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Veganismus in Freising:Vorurteile abbauen

Klima-Demonstration Fridays for Future

Auf einer Klima-Demonstration von "Fridays for Future" halten Teilnehmer unter anderem Transparente mit der Aufschrift: 'Vegan sei ein Held' hoch.

(Foto: dpa)

Der Freisinger Robert Smetana und seine Mitstreiter vom Verein "Living Future" wollen auf einem Kongress ohne erhobenen Zeigefinger und unter Berufung auf wissenschaftliche Grundlagen über veganes Leben aufklären.

Veganer sind super-schwächlich, können keine Kraft aufbauen, und Sport können sie wegen ständigen Proteinmangels eh nicht ausführen. Das ist so ein Vorurteil, mit dem auch Robert Smetana immer wieder konfrontiert wird, obwohl der 26-jährige Wahl-Freisinger durchaus sportlich ist. Und es gibt beeindruckende Gegenbeispiele. Constantin Preis etwa, deutscher Meister im 400-Meter-Lauf und Teilnehmer an der WM in Katar. Oder das Muskelpaket Patrik Baboumian, der 2011 den "Strongest Man"-Wettbewerb gewann, und sich ebenfalls vegan ernährt. Dennoch halten sich die Vorurteile, und deshalb möchte nicht nur Robert Smetana ganz genau wissen, was dran ist. Und deshalb ist ein Ziel des veganen Vereins "Living Future" unter anderen, die wissenschaftlichen Grundlagen solcher Vorurteile und Stereotypen zusammenzutragen.

Das ideale Format für alle, die es genauer wissen wollen, ist ein Kongress. Und genau für einen solchen hat sich der Verein "Living Future" Ende 2018 gegründet. "Es ist dann einfacher, eine solche Veranstaltung zu organisieren", erklärt Smetana, der gerade den Bachelor in Molekular-Biotechnologie gemacht hat. Im Februar 2019 hat der erste vegane Kongress in München stattgefunden, in der Musikhochschule, mit 180 Interessierten. Jetzt, beim zweiten Mal am 1. Februar 2020, rechnen die Veranstalter schon mit 300 Besuchern.

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Die Veranstalter rechnen mit deutlich mehr Besuchern als beim ersten Kongress

Was sie erwartet, ist eine Bandbreite an Informationen rund um einen pflanzenbasierten Lebensstil. "Nicht mit erhobenem Zeigefinger", wie Robert Smetana betont, "sondern faktenbasiert, damit wir nicht in die Ecke von Vegan-Fundamentalisten gestellt werden können". Dazu gehört die Präsentation von technischen Innovationen, etwa aus dem Bereich zellkulturbasierter Landwirtschaft, also der Herstellung von Fleisch und Milch aus Zellen, für deren Produktion die Tiere nicht getötet werden müssen. Die Resonanz darauf sei unterschiedlich, erklärte Smetana, "die meisten sagen, solche Produkte ermöglichen es, dass Menschen weiter den gewohnten Geschmack genießen, aber ohne die negativen Auswirkungen auf Umwelt und Tiere". Andere seien interessiert an der Entwicklung, hätten aber wenig Lust, derlei selbst zu essen. Fakt ist, marktreif sind die wenigsten Produkte.

Von Interesse dürfte auch die Milch aus ökologisch angebauten Pflanzen sein, die das Freisinger Start-Up-Unternehmen "Pläin" entwickelt hat und nach einer erfolgreichen Crowd-Founding-Aktion demnächst auf den Markt bringt. Eine Neuerung, die beim ersten Kongress vorgestellt wurde, war eine Restaurant-Führer-App für vegetarische, vegane und fair gehandelte Produkte. Breiten Raum nehmen auch diesmal medizinische Themen ein, zu den Referenten gehören eine Ärztin und ein Ernährungswissenschaftler. Eine Kinderärztin wird außerdem über das Streitthema vegane Kinderernährung referieren. Auch ein bio-veganer Landwirt wird da sein, der zeigt, wie es ohne Tiere geht, und das sogar profitabler für den Landwirt. Bereits 15 Redner stehen fest. Dazu gibt es Podiumsdiskussionen, unter anderem zum Thema Aktivismus.

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Ein bio-veganer Landwirt gehört ebenso zu den Referenten wie ein Kinderärztin

Die Vorbereitungen für den Kongress, der diesmal im Stammgelände der Technischen Universität in der Münchner Arcisstraße stattfindet, sind schon weit gediehen. Einmal die Woche treffen sich die Vereinsmitglieder von "Living Future" zur Telefonkonferenz, denn der Großteil der Leute kommt zwar aus München, ist aber immer wieder in alle Himmelsrichtungen zerstreut, ein Teil derzeit zum Beispiel in Neuseeland. Es sei eine ganz bunte Truppe aus acht bis 15 Leuten, erzählt Smetana, der Älteste ist Anfang 40, die meisten sind zwischen 20 und 30 Jahre alt. Sie alle eint das Interesse an pflanzenbasiertem Leben und der Wunsch, etwas dafür zu tun.

Die Resonanz nach dem ersten Kongress sei sehr gut gewesen, "wir haben zwar finanziell draufgezahlt, aber es hat sich trotzdem gelohnt", so Smetana. Weil Saalmiete und Reisekosten für die meist ohne Gage auftretenden Referenten und Referentinnen trotzdem zu Buche schlagen, müssen die Besuch zahlen, dafür gibt es aber auch ein Mittagessen, Kaffee, eine Stofftasche mit Testproben, Gutscheinen und viel Wissenswertem. Mehr Infos unter www.vedge-kongress.de

© SZ vom 27.12.2019
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