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Stadträte vor schwieriger Entscheidung:Grübeln über Alternativen

Volksfestabbau in Freising, 2014

Die Bierkrüge für das Freisinger Volksfest werden in diesem Jahr nicht gebraucht. Ob es eine Alternative gibt, ist noch nicht klar.

(Foto: Lukas Barth)

Das Freisinger Volksfest ist abgesagt, ein bisschen Fest hätte man aber schon gern. Dezentrale Angebote sind wegen der Baustellen in der Innenstadt aber schwierig. Am Montag diskutiert der Stadtrat, was machbar ist.

Von Nadja Tausche, Freising

Das Freisinger Volksfest 2020 ist abgesagt, das hat der Stadtrat schon am 20. April beschlossen. Ob es ein Alternativprogramm geben wird und wenn ja in welcher Form, ist derzeit noch unklar - es laufen aber an verschiedensten Stellen Bemühungen, den Freisingern doch noch in irgendeiner Form Volksfestprogramm bieten zu können. Seit der Absage suche man gemeinsam mit Schaustellern und Beschickern nach denkbaren Angeboten, berichtet Christl Steinhart, Pressesprecherin der Stadt: Diese sollen ermöglichen, dass unter anderem Betreiber von Essensbuden zumindest einen Teil ihres Umsatzverlustes wettmachen, und gleichzeitig "den (Volksfest-)Fans Spaß machen".

Ein normales Volksfest in klein und mit begrenzter Besucherzahl steht dabei nicht zur Debatte. "Das ist unter Einhaltung aller gebotenen Hygieneregeln nicht möglich", so Steinhart. In anderen Städten hat man sich vielmehr ein ganz neues Konzept überlegt: In München werden an verschiedenen Orten der Stadt Buden und Fahrgeschäfte aufgestellt, auch in Moosburg hat die Stadt für ein solches Konzept bereits die Standbetreiber der Herbstschau angefragt. In Freising ist allerdings die Schwierigkeit, dass ein Teil der Oberen Hauptstraße durch den Innenstadtumbau momentan eine einzige große Baustelle ist: Trotz des beschränkten Platzes müsse man darauf achten, dass die Abstandsregeln eingehalten werden können, so Steinhart. Gleichzeitig dürften Geschäftsinhaber durch Buden nicht beeinträchtigt werden: "Ein temporärer Schmankerlstand vor einem Gastronomiebetrieb beispielsweise macht kaum Sinn."

Auch die Wirte des Festzelts sind derzeit auf der Suche nach einer Idee für Alternativen zum Volksfest. Man sei definitiv nicht abgeneigt, sich in Freising an Alternativprogrammen zu beteiligen, sagt Stefanie Tauscher: "Vielleicht fällt uns noch was ein." Die Sicherheit sei dabei der wichtigste Faktor: "Dass wir Schuld sind an einem erneuten Corona-Ausbruch, den Schuh will ich mir nicht anziehen", sagt die Festwirtin. Außerdem sei es wichtig, alle Beteiligten unter einen Hut zu bringen. Dass das Volksfest in seiner ursprünglichen Form abgesagt wurde, dafür hat Tauscher Verständnis: "Wo Leute feiern und trinken, sind die Abstände nicht mehr einzuhalten", glaubt sie. Trotzdem trifft es die Zeltbetreiber hart, dass das Volksfest ausfällt. Es sei zwar nur eine von mehreren Einnahmequellen - verschärfe aber die sowieso schon schwierige Situation: Wegen Corona fielen zum Beispiel auch viele Firmenevents oder Hochzeiten weg, bei denen die Tauschers normalerweise das Catering übernehmen. Auch für die Mitarbeiter der Festwirte sei die Situation schwierig: Normalerweise arbeiten auf dem Volksfest rund 160 Menschen für die Festwirte, darunter allein 100 Bedienungen.

Eine schöne Tradition fällt weg

Auch beim Hofbrauhaus Freising macht sich der Wegfall des Volksfests finanziell bemerkbar. Dazu komme die menschliche Komponente, sagt Geschäftsführer Jürgen Charrois: Es falle schließlich eine schöne Tradition weg, auf die sich die Freisinger freuen. Bei der Staatsbrauerei Weihenstephan macht das Volksfest dagegen keinen allzu großen Anteil am Umsatz aus. "Dass das Freisinger Volksfest ausfällt, trifft uns mehr auf der emotionalen Ebene", sagt Sprecher Anton Hirschfeld. Sollte es ein Alternativprogramm geben, würden sich beide Brauereien daran beteiligen: "Man braucht mal wieder ein Fest", glaubt Hirschfeld, "die Leute wollen wieder ein bisschen feiern dürfen." Allerdings, so glaubt Charrois: "Auch wenn es etwas gibt, wird das nicht die gleiche Stimmung wie auf dem Volksfest sein." Allzu viel Umsatz mache die Brauerei dabei wohl auch nicht. Trotzdem: "Wir werden alles tun, um das zu unterstützen", so Charrois. Beide Brauerein seien derzeit in Gesprächen mit der Stadt, heißt es.

Dass es einen Plan B für das Volksfest braucht, sieht auch der Freisinger FDP-Ortsvorsitzende Jens Barschdorf so. Im Mai hat er die Stadt deshalb in einem Antrag dazu aufgefordert, alternative Konzepte zu prüfen: "Das Volksfest ist eines der Highlights im Jahr, wo sich ganz Freising trifft", erklärt er. Konkret könnte er sich ein "Drive-In-Volksfest" wie das in Erding vorstellen: Besucher konnten sich bei Ständen auf dem Volksfestplatz Essen und Getränke zum Mitnehmen holen. So etwas in Freising auf die Beine zu stellen, dafür könnte es jetzt allerdings schon zu spät sein, befürchtet er. Ob das so tatsächlich ist, dürfte sich bald herausstellen: Im Moment diskutiere die Freisinger Stadtverwaltung intern die Möglichkeiten, berichtet Sprecherin Christl Steinhart. Am kommenden Montag wird das Thema dann im Finanzausschuss der Stadt behandelt.

© SZ vom 25.07.2020/beb

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