Theatersäle sind für die allermeisten Jugendlichen fremdes Terrain. „Viele wissen mit dem Medium gar nicht mehr umzugehen“, sagt der Freisinger Kulturamtsleiter Markus Bader bedauernd. Der Zugang wird ihnen aber auch nicht leicht gemacht. Während die sozialen Medien Unmengen schnell konsumierbarer Filmschnipsel anbieten, sind Theaterproduktionen für Jugendliche die Ausnahme. Das Kulturamt hat deshalb zum ersten Mal eine Eigenproduktion gestemmt und greift ein brandaktuelles Thema auf, um junge Leute für das Theater zu begeistern. Das Asamtheater möchte sich als Haus für alle Generationen profilieren.
Am Sonntag, 1. März, feiert das Stück „Good Morning, Boys and Girls“ von Erfolgsautorin Juli Zeh Premiere, das die Planung eines Amoklaufs an einer Schule thematisiert. „Ein sehr gutes Stück, das die Handlung aus verschiedenen Blickwinkeln schildert“, erklärt Bader. Juli Zeh liefere kein einfaches Täterbild, „weil es keine monokausalen Begründungen gibt“. Es gehe nicht um Schuldzuweisungen, sondern um die Frage nach dem Umgang mit Jugendlichen in einer komplexen Zeit, in der sie auf ihren Handys mit Dingen konfrontiert werden, die man für das Seelenheil besser nicht ansehen sollte.
Im Mittelpunkt des Stücks steht Jens, der sich selbst „Cold“ nennt. Dargestellt wird er von Philipp Jouaux. Der 16-jährige Außenseiter plant seine Tat detailliert und malt sich in Gedanken bereits die öffentliche Aufmerksamkeit, den medialen „Ruhm“ aus. Erst die Begegnung mit seiner Mitschülerin Susanne (Lena-Maria Köhler) bringt eine unerwartete Wendung. Perspektivwechsel zeigen die Beziehungen zu seinen Eltern (Jessica Latein und Johannes Lukas) und zu seiner Deutschlehrerin (Stephanie von Borcke), die seine Texte zwar ernst nimmt, deren Explosivität jedoch übersieht.
Das Stück sei leider sehr aktuell, sagt Bader und erinnert an den Amoklauf an einer kanadischen Schule, der erst kurz zurückliegt. Weitere traurige Beispiele gibt es viele, auch aus Freising. Vor fast genau 24 Jahren erschoss hier ein 22-Jähriger den Schulleiter seiner ehemaligen Schule und davor zwei Mitarbeiter einer Echinger Firma, die ihn entlassen hatte.
„Good Morning, Boys and Girls“ richtet sich nicht nur an Jugendliche, Schulklassen stehen aber im Fokus. Für sie gibt es mehrere Vorstellungen im Asam, inklusive Vor- oder Nachgesprächen mit den Schauspielern. Die beiden jungen Hauptdarsteller sind selbst erst um die 20 und Absolventen der Athanor-Schauspielakademie. Die drei anderen Darsteller leben in München und Freising. Regie führt der Freisinger Martin Böhnlein, ein erfahrener Schauspieler und Regisseur. Er übernimmt diese Aufgabe ehrenamtlich. Das Bühnenbild stammt von der Freisingerin Myriam Forster.

Böhnlein und Bader hatten das Theaterstück von Juli Zeh vor Jahren in München gesehen und waren davon so begeistert, dass sie auf der Suche nach einem geeigneten Stoff entschieden, es nun in Freising auf die Bühne zu bringen. Er würde sich wünschen, dass es die Jugendlichen zum Nachdenken anrege, dass sie anfingen, Dinge zu hinterfragen. Die Pubertät sei eine der schwierigsten Phasen im Leben, „da gibt es viele Stolpersteine“. Die jungen Leute seien auf der Suche nach ihrer Identität, gleichzeitig sei der Druck auf sie immens. „Wir leben in einer irren Zeit.“ Und Markus Bader ergänzt: „Im Zirkus der Äußerlichkeiten“.
Finanziell unterstützt wird die Produktion von den Rotary Clubs Flughafen und Freising sowie dem Landratsamt Freising. Das Kulturamt hofft zudem auf eine Förderung durch den Bezirk Oberbayern. Weitere Aufführungen sind in Unterschleißheim, Pullach, Haar und Amberg geplant, die Gastspielreihe beginnt im Herbst. Einen besonderen Service gibt es für Jugendliche des Sehbehinderten- und Blindenzentrums Südbayern in Unterschleißheim. Sie können das Geschehen auf der Bühne mit Audio-Beschreibung über Kopfhörer verfolgen.
Die Vorbereitungen dauerten zwei Jahre
Ob das Kulturamt künftig weitere Eigenproduktionen angehen wird, ist offen. „Das ist sehr viel Arbeit“, sagt Markus Bader, „das darf man nicht unterschätzen“. Für das aktuelle Stück dauerte die Vorbereitungszeit etwa zwei Jahre, von der Sicherung der Aufführungsrechte bis zur Premiere.
Die Vorstellung von „Good Morning, Boys and Girls“ beginnt am Sonntag, 1. März, um 18 Uhr im Asamsaal in Freising und dauert etwa eine Stunde. Geeignet ist das Stück für alle ab 15 Jahren. Der Eintritt kostet 16 Euro, ermäßigt zwölf, an der Abendkasse zuzüglich Gebühr. Tickets im Vorverkauf gibt es im Asam, Marienplatz 7, tickets@freising.de, Telefon 08161/54-44333, oder online über https://freising.reservix.de.

