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Freisinger Altkleidersammlungen:Der Kampf mit der Billigware

Massen an Kleiderspenden gehen bei Rentabel ein, die Qualität vieler Kleidungsstücke aber ist schlecht.

(Foto: Marco Einfeldt)

Altkleidersammler in Freising klagen über einen hohen Anteil an Billigware, die schnell kaputt geht und sich nicht weiter verwerten lässt - sie wünschen sich mehr Qualitätsbewusstsein.

Anbieter von Alt- und Gebrauchtkleidung in Freising sehen sich zunehmend mit nicht verwertbarer Billigmode konfrontiert. Ändern können die Kleidersammler am Modebewusstsein der Menschen aber wenig, dazu fehlen ihnen die Druckmittel, denn sie sind auf Kleiderspenden angewiesen. Sie appellieren aber daran, mehr Wert auf Qualität und Material beim Kleiderkauf zu achten. Wie sich zeigt, ist faire und nachhaltige Mode inzwischen durchaus erschwinglich.

"Menge und Qualität nehmen ab", sagt Albert Söhl, Kreisgeschäftsführer des BRK in Freising, wenn man ihn nach der Entwicklung des Angebots in der Kleiderkammer fragt. Ein Großteil gehe zum Verwerter. "Man sieht, dass da viel aussortiert werden muss." Da seien hohe Anteile an Kunststoff drin. Je größer dieser ist, "desto schlechter die Qualität".

"Wenn die Kleidung drei Mal gewaschen wurde, hat sie Löcher"

Im Rentabel-Gebrauchtwarenkaufhaus der Caritas in Freising sieht sich Leiterin Andrea Lachner mit Kleiderspenden geradezu überhäuft. Auch sie hat festgestellt, dass da sehr viel Billigware dabei ist. Die mangelnde Qualität sei ein Problem. "Wenn die Kleidung drei Mal gewaschen wurde, hat sie Löcher." Da sei oft viel Polyester und Polyamid drin. "Das macht es für uns schwierig, Preise zu gestalten, wir müssen ja auch davon leben." Nicht verwertbare Kleidung übergibt auch die Caritas an einen Verwerter. "Wir kriegen noch ein bisschen was dafür", so Lachner. Doch erst kürzlich sei der Satz pro Kilo Kleidung gesunken. Mal wieder.

Ein Bewusstsein für nachhaltige Mode können weder Söhl noch Lachner bislang erkennen, trotz Klimaschutzbewegung. "Es wird recht deutlich, dass wir in einer Wegwerfgesellschaft sind", sagt Andrea Lachner. Sie arbeitet seit 26 Jahren im Rentabel-Kaufhaus. "Das ist über die Jahre schlimmer geworden. Wir merken, dass die Leute sehr markenfixiert sind. Da kostet dann die Marke, nicht die Qualität", so Lachner. "Viele haben ja auch wenig Geld, die kauften dann eher in einem Billigladen als beim BRK", schildert Söhl. "Und die Mieten sind halt hoch, dann sparen die Leute am Essen und an der Kleidung, nicht am Urlaub oder am Auto."

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Nicht verwertbare Spenden führen dazu, dass die Container verschwinden

Was passiert mit dem wachsenden Anteil nicht verwertbarer Kleiderspenden? Söhls nüchterne Antwort: "Altkleidung ist ja zunächst nichts anderes als Müll hinsichtlich der Umweltaspekte." Und Müll wolle natürlich niemand kostenpflichtig für die Bürger entsorgen. "Wenn also nichts wiederverwertbar ist, verschwinden die Kleidercontainer", erklärt er. "Darum sieht man auch, dass die Fremdcontainer nach und nach verschwinden." Gemeint sind die Container privater, gewinnorientierter Anbieter. Jene der sozialen Träger wie BRK und Caritas hingegen bleiben, sie werden von Stadt und Landkreis finanziell unterstützt.

Dennoch kämpfen sie ums Überleben. "Wir haben schon Einbußen", räumt Söhl ein. "Wir suchen immer Sponsoren", betont Lachner. Vielerorts diskutieren Kleidersammler bereits eine Gebühr für die Kleiderabgabe, um mögliche Einbußen durch eine kostenpflichtige Entsorgung auszugleichen. Andrea Lachner ist dahingehend skeptisch: "Das ist sehr schwierig. Bei Möbeln haben wir das, da bieten wir an, dass wir die kostenpflichtig entsorgen. Manche machen das, andere nicht. Bei Klamotten würden das die Leute nicht akzeptieren, da würden wir uns keine Freunde machen." Freuen würde sich Lachner über mehr gespendete Kleidung aus Baumwolle: "Das wäre schön." Oder auch aus Seide oder Leinen: "Die ist aber teurer", sagt sie.

T-Shirts aus 100 Prozent Baumwolle gibt es in Freising schon ab 10 Euro zu kaufen

Dass nachhaltige Mode aus Naturmaterialien kein Luxus sein muss, bestätigt Günther Sesselmann, Geschäftsführer von "Fashion & More" in Freising. T-Shirts aus 100 Prozent Baumwolle gebe es bei ihm schon ab zehn Euro zu kaufen. "Das kann sich jeder leisten, vom Schüler bis zum Professor, Menschen jeden Alters", glaubt er. Wie Lachner sieht Sesselmann im Massenkonsum eine grundlegende Ursache für den hohen Anteil an Billigmode. Er spricht vom hohen CO₂-Ausstoß bei der Herstellung, vom Ressourcenverbrauch. Nachhaltige Kleidung sei nicht nur ökologischer, sondern zugleich "langlebiger - und damit letztlich günstiger".

Günstiger komme nachhaltig produzierte, wiederverwertbare Kleidung auch die Kleidersammler. Beim Freisinger BRK ist man diesbezüglich dennoch zuversichtlich, plant einen Altkleiderladen zu eröffnen, wie Albert Söhl berichtet. Im Rentabel-Kaufhaus versuchen Lachner und ihr Team, das Beste aus dem derzeitigen Angebot zu machen. Es laufe gerade ein Nähprojekt an, erzählt sie. Das Ziel: Upcycling. Aus gebrauchten Klamotten, die nicht vermittelt werden können, sollen Accessoires hergestellt werden wie Schürzen oder Taschen. Doch die Hoffnung stirbt zuletzt: "Ich hoffe, dass bei den Materialien die Qualität wieder besser wird", sagt Andrea Lachner. "Wir sind darauf angewiesen, dass Kleidung kommt. Und wir sind dankbar, wenn vernünftige Kleidung kommt."

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