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SZ-Balkonien:Kleine Wunder der Natur

kraut
(Foto: Privat)

Auch ohne Pflege gedeiht in den Töpfen so manches Kraut.

Von Birgit Goormann-Prugger, Freising

Früher, als die Welt noch in Ordnung war, da hatte die SZ-Redaktion eine Idee. Die lautete SZ-Balkonien. Man wollte gemeinsam im Team in Sachen Artenvielfalt mit gutem Beispiel voran gehen und den tristen Balkon der Freisinger SZ-Redaktion in ein blühendes Paradies für Insekten verwandeln. Einen Sommer lang wurde gepflanzt, gehegt, gepflegt, gegossen und zum Schluss sogar geerntet, Tomaten nämlich. Jemand hat auch mal eine Hummel gesehen. Diese teambildende Maßnahme hat allen so viel Auftrieb gegeben, dass sie natürlich im nächsten Jahr fortgesetzt werden sollte. Doch dann kam Corona und es wurde nichts mit Neuanpflanzungen. Die Redaktion verteilte sich auf diverse Home-Offices. Sehen konnte man sich nur noch virtuell, gemeinsame Pflanzaktionen waren so nicht möglich.

Einzig die Brennnessel vom Vorjahr hatte den Winter auf SZ-Balkonien gerade mal so überlebt und wucherte im April schon wieder munter vor sich hin. Ein zähes Gewächs. Ansonsten war die Lage zu Beginn der Vegetationsperiode eher traurig auf dem nachhaltigen und bienenfreundlichen Experimentierfeld der SZ-Redaktion. Jetzt sollte man meinen, wenn keiner was pflanzt, dann wächst da auch nichts mehr. Weit gefehlt. Als nämlich die Kulturchefin zufällig mal einen Blick darauf warf, sah sie doch tatsächlich in den Töpfen etwas blühend emporranken, das vorher dort nicht war und auch sicher nicht angesät worden war. Als ausgewiesene Niete in Sachen Pflanzenkunde rief sie nach der Teamleiterin.

Wie ist das Knopfkraut auf den Balkon bekommen?

Die hat nicht nur einen Garten vor der Tür, sondern ist auch ausgerüstet mit einer Pflanzenbestimmungs-App, die das Gewächs auf SZ-Balkonien als 1. Fenchel, 2. Kanadisches Berufkraut und 3. Kleinblütiges Knopfkraut (Foto) ausweist. Letzteres ist eher unscheinbar aber sehr vermehrungsfreudig. Es stammt ursprünglich aus Südamerika, ist inzwischen jedoch weltweit anzutreffen. Bei uns breitete es sich zu Zeiten der Napoleonischen Kriege aus, weshalb das Kraut weitläufig als Franzosenkraut bekannt ist. Man kann es auch essen. Für Spinat, Eintöpfe, Gemüse, Kräutersuppen ist das Knopfkraut ideal. Wir lassen das Kraut jetzt mal ein bisschen weiterwuchern und falls die Mitglieder der SZ-Redaktion jemals wieder gemeinsam an einem Tisch sitzen dürfen, kommt es in den Topf und wird verspeist.

Eine Frage ist jetzt noch offen. Wie kommt das Knopfkraut jetzt nach SZ-Balkonien? Womöglich hat der Wind die Samen hergeweht. Sie müssen von sehr weit hergekommen sein. Denn die SZ-Redaktion liegt direkt an der stark befahrenen Karlwirt-Kreuzung. Da wächst eher nichts, außer die Feinstaubbelastung.

© SZ vom 21.08.2020/ilos

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