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Personal:Umbruch im Frauenhaus

Frauenhaus-Leiterin Alexandra Mozelewski wechselt nach 15 Jahren zur Frühförderung nach Moosburg.

(Foto: Einfeldt)

Leiterin Alexandra Mozelewski wechselt nach 15 Jahren zur Frühförderung nach Moosburg, eine Nachfolgerin gibt es noch nicht. Zu den Problemen der Einrichtung zählt der Mangel an bezahlbarem Wohnraum in der Region

Die Leiterin des Freisinger Frauenhauses, Alexandra Mozelewski, hört zum 31. Dezember 2015 auf - nach 15 Jahren in dieser Position. Sie wird zur Frühförderung nach Moosburg wechseln. "In letzter Zeit hatte ich den Wunsch, wieder mehr mit Kindern zu arbeiten, eigentlich bin ich ja Sonderpädagogin", erzählt Mozelewski. Trotzdem habe ihr die Arbeit im Frauenhaus viel Spaß gemacht, sie sei mit Herz und Seele dabei gewesen. "Ich merke schon jetzt, dass mir die Arbeit fehlen wird. Am meisten werde ich es vermissen, in einer Krise für die Frauen und deren Kinder da zu sein." Bisher gebe es noch keine Nachfolgerin, die Stelle als Leiterin des Frauenhauses sei aber ausgeschrieben und sie hoffe auf viele Bewerbungen.

Im April 1991 wurde das Freisinger Frauenhaus eröffnet. Bis es soweit war, waren unzählige Gespräche notwendig. Fünf Jahre lang kämpfte der Arbeitskreis für Fraueninteressen um die Gründung der Einrichtung - er ist bis heute der Träger des Frauenhauses. Wer ins Frauenhaus flieht, hat meist viel durchgemacht. Die Frauen leiden oft unter psychischer Gewalt wie Demütigung oder Erniedrigung. Zudem gebe es Fälle von körperlicher Gewalt, schildert Ulrike Friedrich, stellvertretende Leiterin des Freisinger Frauenhauses. "Es handelt sich beispielsweise um Schläge, Würgen und sexuelle Übergriffe, die durch die Ehe scheinbar legitimiert werden", erzählt sie.

Die betroffenen Frauen kommen dabei aus allen sozialen Schichten. In der Einrichtung wird ihnen geholfen und sie haben die Chance, neu anzufangen. Der Zufluchtsort ist anonym, die Adresse des Hauses wird geheim gehalten. Im Freisinger Frauenhaus leben sowohl Frauen aus dem Landkreis, als auch aus anderen Regionen Deutschlands. Denn wenn es möglich ist, wohnen die Frauen gerne etwas weiter weg von ihren Männern. Das gehe aber oft wegen der gemeinsamen Kinder nicht, sagt Friedrich. Innerhalb eines Jahres bekämen sie etwa 200 bis 300 Anfragen, einigen Frauen reiche eine Beratung aus.

Trotzdem benötige man eigentlich mehr Platz im Frauenhaus, berichtet Mozelewski. Momentan biete das Haus Platz für fünf Frauen und ihre Kinder. "Meistens sind die Zimmer schnell belegt", sagt Mozelewski. Auch aktuell sei das Frauenhaus voll. Im Jahr wohnten dort insgesamt zwischen 30 und 50 Frauen. "Sie bleiben zum Teil sehr lange, da es hier einfach keine bezahlbaren Wohnungen gibt und sie nicht wissen, wo sie hin sollen", so Mozelewski. In der Richtlinie für die Förderung von Frauenhäusern in Bayern heißt es, wie lange eine Frau im Frauenhaus bleibe, richte sich nach ihrer individuellen Situation. Dabei sollten allerdings "in der Regel sechs Wochen nicht überschritten werden". Das ist laut Friedrich wegen der Situation auf dem Wohnungsmarkt nicht einzuhalten.

Die Frauen, die eigentlich nur zwei oder drei Monate im Frauenhaus bleiben müssten, belegen so natürlich Plätze, die für andere Frauen benötigt würden. "Manchmal kehren die Frauen nach einem längeren Aufenthalt bei uns zu ihren Männern zurück, weil sie keine Wohnung finden und die Männer die alte Wohnung meistens noch haben. Dann kehren sie zwar gestärkt und anders zurück, aber es ist trotzdem nicht leicht", erzählt Friedrich.

Auch die anderen bayerischen Frauenhäuser seien meistens komplett belegt. "Wenn unser Haus voll ist benötigen wir durchschnittlich zehn Anrufe, um einen Platz in einem anderen Frauenhaus zu finden", erzählt Friedrich. Das Frauenhaus arbeitet eng mit dem Freisinger Interventionsmodell zusammen. Das ist die Beratungsstelle des Frauenhauses. Den Gewaltopfern soll es dadurch erleichtert werden, sich Hilfe zu holen.

© SZ vom 14.12.2015
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