WirtschaftDer Name Praetner ist Geschichte

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Die  Firmen Praetner und Kreiller sind jetzt zusammengelegt. Im Bild (von links): Tobias Binder, Louis Praetner und Nikolaus Binder.
Die  Firmen Praetner und Kreiller sind jetzt zusammengelegt. Im Bild (von links): Tobias Binder, Louis Praetner und Nikolaus Binder. Renate Schmidt
  • Die Firma Kreiller aus Traunstein hat das in Schieflage geratene Freisinger Traditionsunternehmen Praetner nach 97 Jahren übernommen.
  • 31 der 43 Mitarbeitenden bleiben bei dem Werkzeug-Fachhandel, der nach den Osterfeiertagen unter neuer Führung wieder geöffnet hat.
  • Praetner hatte drei Jahre in Folge rote Zahlen geschrieben und sollte Ende März schließen, bevor Kreiller kurzfristig die Rettung ermöglichte.
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Die Firma Kreiller übernimmt das in Schieflage geratene Freisinger Traditionsunternehmen und behält einen Großteil der Belegschaft des Werkzeug-Fachhandels.

Von Petra Schnirch, Freising

Für Louis Praetner ist es ein Tag der gemischten Gefühle. Nach 97 Jahren geht sein Familienunternehmen in neue Hände über. Letztlich überwiegt bei ihm jedoch die Freude darüber, dass der Betrieb gerettet werden konnte. Noch vor wenigen Wochen hatte es so ausgesehen, als müsste der Werkzeug‑Fachhandel Ende März schließen. Drei Jahre in Folge schrieb das Unternehmen rote Zahlen. Doch die Firma Kreiller aus Traunstein entschloss sich kurzfristig zur Übernahme – und sicherte damit einen Großteil der Arbeitsplätze. Seit den Osterfeiertagen hat der Betrieb unter neuer Führung wieder die Arbeit aufgenommen.

Die blauen Kreiller-Fahnen wehen bereits seit 31. März an der Einfahrt zum Firmengelände im Freisinger Gewerbegebiet Gute Änger. Am 1. April, dem Tag der Übernahme, kamen die beiden Geschäftsführer Nikolaus Binder (67) und sein Neffe Tobias Binder (34) nach Freising. Dort bereitete sich die Belegschaft gerade auf die Neueröffnung vor. Was ändert sich? „Die Visitenkarte“, sagt Tobias Binder und lacht. „Das Sortiment bleibt gleich“, fügt sein Onkel hinzu. Es gebe nur kleine Veränderungen.

Die Binders hatten sich kurzfristig zu der Investition in Freising entschlossen, nachdem die Liquidation bekannt geworden war. Man habe ohnehin darüber nachgedacht, das Vertriebsgebiet zu erweitern. Der Raum Freising biete sich dafür an, sagt Tobias Binder. Praetner habe einen guten Ruf als solides Unternehmen. Die Gespräche beschreibt er als „lösungsorientiert“, von der Belegschaft in Freising ist er begeistert. „Sie haben sich reingehängt, um das Projekt zu stemmen.“ Eine rasche Einigung sei notwendig gewesen, damit die Mitarbeitenden nicht abwandern. Üblicherweise liefen Vorbereitungen für eine Übernahme über mehrere Monate.

Bis auf drei Verwaltungsangestellte hat die Firma Kreiller allen Beschäftigten ein Angebot gemacht. 31 Mitarbeitende haben es angenommen und bleiben, neun haben sich bereits anders orientiert. „Es verschlechtert sich keiner“, betont Nikolaus Binder, der Betrieb werde in die Tarifstruktur überführt.

„Es macht Sinn, antizyklisch zu investieren“, sagt der neue Inhaber

Wie wollen die Binders das Unternehmen wieder profitabel machen? Zum einen setze man auf Synergieeffekte in der Verwaltung, die in Traunstein bleibe. „Die wirtschaftliche Lage ist auch für uns schwierig“, schildert Nikolaus Binder. „Es macht aber Sinn, antizyklisch zu investieren“. Er geht davon aus, dass die Nachfrage in der Baubranche wieder anziehen wird und verweist auf die Wohnungsnot im Ballungsraum München. „Das Problem muss irgendwann irgendwie gelöst werden.“ Zudem arbeite das Unternehmen daran, eine möglichst effiziente Logistik aufzubauen.

Die Geschäftsleitung übernehmen Tobias Binder und Kreiller-Mitarbeiter Marco Traubinger. Thomas Biersack bleibt als Niederlassungsleiter in Freising.

„Der Name Praetner ist jetzt Geschichte“, sagt Louis Praetner, 70. „Das fällt schon ein bisschen schwer.“ Aber die Firma Kreiller sei ebenfalls ein Familienunternehmen, sogar mit 160-jähriger Historie. Das Jubiläum wird in diesem Jahr groß gefeiert, zu der Party in Traunstein ist auch die Belegschaft aus Freising eingeladen.

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