und spielte sogar in einer TV-Show von Michael Schanze.

Roman Seehon hat gerade seinen 60. Geburtstag gefeiert, auf der italienischen Insel Stromboli. Verbunden hat der Freisinger Musiklehrer und Schlagzeuger diesen Tag auch mit einer Wanderung hinauf auf den Vulkan, für den diese Insel bekannt ist. "Das habe ich mir gewünscht, ich bin da mal auf dem Weg zu einem Konzert drüber hinweg geflogen und habe ihn von oben gesehen. Da wollte ich dann unbedingt hin," erzählt er. Für das Gespräch mit der SZ muss der jetzt 60-Jährige weit zurückblicken in das Jahr 1983, als zusammen mit der Freisinger Band Tutti Bandi in einer Talentshow von Michael Schanze auftrat. "Hätten Sie heut Zeit für uns" hieß die. Tutti Bandi spielt dort den einzigen große Hit, den die Band hervorgebracht hat. "Ich fühl mich wohl", singt Leadsängerin Leena Varpio, eine gebürtige Finnin, und erzählt mit viel Charme und Sex-Appeal, so Seehon, von einer Frau, die sich gerade in der Badewanne rekelt. "Sie war eine tolle Frontfrau, so in der Art von Kim Wilde", schwärmt Roman Seehon. Es existiert auch noch ein Youtube-Video von diesem Auftritt, und Michael Schanze fragt Leena Varpio da, ob sie denn als Leadsängerin auch die Chefin in der Band sei.

Freisinger Bandgeschichten

Sie heißen Eukalyptus, Schlagzeile, Wurff, Tutti Bandi oder Anabasis. Freising hat in den Achtzigerjahren einige Bands hervorgebracht, die sich auch überregional einen gewissen Bekanntheitsgrad erspielt haben. Was ist aus den Helden von einst geworden? An was erinnern sich die Fans? In einer kleinen Serie geht die Freisinger SZ diesen Fragen nach.

Nein, antwortet sie darauf, und Tutti Bandi sei auch eher ein "demokratischer Verein". Ins Fernsehen hat es die Freisinger Gruppe da also geschafft, ins Radio nie, erzählt Roman Seehon 36 Jahre später. Dabei hatte die Gruppe sogar eine Zeitlang mit einem renommierten Musikproduzenten zusammen gearbeitet. Egon L. Frauenberger, der 2009 gestorben ist. Mit dem Namen Frauenbergers verbinden sich mehrere Tausend Musikproduktionen, unter anderem für Petula Clark und Udo Jürgens. "Aber mehr als ein paar sehr gute Demobänder sind aus dieser Zeit nicht geblieben", erzählt Seehon. Die Neue Deutsche Welle, die deutschsprachige Variante des Punk und New Wave, die 1976 aufkam und Anfang der 1980er Jahre ihren kommerziellen Höhepunkt erfuhr, war das Genre von Tutti Bandi. Gesungen wurde vorzugsweise auf bayerisch, zum Beispiel bei den Songs "I steh auf Di" oder "Dog i bog Di", was man auch umschreiben könnte mit "wie man in die Gänge kommt".

Angefangen hat alles im Freisinger Lindenkeller

Angefangen hatte für Tutti Bandi alles Anfang der 80er Jahre im Probenraum im Unterhaus des Freisinger Lindenkellers, der seinerzeit von Klaus Hänel betrieben wurde. "Das war eine irre Zeit", erinnert sich Roman Seehon. "Der Klaus hat wahnsinnig tolle Bands in den Lindenkeller geholt, der Klaus Doldinger war da, oder Sigi Schwab. Und die kamen dann immer zu uns runter und haben zugehört, was wir so machen. Manchmal haben wir auch zusammen gejammt".

Schlagzeuger Roman Seehon heute.

(Foto: Marco Einfeldt)

Tutti Bandi sei in seiner Gründerzeit sozusagen am "musikalisch-kulturellen Nabel Freisings" gewesen. Zur Gruppe gehörten neben Roman Seehon und Leena Varpio auch ihr Bruder Juha Varpio (Klavier), Christoph Böhm (Percussion), Heinz Heinl am Bass und Georg (Schose) Niedermeier. Mit allen, außer Niedermeier, hat Roman Seehon noch Kontakt. Einige sind auch bei der Musik geblieben. So arbeitet Leena Varpio nach einem Studium an der Musikhochschule und am Salzburger Mozarteum heute als Sängerin und ihr Bruder Juha Varpio ist diplomierter Jazzpianist.

Roman Seehon hatte noch eine Konditorlehre absolviert, und zwar im "Café Nuss" in Grainau bei Garmisch. Doch die Musik, vor allem das Schlagzeug, ließ ihn auch dort nie los. "Einen meiner ersten Auftritte hatte ich schon mit 15 im Freisinger Jugendklub, da hat mich noch meine Mutter mit dem Schlagzeug hingefahren." In Garmisch sei er bei den Bands dann ein gefragter Mann gewesen. "Ich war damals der einzige Schlagzeuger in dem Ort und ich konnte viel spielen, mit Top-Musikern, das war ein Segen", erinnert er sich. Studiert hat er dann an der Jazzschule in Hamburg und war einer der ersten "Diplompopularmusiker" Deutschlands, ein Modellversuch.

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Die "Tutti Bandi"-Sängerin Leena Varpio, gebürtige Finnin, ist bei der Musik geblieben.

(Foto: privat)

Tutti Bandi hat sich nach ein paar Jahren getrennt. Es sei irgendwann zu "Dissonanzen" im Team gekommen, erinnert sich Seehon, wenn auch nur ungern. Da sei es um Dinge gegangen wie die Einnahmen aus Gema-Gebühren und die Frage, wer jetzt was komponiert hat. "Das sind so Sachen, die man dann später verdrängt", erzählt Seehon. Viel lieber erinnert er sich an die Fans von Tutti Bandi, an die viele Auftritte, im Lindenkeller oder bei den ersten kleinen improvisierten Festivals am Vöttinger Weiher, und an seine Reise nach Indien. Eine irre Zeit eben.

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