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Freisinger Advent:Unwürdiges Verhalten

Der vierwöchige Weihnachtsmarkt dürfte für dieses Jahr gestorben sein. Uferlos sagt ab und im Hauptausschuss streitet man über die Gründe

Das Uferlos Festival

Das Uferlos-Team, (von links) Michi Kasper, Thomas Sedlmeier und Vipo Maat, hätte den Weihnachtsmarkt gerne organisiert, das Risiko war am Ende jedoch zu groß.

(Foto: Veronica Laber)

Der Ton im Hauptausschuss wurde zum Ende schärfer. Da hatte Kulturreferent Hubert Hierl (CSU) schon verraten, dass die Uferlos GmbH den Weihnachtsmarkt "Freisinger Advent" heuer nicht ausrichten wird. Karl Heinz Wimmer von der Stadtverwaltung hatte die Nachricht bereits bestätigt - und wiederum Hierl hatte den Stadtratskollegen auch schon Gründe genannt: Die Uferlos-Macher hätten vergeblich auf die Fierantenliste der bisherigen Veranstalter gewartet, mit fortschreitender Zeit sei den neuen Wunschpartnern das Risiko zu groß geworden, sagte er.

Darauf hatte überraschenderweise zunächst niemand etwas entgegnet. Man unterhielt sich schon über Ampeln und einen Leserbrief zur Westtangente, als SPD-Stadtrat Hubert Schwarzer schließlich doch noch etwas zum Freisinger Advent einfiel. "Uferlos" springe doch deshalb nicht für die bisherigen Veranstalter, den Kulturverein "Prima leben und stereo" (Plus), ein, weil sich der Stadtrat dem Verein und dessen damaligem Chef, FSM-Stadtrat Reinhard Fiedler, gegenüber nicht fair verhalten habe, echauffierte er sich: "Dieses Verhalten war eines Kollegialorgans nicht würdig."

Zur Erinnerung: Plus hatte sich nach monatelangen Querelen um die Abrechnung des Freisinger Advents 2010 und 2011 als Veranstalter zurückgezogen. Fiedler hatte sich sogar selbst bei der Staatsanwaltschaft angezeigt, um die Vorwürfe aufklären zu lassen. Dort wurde Plus von der vielfach unterstellten Betrugsabsicht eindeutig freigesprochen - Bürgermeister Rudi Schwaiger (CSU) allerdings wollte sich Schwarzers Selbstvorwürfen am Montag dennoch keinesfalls anschließen. Die Probleme mit dem Freisinger Advent seien bei der Rechnungsprüfung aufgetaucht, "als Zahlen nicht beigebracht werden konnten", empörte er sich. Das habe ja wohl nicht das Kollegialorgan zu verantworten, vielmehr sei da "gschlampert gearbeitet" worden. Zudem habe man einen Vertrag mit Plus gehabt, "der im Prinzip einzuhalten gewesen wäre".

Wie auch immer: Die Idee, besagten Vertrag stattdessen mit der Uferlos GmbH abzuschließen, um den Freisinger Weihnachtsmarkt zu retten, ist nun auch gescheitert - und zwar nicht, weil die Macher des Uferlos-Festivals nicht gewollt hätten, im Gegenteil: Man hätte den Freisinger Advent gerne übernommen, erklärte Geschäftsführer Vipo Maat am Dienstag, weil es schade wäre, "wenn Freising keinen Weihnachtsmarkt mehr hätte", weil es um die Kultur gehe - und weil die Uferlos GmbH so etwas gut organisieren könnte, wie Michi Kasper ergänzte.

Für diese Organisation wäre man laut Maat jedoch auf eine Zusammenarbeit mit Fiedler angewiesen gewesen und die habe sich "schleppend" gestaltet. Ohne die Fierantenliste habe man beispielsweise keinen Kontakt zu den Ausstellern aufnehmen können und langsam sei die Zeit knapp geworden. Außerdem habe eine erste Kalkulation ergeben, dass der Freisinger Advent die Uferlos GmbH gut 10 000 Euro mehr gekostet hätte als den Verein Plus - unter anderem, weil man die Hütten hätte mieten müssen und weil man bei allem Idealismus eine Firma sei und mit bezahlten Mitarbeitern statt freiwilligen Helfern arbeite. Zumindest für dieses Jahr dürfte der Weihnachtsmarkt damit gestorben sein, denn auch Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher sieht kaum noch Chancen, die vierwöchige Veranstaltung zu organisieren. Zwar sei das sehr schade, er könne die Entscheidung aber nachvollziehen. Wichtig wäre es für Eschenbacher nun, die Diskussion um die Veranstaltung in Zukunft "auf einer sachlichen Ebene zu führen, da es sonst auch künftig schwierig wird, eine Lösung zu finden". Ob es da hilfreich ist, dass bis März 2014 der Kommunalwahlkampf tobt, ist fraglich. Wie gesagt: Der Ton wird schärfer.