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Experiment in Zolling:Energiepflanze mit guter Ökobilanz

Auf dem Feld von Andreas Riesch bei Palzing haben sich (von links): Ralf Brodmann (Energiepark Hahnennest), Imker Johann Jositz, BBV-Kreisobmann Georg Radlmaier, Kreisbäuerin Elisabeth Mayerhofer, Riesch und Gerhard Stock, Geschäftsführer des Bayerischen Bauernverbands in Freising, getroffen.

(Foto: Marco Einfeldt)

Andreas Riesch hat sich auf das Experiment mit dem Anbau der "Durchwachsenen Silphie" eingelassen und zieht ein positives Fazit. Die Felder sind Bienenweiden, bauen Humus auf und kommen mit Wetterextremen klar.

Das gelb leuchtende Feld am Ortsausgang von Palzing Richtung Kirchdorf ist ein richtiger Blickfang. Die hübschen Blüten der drei Meter hohen Pflanzen locken unzählige Bienen und andere Insekten an. Schwalben gleiten durch die Luft. Landwirt Andreas Riesch baut die "Durchwachsene Silphie" mittlerweile auf drei Feldern an. Er ist einer der ersten im Landkreis Freising, die sich auf das Experiment eingelassen haben. Sein Fazit nach den ersten drei Jahren fällt positiv aus. "Ich bin sehr zufrieden", sagt er. Für Biogasanlagen sei die Silphie gut geeignet, der Ertrag sei ähnlich hoch wie beim Mais. Interessant sei sie auch aus ökologischen Gründen. Mais hat in dieser Hinsicht einen eher schlechten Ruf.

Noch ist die Silphie, die aus Nordamerika stammt, hierzulande nahezu unbekannt. Ralf Brodmann, einer der Pioniere, die sich für ihre Verbreitung einsetzen, ist zu dem Pressetermin des Bayerischen Bauernverbands in Palzing aus Baden-Württemberg angereist. Die Liste der Vorzüge, die er aufzählt, ist lang. Der Anbau der Silphie sei ein zusätzliches Standbein für Bauern. Gemeinsam mit anderen Landwirten betreibt er den Energiepark Hahnennest, eine Biogasanlage in Ostrach, Kreis Sigmaringen, die Haushalte mit Energie versorgt. Unter dem Namen "Donau-Silphie" verkaufen sie auch Saatgut und übernehmen die Aussaat in ganz Deutschland. Mittlerweile sind es über 4000 Hektar. Gerade die bayerischen Bauern seien sehr aufgeschlossen, sagt Brodmann.

Kleine Becher an den Stängeln sammeln Wasser und sorgen für ein spezielles Kleinklima

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Bei Andreas Riesch wächst die Pflanze auf 7,1 Hektar. Er führt einen Milchviehbetrieb mit 65 Kühen, außerdem betreibt die Familie eine Biogasanlage. 2011 ist der Hof deshalb aus der Ortschaft verlegt worden - keine kleine Investition. Zur Sicherung des Betriebs wollte er auf eine größere Vielfalt setzen und "gleichzeitig etwas für die Natur tun". So kam Riesch auf die Silphie. Gerade für Erosions-gefährdete Standorte eigne sie sich gut. Die Silphie wurzelt bis zu zwei Meter tief und baut zwischen fünf und acht Tonnen Humus pro Hektar und Jahr auf, wie Riesch erklärt. "Das ist fast nicht zu glauben." Dadurch bindet die Pflanze CO₂, die Ökobilanz kann sich also sehen lassen.

Die Silphie ist eine Dauerkultur für zehn bis 20 Jahre, "so genau wissen wir das noch nicht", sagt Brodmann. Er kenne auch einen über 30 Jahre alten Bestand. Eine weitere Besonderheit: An den Stängeln bilden die Blätter kleine Becher, in denen sich fast immer Wasser sammele. Dies sorge für ein "spezielles Kleinklima", von dem vor allem Insekten profitieren. Der Wurzelballen hat laut Brodmann einen Durchmesser von 60 bis 70 Zentimetern. 60 Prozent davon bildeten sich jedes Jahr neu. Das Bodenleben verändere sich, mehr Regenwurmarten siedelten sich an, die die organische Masse zu Humus zersetzen. Der aufgelockerte Boden könne viel Wasser aufnehmen, die Pflanze überstehe Wetterextreme deshalb besser als andere Kulturen.

Ein Problem war bisher, dass die Pflanzen sehr teuer waren. Durch das neu entwickelte Ansaatverfahren konnten die Kosten jedoch gesenkt werden, wie Brodmann schildert. Das Silphie-Saatgut sei zwar immer noch teurerals anderes, da er jedoch weniger Dünger brauche und keine Pflanzenschutzmittel rechne sich der Anbau, bilanziert Riesch. Anfangs sei er allerdings etwas skeptisch gewesen, räumt der Landwirt ein, weil im Feld viel Unkraut wie Kamille gewachsen sei. Brodmann und seine Kollegen hätten ihn aber beruhigt und tatsächlich - dies sei kein Problem mehr.

Der Anbau der neuen Kultur zeigt, dass die Landwirte nicht stehen bleiben

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Johann Jositz, Kreisvorsitzender des Verbands bayerischer Bienenzüchter, freut sich über die Silphie. "Die Imker sind scharf auf so eine Frucht." Denn sie blüht zwischen Juni und September - wenn viele andere Pflanzen in heißen, trockenen Sommern schon verblüht sind und die Bienen folglich wenig Nahrung finden. Jositz hat selbst 35 Silphie-Pflanzen im Garten gepflanzt.

Für Georg Radlmaier, den Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands, ist der Anbau der neuen Kultur ein Beleg dafür, dass die Landwirte nicht stehen bleiben. Auch beim Bauernverband ist man gespannt, wie sich der Anbau von Silphie langfristig entwickelt.

Ralf Brodmann setzt noch auf einen ganz anderen Effekt. Er habe festgestellt, dass sich Landwirte und Gesellschaft immer weiter voneinander entfernen, sagt er. Es sei ihm ebenso wie vielen anderen Bauern schon passiert, dass er beschimpft werde, wenn er mit Gülle auf die Felder fahre. Dabei sei diese ein wertvoller Dünger. Am Rande blühender Silphie-Felder, so hofft er, komme man wieder leichter miteinander ins Gespräch. Zum Konzept gehört deshalb, dass ein kleiner Hochsitz neben der Straße Interessierten einen Blick über das Feld ermöglicht. Auch in Palzing ist das möglich.

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