Wohnen im Landkreis FreisingKeine Sanktionen für Leerstände

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Das Eckhaus an der Ziegelgasse in Freising steht bereits seit 2006 leer.
Das Eckhaus an der Ziegelgasse in Freising steht bereits seit 2006 leer. (Foto: Marco Einfeldt)

Der Wohnungsmarkt in Freising ist angespannt, trotzdem stehen Häuser und Wohnungen leer. Mit konkreten Maßnahmen versucht die Stadt, die Marktsituation zumindest ein bisschen zu entspannen, Strafen soll es aber nicht geben.

Von Charline Schreiber, Freising

Der Wohnungsmarkt in Freising ist leer gefegt, die Mieten sind hoch. Und trotzdem stehen Wohnungen und ganze Häuser leer. Die SPD-Fraktion beantragte im Stadtrat deswegen Anfang vergangenen Jahres einen "Masterplan Bezahlbares Wohnen in Freising" zu entwickeln. Im Zusammenhang damit forderte die Agenda 21-Projektgruppe "Bauen, Wohnen und Verkehr", dass Eigentümer, die Wohnungen zweckentfremden, sanktioniert werden.

Leer stehende Gebäude, wie etwa das Eckhaus an der Ziegelgasse, das seit 16 Jahren darauf wartet saniert zu werden, sind nutzlos. Der Erlass, dass Wohnraum nur zu anderen Zwecken genutzt werden darf, wenn das ausdrücklich genehmigt wird, war der Agenda 21 wahrscheinlich auch deswegen ein Anliegen. Ein langes bürokratisches Wort beschreibt den Inhalt des Antrags als Zweckentfremdungsverbotssatzung. Diese Satzung sollte es möglich machen, Menschen bei einem Verstoß - beispielsweise einem Leerstand über mindestens drei Monate - zur Kasse zu bitten oder Ersatzwohnraum im Stadtgebiet Freising zu schaffen. Die Agenda 21 verwies auf das Grundgesetz: "Eigentum verpflichtet", heißt es dort in Artikel 14. Städte in Bayern, die diesen Ansatz bereits verfolgen, sind München, Regensburg, Nürnberg und Erlangen.

Trotzdem soll die Satzung in Freising vorerst nicht beschlossen werden. Sie bringe einen "erheblichen zusätzlichen personellen und finanziellen Verwaltungsaufwand mit sich", hieß es am Mittwoch im Planungsausschuss des Stadtrats. Man habe geprüft, wie Städte wie München die Satzung umsetzen würden, sagte Stadtdirektor Gerhard Koch. 30 Mitarbeitende beschäftige die Landeshauptstadt dafür, auf Freising runtergebrochen bedeute das, dass eine zusätzliche Personalstelle geschaffen werden müsste, die Voraussetzungen seien demnach nicht gegeben.

51 Gebäude im Stadtgebiet, davon 27 in der Altstadt, stünden leer

Um den Leerständen trotzdem entgegenzuwirken, wurden diese bereits im Jahr 2018 überprüft. Die Ergebnisse wurden drei Jahre später zusammengetragen und leerstehende Häuser erneut begangen und überprüft. Auch die Agenda 21 kartierte die Leerstände im Antrag des vergangenen Jahres: Danach stünden 51 Gebäude im Stadtgebiet, davon 27 in der Altstadt, leer. Grob überschlagen seien 14.500 Quadratmeter ungenutzt, darunter viele denkmalgeschützte Gebäude. Die Zahlen habe die Verwaltung überprüft und das Fazit zeige, dass etwa ein "Drittel aller Leerstände mittlerweile beseitigt" wurden, hieß es am Mittwoch. 70 Prozent würden als Wohnungen genutzt, ein Viertel der leerstehenden Gebäude mit ungenutzten Wohnungen in der Altstadt seien komplett leerstehend, bei rund 60 Prozent seien "laufende Maßnahmen" bekannt, etwa Sanierungen.

Die noch leerstehenden Häuser in der Freisinger Altstadt blieben durch einen "Sanierungsstau" unbewohnbar. Die Stadt versuche durch kommunale Förderprogramme und eine kostenlose Sanierungsberatung Anreize zu schaffen, Eigentum wieder in Stand zu setzen. Die Verwaltung gibt aber zu bedenken, dass die Zahl leer stehender Häuser in Freising durch die Corona-Pandemie weiter steigen könnte. Denn Gewerberäume in der Innenstadt würden möglicherweise nicht länger gebraucht. Dafür, dass es gar nicht erst so weit kommt, soll das Einzelhandelsentwicklungskonzept aus dem Jahr 2012 sorgen, indem es aktualisiert wird. Leerstände sollen erfasst und digitalisiert werden und langfristige Pläne die Innenstadt weiter beleben.

Bis 2035 sollen 300 Wohnungen saniert und 300 neu gebaut werden

Im Masterplan der SPD-Stadtratsfraktion forderte die Partei, dass 600 Wohnungen durch die Freisinger Wohnbau GmbH (FWB) gebaut werden. Der hohe Sanierungsaufwand von 60 Jahre alten Gebäuden sei mit Neubauten vergleichbar, heißt es dazu von der Stadtverwaltung. Bis 2035 sollen deswegen nun 300 Wohnungen saniert und 300 neu gebaut werden. Außerdem soll mit Wohnungsbaugenossenschaften zusammengearbeitet werden, wie es die Stadt im rund 80 Wohneinheiten großen Genossenschaftsprojekt im Steinpark im Norden Freisings umsetzt. Städtische Beschäftigte sollen in Betriebswohnungen unterkommen können. Laut Stadtverwaltung gibt es aktuell 87 Werkdienstwohnungen, zum Ende des Jahres sollen 29 zusätzliche Wohnungen an der Katharina-Mair-Straße entstehen. Man beobachte weiterhin, wie sich der Wohnungsmarkt in Freising formt - und will in Zukunft jährlich einen Bericht dazu veröffentlichen.

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