Es ist ein Sommerabend, wie man ihn sich kaum schöner wünschen kann: Vor dem alten Wirtshaus mitten in der Stadt spielt Aaron Brooks mit seiner Band. Menschen aller Generationen sitzen an den Kneipentischen, auf dem Boden oder ein paar Meter weiter an der dahinplätschernden Stadtmoosach. Kinder flitzen umher – und wer unbedingt im Auto vorbeifahren muss, wird ins Schritttempo genötigt.
Das Wirtshaus ist das Freisinger Furtnerbräu. Und damit es solche Abende auch künftig geben kann, haben sich inzwischen viele Menschen aus der Stadt zusammengetan, um die Traditionsgaststätte zu erhalten.
Als die neu gegründete Furtner-Genossenschaft Ende April ihre Pläne zur Rettung des maroden Furtnerbräu öffentlich machte, klang das innovativ, idealistisch – und vielleicht ein bisschen verrückt. Denn es soll nicht nur das Wirtshaus und sein bisheriges kulturelles Angebot erhalten werden. Geplant ist der Ausbau zu einem kulturellen Zentrum für Kleinkunst und möglicherweise sogar die Reaktivierung der verfallenen Furtnerbrauerei.
Der Freisinger Unternehmer Louis Praetner, bisheriger Besitzer des alten Wirtshauses, hatte sich kurz zuvor bereit erklärt, den Furtner samt Brauerei an die Genossenschaft zu verkaufen und ihr das Grundstück für 99 Jahre in Erbpacht zu überlassen. Plötzlich schien es möglich: Finanziert werden soll das Vorhaben über Genossenschaftsanteile zu je 500 Euro und über sogenannte Bierabos. Sie kosten zehn Euro im Monat und enthalten jeweils einen Biergutschein.
Der Kaufvertrag könnte jetzt schon zum Notar
Das erste Ziel ist bereits erreicht: Bis Ende August wollte die Genossenschaft 2200 Anteile zeichnen lassen. Mitte August waren es schon 2260 – und das bedeutet laut Christian Fiedler vom Vorstand der Genossenschaft, dass man das Gebäude jetzt kaufen könnte. Die Vertragsverhandlungen seien bereits so weit fortgeschritten, „dass das jetzt zum Notar kann“. Außerdem seien die Banken mit dem Grundkapital zufrieden, man könnte also für die weiteren Pläne auch Kredite beantragen.
Damit aber wartet die Genossenschaft zunächst. Denn beim zweiten Ziel liegt sie noch deutlich zurück: Bis Ende August sollen 3000 Bier-Abos für zehn Euro im Monat verkauft werden, aktuell ist es erst etwas mehr als die Hälfte. Dieses Geld braucht die Genossenschaft, um die laufenden monatlichen Belastungen durch Erbpacht, Zins und Tilgung langfristig tragen zu können.


Tatsächlich reicht das bisher über die Anteile eingesammelte Geld auch schon für erste Sanierungsarbeiten, weshalb der Furtner jetzt nicht nur seinen üblichen Betriebsurlaub zur Freisinger Volksfestzeit macht. Mit den Sanitäranlagen wurde bereits begonnen und in den kommenden Wochen soll nun auch die Gaststube wieder hergerichtet werden, wie Fiedler erzählt: Der Boden sowie die Wasser- und Abwasserleitungen werden erneuert, ebenso die Kühlung und die Schanktechnik, außerdem soll die alte Kassettendecke wieder hergestellt werden.
Das alles aber so, „dass man nachher möglichst keinen großen Unterschied merkt“, sagt Fiedler. Es ist das erklärte Ziel der Genossenschaft, den Furtner mit all seinem alten Wirtshauscharme zu erhalten: „Das soll nichts Schickes, Glattes, Sauberes werden.“ In sechs Wochen wolle man damit fertig sein, sagt Fiedler. Ein Wirtshaus zu lange zu schließen, könne böse ausgehen. „Zur Not verkaufen wir einfach Flaschenbier aus dem Fenster“, scherzt er.
Viele Freisingerinnen und Freisinger haben den Furtner und sein Umfeld in diesem Sommer fast ein wenig neu für sich entdeckt. Doch das gefällt nicht allen. Sowohl an dem Konzertabend, als auch am letzten Abend vor der aktuellen Schließung, als ein DJ vor dem Furtner noch einmal zahlreiche Menschen in die Altstadt gelockt hatte, gab es Beschwerden von Anwohnern. Sogar die Polizei rückte an. Beanstandungen gab es am Ende allerdings nicht, weil die Sperrzeiten eingehalten wurden.
Die Genossenschaft will gemeinsam mit der Stadt und den Anwohnern Lösungen für den Konflikt finden, wie Fiedler sagt. Natürlich könne es passieren, dass sich Gäste des Furtner mit dem Bier zu Freunden an die Moosach setzten und genau genommen sei das dann eine unerlaubte Erweiterung der Freischankfläche, die Anlass für Beschwerden bieten könne. Kontrollieren könnten das die Wirte vom Furtner aber kaum, vor allem, weil auch andere Menschen mit einem mitgebrachten Bier auf den Stufen sitzen würden.


Natürlich habe man Verständnis für die Anwohner, die nicht jeden Abend auch nach der Schließung des Furtner noch bis nach Mitternacht Partylärm haben wollten. „Andererseits wollten wir doch eine belebte Innenstadt, in der sich die Menschen gerne aufhalten – es ist halt einfach schön hier jetzt.“
An diesem Abend wirkt es, als würden viele Gäste diese Einschätzung teilen. Familien kommen vor dem Furtner zusammen, Studierende und andere junge Gäste wechseln sich beim Testen eines Tandems ab. Beim Selfiemachen kommt fast jemand zu Fall. Zu späterer Stunde tanzt ein Paar Walzer. Ob die beiden schon Anteile gekauft haben? „Selbstverständlich.“

