Schulpolitik:Wirtschaftsschule darf experimentieren

Schulpolitik: An der Freisinger Wirtschaftsschule finden derzeit noch Sanierungsarbeiten statt. Für eine Aufnahme weiterer Schüler ist sie gerüstet.

An der Freisinger Wirtschaftsschule finden derzeit noch Sanierungsarbeiten statt. Für eine Aufnahme weiterer Schüler ist sie gerüstet.

(Foto: Marco Einfeldt)

Schulausschuss erteilt Zustimmung, an einem Versuch des Kultusministeriums teilzunehmen. Der hat zum Ziel, fünfte Klassen an diesem Schultyp einzuführen.

Von Peter Becker, Freising

An den Wirtschaftsschulen in Bayern soll ein "Schulversuch 5. Klasse" eingeführt werden. Dies ermöglicht den direkten Wechsel von der Grundschule an diesen Schultyp. Das bayerische Kulturministerium wirbt um Teilnehmer für diesen Versuch, die Freisinger Wirtschaftsschule ist interessiert. Voraussetzung für die Teilnahme an dem Experiment ist aber die Zustimmung des Sachaufwandträgers, das ist in diesem Fall der Landkreis Freising. Diese hat die Schulleitung jetzt eingeholt. Der Schulausschuss des Kreistags hat sich einstimmig dafür ausgesprochen, dass sich die Wirtschaftsschule bewerben darf.

Immerhin, wenn auch sonst noch vieles nebulös ist, die Zustimmung des Landkreises ist der Wirtschaftsschule schon mal sicher. Ansonsten liegen zum Schulversuch keine konkreten Details vor, das Kultusministerium hat bislang nichts bekannt gegeben. Es gibt auch keine Angaben dazu, wann und mit wie vielen Schulen der Versuch starten soll.

In dem Antrag an den Landkreis Freising beschrieb die Schulleitung die derzeitige Situation an der Wirtschaftsschule an der Wippenhauser Straße. Demnach hat sich die Schülerzahl in den vergangenen 17 Jahren mehr als halbiert: von 761 im Schuljahr 2006/07 auf derzeit 381. Als Ursachen für den Schwund haben Schulleitung und Verwaltung mehrere Ursachen festgemacht. Da ist zum einen die Einführung der sechsstufigen Realschule sowie der M-Züge an den Mittelschulen. Im Schuljahr 2017/18 wurden die zuvor angebotenen Ausbildungsrichtungen in einem kaufmännischen und einem mathematisch-naturwissenschaftlichen Zweig abgeschafft. Der Bau der Realschulen in Freising und Au setzten der Wirtschaftsschule zusätzlich zu.

Die Schulleitung weist daraufhin, dass sie von Anfang an erfolgreich an der Erprobung der Wirtschaftsschule von der sechsten Klasse an teilgenommen hat. Diese sei jetzt fester Bestandteil am Unterricht. Was laut Schulleitung aber noch gewichtiger ist: Eltern treffen die Entscheidung, welche weiterführende Schule ihr Kind besuchen soll, in Bayern schon nach der vierten Klasse. "Alle Verbände der Wirtschaftsschulen setzen sich daher seit einiger Zeit mit der Unterstützung von Politik und Wirtschaft für eine Erweiterung in Richtung fünfte Klasse ein", untermauert sie ihren Wunsch.

Die Klassenzimmer sind nicht das Problem, aber das Lehrpersonal

Die Schulleitung erwartet, dass sich durch die Teilnahme an dem Versuch die Schülerzahlen stabilisieren werden und wieder ansteigen. Ein Wechsel an die Wirtschaftsschule wäre aber nach der sechsten oder siebten Klasse weiterhin möglich. Raumprobleme befürchtet die Schulleitung keine. Ihrer Einschätzung nach werden die Schülerzahlen weit unter den Höchstwerten vergangener Zeiten bleiben. Negative Auswirkungen, insbesondere auf die Realschulen, erwartet sie keine. Die Realschulen verzeichnen weiter steigende Schülerzahlen.

Der Schulausschuss legte der Wirtschaftsschule keine Steine in den Weg. Die Grünen befürworteten die Teilnahme an dem Versuch, bekundete Eva Bönig für ihre Fraktion. Es handele sich um ein gutes Angebot. Die Wirtschaftsschule "soll nicht hinten runter fallen", sagte Melanie Daniel (AfD), die dem Elternbeirat angehört. Sie und die Schulleiter treibt allerdings die Sorge um, dass möglicherweise die Stellen für das Lehrpersonal nicht besetzt werden können.

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